30 Jahre Pokémon: Wie Taschenmonster Taschen füllen
1996 starteten die ersten Pokémon von Japan aus ihren Siegeszug. Sie überlebten den Game Boy und wuchsen heran zur erfolgreichsten Lizenzmarke der Medienwelt. Auch in der analogen Welt feiern sie noch Rekorde.
Ein kleiner, gelber – ja was eigentlich – Hamster vielleicht, ausgestattet mit magischen Fähigkeiten. Pikachu steht für den galaktischen Erfolg seiner Spezies, die seit 30 Jahren Unterhaltungsgeschichte schreibt. Auch im Elektronikviertel von Tokio, in Akihabara. Im Pokémon-Kaufhaus mit dem bezeichnenden Namen „Halleluja“ wird den Mini-Monstern auf acht Stockwerken gehuldigt. Dabei geht es hier vor allem um eins: die Sammelkarten.
Das ist eine limitierte Edition von vor mehr als 20 Jahren, erklärt Sho Watanabe vom Pokémon-Kartenhändler Halleluja. Er legt die teuerste Karte des Hauses auf den Tisch. Der aktuelle Handelswert: Umgerechnet 23.330 Euro. Für ein Stück bedruckte Pappe mit einem niedlichen lila Monstergesicht. Er sagt: „Wir haben ganz unterschiedliche Kunden. Aber es gibt eben einige, die solche „High-End“-Karten suchen.“
Hier lassen sie sich anfassen, die legendären Pocket-Ungeheuer aus Videospielen und Anime-Serien. Im fünften Stock des Warenhauses startet ein Wettbewerb. An den Tischen sind alle Plätze belegt. Auf Kommando reißen die Spieler die Packungen auf. Dann lassen sie ihre gedruckten Monster aufeinander los. Das Ziel: Dem Gegenüber so viele Karten abjagen wie möglich.
Pokémon-Karten als „Leistungssport“
Die Teilnehmer sind Erwachsene, die meisten junge Männer. Und dann ist da Mariko, eine Frau Anfang 30. Sie will Profi-Spielerin werden, verrät sie stolz. „Früher dachte ich, Pokémon-Karten wären nur ein Hobby. Aber inzwischen betreibe ich es wie einen Leistungssport.“
Sie gibt viel Geld aus für neuen Karten, erzählt Mariko. Manchmal mehr als 500 Euro in einem einzigen Monat. Angefangen habe alles nach dem Tod ihrer Mutter. Die süßen Pokémon-Figuren hätten sie aufgemuntert. „Ich glaube, es gibt viele Menschen wie mich, denen Pokémon durchs Leben hilft, und die deshalb weitermachen. Ich hoffe, dass Pokémon noch lange bestehen bleibt.“
Bemerkenswerte Treue der Fans
Das Geheimnis des Erfolgs, es ist nicht nur die Innvation. Nicht nur die Breite des Angebots mit Spielen, Filmen, Figuren und viel mehr. Es ist die Hingabe der Fans über viele Jahre, beobachtet Atsuo Nakayama. Der Soziologe mit Fokus aufs Unterhaltungsbusiness hält die Treue der Fans für den größten Erfolg der Marke Pokémon. Er sagt: „Anstatt etwas Furchteinflößendes oder Bedrohliches darzustellen, haben sie die Monster in eine niedliche, freundschaftliche Präsenz verwandelt, die immer an Deiner Seite ist.“
Die Community hält die Marke am Leben. Angefeuert von immer neuen Charakteren und Editionen. Mehr als 1.000 Taschenmonster sind es inzwischen wohl. Dahinter steht ein Joint Venture von Spielehersteller Nintendo und zwei weiteren Firmen. Im Jahre 2024 erzielte Pokémon einen Reingewinn von 400 Millionen US-Dollar. Die niedlichen kleinen Racker, sie stehen für ein Monster-Geschäft.
Source: tagesschau.de
