100 solange bis 999 Punkte: Die Schufa lüftet dasjenige Geheimnis weiterführend die Kreditwürdigkeit

Die von Kritikern als „Blackbox“ gescholtene Schufa macht ihre einflussreichen Berechnungen transparenter: Vom 17. März an können Verbraucher den neuen, vereinfachten Score kostenfrei einsehen, der ein wichtiger Baustein für die Vergabe von Krediten ist.
Das Versprechen der Auskunftei mit Sitz in Wiesbaden: Laien können dann ohne großen Aufwand nachrechnen, wie die Angaben zu ihrer Kreditwürdigkeit zustande komme. Für zwölf – aus Schufa-Sicht verständlichen – Kriterien werden Punkte vergeben, in Summe 100 bis 999.
Dazu gehörten persönliche Daten ebenso wie zum Beispiel das Alter der ältesten Kreditkarte, die Anzahl von Anfragen und Abschlüssen für Girokonten und Kreditkarten in den vergangenen zwölf Monaten sowie der Kredit mit der längsten Restlaufzeit. Auch viele andere Darlehen wie Immobilienkredite ohne Bürgschaft, der jüngste Rahmenkredit oder neue Ratenkredite der vergangenen zwölf Monate werden aufgelistet. Aber auch die Anzahl von Anfragen im Bereich Telekommunikation und (Online)-Handel in den vergangenen zwölf Monaten werden dort erfasst und sind den Verbrauchern am Mitte März zugänglich. Kreditstatus und Zahlungsstörungen sind ebenfalls unter den Schufa-Kriterien.
Einflussreiche Vorhersage zum Zahlungsverhalten von Verbrauchern
„Jedes Kriterium, das in den Score einfließt, erhält Punkte, die ganz einfach zusammengerechnet werden können und die Gewichtung im Score widerspiegeln“, erläutert die Schufa. „Verbraucherinnen und Verbraucher können so künftig einfach nachvollziehen, welche Kriterien ihren persönlichen Score wie beeinflussen und Änderungen ihres Scores leichter verstehen.“
Je höher die Gesamtpunktzahl, umso höher wird die Bonität des jeweiligen Verbrauchers eingeschätzt – also die Wahrscheinlichkeit, ob Rechnungen pünktlich bezahlt und Kredite zuverlässig getilgt werden.
Die Berechnungen von Auskunfteien wie Schufa, Creditreform oder Crif sind für Banken, Versandhändler, Mobilfunkanbieter und Energielieferanten ein wichtiger Maßstab. Sie wollen wissen, wie es um die Zahlungsmoral ihrer Kundschaft bestellt ist, bevor Verträge geschlossen und Waren übergeben werden.
Schufa will „Blackbox“–Image loswerden
Verbraucherschützer fordern seit langem mehr Transparenz von der Schufa. Immer wieder gibt es Beschwerden von Verbrauchern, dass negative Bewertungen auf falschen oder zumindest strittigen Daten beruhen. Die Schufa begründete ihre bisherige Zurückhaltung damit, dass der Score manipuliert werden könnte, wenn das Berechnungsmodell völlig transparent wäre.
Zudem argumentiert die Schufa, der Score sei nur ein Baustein. Sie selbst treffe keine Entscheidungen zum Beispiel über die Vergabe von Krediten oder den Abschluss eines Handyvertrages. Die Entscheidung für oder gegen ein Geschäft treffe letztlich das Unternehmen, mit dem ein Verbraucher einen Vertrag abschließen möchte.
Eine Bank zum Beispiel fragt bei einer Kreditanfrage eines Kunden dessen Bonität bei der Schufa ab. Diese Daten reichert die Bank mit eigenen Informationen an: etwa Daten zu Einkommen und Ausgaben sowie Vermögen des Kunden. Schließlich hängt die Kreditvergabe auch von der Risikobereitschaft des jeweiligen Geldhauses ab.
Wer den neuen Schufa-Score einsehen will, muss sich einmalig für den sogenannten Schufa-Account registrieren. Der Schufa-Account als Zugang zu den persönlichen Daten wird zunächst über eine Web-Anwendung erreichbar sein, welche über den Browser auf dem PC, Tablet und Smartphone zur Verfügung steht. Geplant ist eine Erweiterung um eine Schufa-App, die als Download in den einschlägigen App-Stores zur Verfügung gestellt werden soll.
Die Schufa verfügt nach eigenen Angaben über Informationen zu 68 Millionen Menschen in Deutschland – überwiegend seien „ausschließlich positive Informationen gespeichert“.
Source: faz.net