114 rafale-Kampfflugzeuge: Frankreichs Mega-Rüstungsdeal mit Indien

Frankreichs Mega-Rüstungsdeal mit Indien befindet sich auf der Zielgeraden. Die indischen Behörden gaben am Donnerstag grünes Licht für den Kauf von Rafale-Kampfflugzeugen. Lokalen Medienberichten zufolge soll es um 114 Maschinen dieses Typs im Gesamtwert von 3,25 Billionen Rupien (30,2 Milliarden Euro) gehen – ein gigantisches Volumen, das den Jahresumsatz von Hersteller Dassault Aviation um rund das Fünffache überträfe. Die Ankündigung erfolgt wenige Tage vor dem geplanten Staatsbesuch von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron in Indien.

Der Kauf von 114 Rafale bahnt sich schon seit Monaten an. Er würde Indien weiter an Europa binden. Die Rüstungskooperation mit Frankreich ist schon länger eng, vor allem in der Luftfahrt. 36 Rafale wurden bereits an die indische Luftwaffe ausgeliefert, weitere 26 für die indische Marine sind als Ersatz für russische MiG-29-Maschinen bestellt.

Für Dassault wäre der neue Großauftrag eine Bestätigung für die Leistungsfähigkeit ihrer Flugzeuge, nachdem durch die Luftschlacht über Kaschmir im Mai 2025 Zweifel aufgekommen waren. Chinesische Kampfjets aufseiten Pakistans schossen damals mindestens eine Rafale der indischen Luftwaffe ab. Die chinesische Propaganda wertete das als Beleg für die Überlegenheit der eigenen Technik.

In Frankreich, wo geopolitische und rüstungswirtschaftliche Interessen traditionell Hand in Hand gehen, widersprach man. Die Rafale hat sich in den vergangenen Jahren zu einem Exportschlager entwickelt. Auch Ägypten, Qatar, Indonesien und die Vereinigten Arabischen Emirate haben sie in großem Stil bestellt.

Beobachter gespalten

In Indien ist es vor allem der hohe Preis für das Rüstungsgeschäft, das die Berichterstattung umtreibt. Ganz offensichtlich hatte die Regierung in Hintergrundgesprächen mit Medien betont, dass nur 18 der 114 bestellten Rafale-Flugzeuge komplett in Frankreich gebaut und der indischen Luftwaffe einsatzbereit übergeben werden sollen. Der ganz überwiegende Teil, nämlich 90 Flugzeuge, soll der Erzählung Neu Delhis zufolge in Indien mit mindestens 60 Prozent aus Indien stammenden Teilen gebaut werden – unter dem von Ministerpräsident Narendra Modi erfundenen Label „Make in India“.

Dieser groß angekündigten, aber bisher mäßig erfolgreichen Industrialisierungskampagne zufolge soll ­Indien bis 2047 zur wohlhabenden, von ausländischen Importen weitgehend unabhängigen Industrienation aufsteigen. Schon im vergangenen Juni gingen Dassault und das indische Rüstungsunternehmen Tata Advanced Systems eine Kooperation ein. Demnach sollen künftig Rafale-Rümpfe in Indien produziert werden.

Schon bei der Bestellung von sechs U-Booten der Klasse U214 beim deutschen Hersteller TKMS für acht Milliarden Euro hatte Neu Delhi das Geschäft der eigenen Bevölkerung mit dem Versprechen verkauft, dass das teure Kriegsgerät in Mumbai gebaut werde und ebenfalls bis zu 50 Prozent indischen Eigenanteil enthalte. Wie im Fall der deutschen U-Boote sind auch mit der Rafale die Beobachter in Indien gespalten über den Sinn der Auftragsvergabe ins Ausland.

Indiens Luftwaffe hat großen Modernisierungsbedarf

So sehen die Befürworter die Rafale als dringend notwendig an, um die indische Luftwaffe nicht allzu weit hinter den zahlenmäßig fast ebenbürtigen Flugstreitkräften Pakistans und der erdrückenden Übermacht chinesischer Kampfjets zurückfallen zu lassen. Kritiker bezeichnen die Kosten, die in Indien inklusive Wartung und Ersatzteilen auf bis zu 40 Milliarden Dollar geschätzt werden, als „Giftpille“ für das Ziel des Landes, wie öffentlich stets behauptet, auch im Rüstungssektor in absehbarer Zeit autark zu werden.

Klar ist: Die indische Luftwaffe hat großen Modernisierungsbedarf. 29 Staffeln zu je 18 bis 24 Kampfjets hat sie – so wenig wie nie in der Geschichte der Republik. Pakistan hat 25 Staffeln, die chinesische Volksbefreiungsarmee 66. Vor dem Besuch des russischen Präsidenten Wladimir Putin in Neu Delhi im Dezember war spekuliert worden, dass Indien nach den MiG-Jets aus der Vergangenheit nun auch wieder russische Kampfjets kaufen könnte, dieses Mal des Typs Su-57.

Doch öffentlich ist über etwaige Vertragsabschlüsse zur Überraschung vieler Fachleute nichts bekannt geworden. Schon den Kauf von U-Booten aus Deutschland hatte Harsh V. Pant, Professor für Internationale Beziehungen vom King’s College in London, gegenüber der F.A.Z. mit einer Neuorientierung Indiens begründet. Neu Delhi wolle sich aus der „Konfrontation der USA mit Russland und China wegbewegen“ und werde Rüstungsgüter deshalb vermehrt in Europa kaufen. EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen hatte jüngst während ihres Besuchs in Indien mit Modi eine Sicherheitspartnerschaft vereinbart, die als Beginn einer verstärkten Rüstungskooperation gilt.