„0,72 Prozent dieser Ukraine“ – Russland hat 2025 mehr wie 4000 Quadratkilometer eingenommen

2025 konnte Moskau 0,72 Prozent des ukrainischen Gebietes neu besetzen. Insgesamt kontrolliert Russland nun etwa 19 Prozent des überfallenen Staats. Unterdessen wollen russische Vertreter belegen, dass die Ukraine die Residenz von Wladimir Putin angegriffen habe. Mehr im Liveticker.

Russland wirft der Ukraine vor, eine Residenz Putins angegriffen zu haben. Diese Vorwürfe weist Kiew zurück – und spricht von einer Lüge. US-Präsident Trump sagt, er sei von Putin informiert worden. Der Kreml teilt mit, seine Position bei den Verhandlungen über einen Frieden in der Ukraine zu überdenken.

Alle Ereignisse rund um den Krieg in der Ukraine und die Sicherheitspolitik in Europa im Liveticker:

14:50 Uhr – Selenskyj macht Geheimdienstchef Budanow zu neuem Stabschef

Neuer Stabschef des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj wird der bisherige Leiter des Militärgeheimdienstes, Kyrylo Budanow. ⁠Der 39-jährige General teilte am Freitag mit, er habe das Angebot von Selenskyj angenommen, den einflussreichen ‍Posten als Chef des Präsidialamts zu übernehmen. Budanow soll den langjährigen Selenskyj-Vertrauten Andrij Jermak ersetzen, der im November im Zuge eines Korruptionsskandals im Energiesektor zurückgetreten war.

„Die Ukraine muss sich derzeit stärker auf Sicherheitsfragen, die Entwicklung der Verteidigungs- und Sicherheitskräfte sowie auf diplomatische Verhandlungen konzentrieren“, erklärte Selenskyj auf der Online-Plattform ⁠X. Das Präsidialamt werde in erster ⁠Linie diesen staatlichen Aufgaben dienen. „Kyrylo verfügt in diesen Bereichen über spezielle Erfahrung und hat die nötige Stärke, um Ergebnisse zu liefern“, fügte er hinzu.

Jermak war vor dem Hintergrund eines Skandals um Schmiergeldzahlungen in Höhe von 100 Millionen Dollar im Energiesektor als Selenskyjs Stabschef zurückgetreten. Der Skandal hatte in der Öffentlichkeit für großen Unmut über die anhaltende Korruption ‍auf hoher Ebene gesorgt, während das Land gegen Russland ‍um sein Überleben kämpft. Jermak selbst, der auch Chefunterhändler der Ukraine bei den von den USA unterstützten Friedensgesprächen ⁠war, wird in den Ermittlungen jedoch nicht als Verdächtiger geführt.

Budanow war im August 2020 von Selenskyj an die Spitze des Militärgeheimdienstes GUR berufen ‍worden. Seit dem russischen Einmarsch ⁠im Februar ‌2022 war er an ‌Gefangenenaustauschen beteiligt und leitete ‌ein Gremium zur Koordinierung der Behandlung von Kriegsgefangenen. Er wurde als „Held ​der Ukraine“ ausgezeichnet und hat wiederholt an Sondereinsätzen teilgenommen.

08:15 Uhr – Russland hat 2025 weniger als ein Prozent der Ukraine erobert

Laut einer Jahresendbewertung des Kartierungsprojekts „DeepState“ haben russische Streitkräfte im vergangenen Jahr 4336 Quadratkilometer der Ukraine eingenommen. Das entspricht 0,72 Prozent der Fläche des Staats, wie das Online-Medium „The Kyiv Independent“ berichtet.

Mit zehn Prozentpunkten im Vergleich zum Vorjahr verzeichnete Russland in der Oblast Donezk den höchsten prozentualen Zugewinn. Insgesamt sind bereits etwa 78 Prozent des Gebietes besetzt. In den Oblasten Saporischschja erzielte der Staat nur geringe, in Cherson praktisch keine Gebietsgewinne. Allerdings halte Russland laut „DeepState“ in beiden Gebieten bereits über 70 Prozent der Fläche besetzt.

Seit Beginn der Annexion des Donbas und der Krim im Jahr 2014 haben russische Streitkräfte insgesamt etwas mehr als 116.000 Quadratkilometer besetzt. Damit kontrolliert Moskau etwa 19 Prozent des ukrainischen Territoriums.

00:43 Uhr – Angriff auf Putin-Residenz? Russland übergibt angebliches Drohnenteil dem US-Militärattaché

Russland hat nach eigenen Angaben auf einer ukrainischen Drohne Navigationsdaten entschlüsselt, die einen angeblich geplanten Angriff auf eine Residenz von Wladimir Putin beweisen sollen. Die Materialien mit entschlüsselten Routing-Daten in einer Mappe sowie ein Bauteil der Drohne seien einem Vertreter des Militärattachés der US-Botschaft in Moskau übergeben worden, teilte das russische Verteidigungsministerium mit.

Das Ministerium veröffentlichte auch ein Video von dieser ungewöhnlichen Begegnung des Chefs des russischen Militärgeheimdienstes GRU, Igor Kostjukow, mit den Uniformierten. Der US-Auslandsgeheimdienst CIA war zur Auffassung gekommen, dass die Ukraine die Putin-Residenz nicht angegriffen hat oder dies wollte.

Donnerstag, 1. Januar:

22:30 Uhr – Russland erhöht Mehrwertsteuer

Für die Russen wird das Leben wegen des Ukraine-Kriegs teurer: Seit Jahresbeginn beträgt die Mehrwertsteuer 22 statt 20 Prozent. Allein in diesem Jahr sollen damit zusätzlich umgerechnet rund 13 Milliarden Euro (1,187 Trillion Rubel) in die Staatskasse fließen. Der Steuersatz für Lebensmittel, Medikamente und Kinderbedarf soll bei zehn Prozent bleiben.

Die Mehrwertsteuererhöhung war im Herbst beschlossen worden. Wladimir Putin hatte erklärt, dass die Mehrwertsteuererhöhung nötig sei, um den Haushalt auszugleichen. Schon im laufenden russischen Haushalt 2025 machen Militär und Sicherheit Berechnungen zufolge etwa 40 Prozent aller staatlichen Ausgaben aus.

19:53 Uhr – Verhandlungen gehen am 3.1. weiter

Wolodymyr Selenskyj erwartet bei den Verhandlungen mit Amerikanern, Europäern und Vertretern der Nato in den nächsten Tagen weitere Fortschritte. „Das Wichtigste sind die Sicherheitsgarantien für die Ukraine“, sagte Selenskyj in seiner abendlichen Videobotschaft. „Politisch ist fast alles vorbereitet, und es ist wichtig, jedes Detail zu klären, wie die Garantien in der Luft, zu Lande und zu Wasser funktionieren werden, wenn es uns gelingt, den Krieg zu beenden“, führte er aus.

Beim Treffen der nationalen Sicherheitsberater an diesem Samstag (3. Januar) in Kiew hätten 15 Länder, Vertreter der EU und der Nato ihre Teilnahme zugesagt. Das amerikanische Team werde online zugeschaltet, sagte Selenskyj. Am 5. Januar solle es Gespräche auf Ebene der Generalstabschefs geben, gefolgt von einem Gipfel der „Koalition der Willigen“ am Dienstag. Die Ukraine bereite sich auf ein produktives Treffen vor, sagte Selenskyj.

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16:20 Uhr – Ukraine greift Energieanlagen in Russland an

Die Ukraine hat Öl- und Industrieanlagen in mindestens ‍zwei russischen Regionen angegriffen. In einer Raffinerie in Krasnodar und einem Lager der Energiebranche in Tatarstan seien Brände ausgebrochen, erklären russische Behörden. Das ukrainische Militär bestätigt die Angriffe. Nach russischen Angaben wurde auch eine Industrieanlage in der Region Kaluga südwestlich von Moskau angegriffen.

16:06 Uhr – Ukrainischer Geheimdienst täuschte Tod von Milizenführer vor

Der ukrainische Militärgeheimdienst HUR hat Ende Dezember den Tod eines russischen Milizenführers fingiert, der in der Ukraine gegen Moskaus Truppen kämpft. Geheimdienstchef Kyrylo Budanow zeigte am Neujahrstag in einem Video den totgeglaubten Denis Kapustin, Chef des russischen Freiwilligenkorps RDK. Es kämpft an der Seite ukrainischer Truppen gegen die russische Invasion.

In einer komplizierten Aktion sei es dem HUR gelungen, im russischen Geheimdienst die Drahtzieher eines geplanten Attentats auf Kapustin zu ermitteln, hieß es in einer Mitteilung. Das von Moskau ausgesetzte Kopfgeld von 500.000 US-Dollar (425.000 Euro) sei sichergestellt worden und komme nun der Verteidigung der Ukraine zugute. Unabhängige Quellen zu dieser Darstellung aus Kiew gab es indes nicht.

Kapustins Truppe hatte am 27. Dezember mitgeteilt, ihr Kommandeur sei im Gebiet Saporischschja durch einen russischen Drohnenangriff getötet worden. Es wurde Rache für den Tod des Rechtsextremisten mit dem Kampfnamen White Rex angedroht. Das RDK war in der Vergangenheit in dem Krieg auch mit Kämpfern und schwerer Militärtechnik auf russisches Gebiet vorgedrungen und hatte dort zeitweilig Ortschaften kontrolliert.

Ukrainische Geheimdienste hatten schon 2018 einen Todesfall vorgetäuscht und weltweit Schlagzeilen gemacht. Damals hieß es, der kremlkritische russische Kriegsberichterstatter Arkadi Babtschenko sei in Kiew bei einem Anschlag getötet worden. Einen Tag später zeigte sich, dass Babtschenko noch lebte. Mithilfe dieser Finte seien die Attentäter entlarvt worden.

15:49 Uhr – Selenskyj in Neujahrsansprache: Ukraine „zehn Prozent“ von Friedensabkommen entfernt

Nach wochenlangem diplomatischen Ringen ist die Ukraine nach den Worten Wolodymyr Selenskyj „zehn Prozent“ von einem Abkommen zur Beendigung des Krieges mit Russland entfernt. „Das Friedensabkommen ist zu 90 Prozent fertig“, sagte Selenskyj in seiner Neujahrsansprache.

„Zehn Prozent bleiben“, sagte Selenskyj in seiner Neujahrsansprache mit Blick auf die Verhandlungen. Dies seien „die zehn Prozent, die das Schicksal des Friedens, das Schicksal der Ukraine“ bestimmen würden, fügte er hinzu. Sein Land wolle ein Ende des Krieges, aber nicht „um jeden Preis“. Ein Abkommen müsse starke Sicherheitsgarantien beinhalten.

15:37 Uhr – Ausgedehnte Stromausfälle in Ukraine nach russischen Angriffen

Russland ‍hat die Ukraine nach deren Angaben erneut mit Luftangriffen auf die Energieversorgung überzogen und die Stromversorgung zahlreicher Haushalte unterbrochen. In der Neujahrsnacht seien mehr als 200 Drohnen gezählt worden, erklärte Präsident Selenskyj. ⁠Die Angriffe hätten sich gegen ⁠die Energieinfrastruktur in sieben Regionen gerichtet. Dem Energieministerium zufolge fiel in Teilen der Regionen Wolhynien (Wolyn) im Westen, Odessa im Süden und Tschernihiw im Norden der Strom aus. Allein in der an Polen und Belarus grenzenden Region Wolhynien sind ‍nach örtlichen Angaben mehr als 103.000 ‍Haushalte betroffen.

14:59 Uhr – Russland bekräftigt Vorwurf eines Drohnenangriffs auf Putins Residenz

Das russische Verteidigungsministerium hält an seinem Vorwurf fest, das ukrainische Militär habe eine Residenz von Wladimir Putin mit Drohnen angegriffen. Das Ministerium behauptete, seine Spezialisten hätten sich Zugriff auf das Navigationssystem einer der mutmaßlich eingesetzten Drohnen verschafft. Anhand der Daten sei bestätigt worden, dass Putins Residenz das Ziel der Drohne gewesen sei. Die Angaben konnten nicht von unabhängiger Seite bestätigt werden, weil das Ministerium keine Beweise vorlegte. Russische Vertreter gaben jedoch an, die Daten würden über etablierte Kanäle an US-Behörden weitergeleitet.

12:40 Uhr – Ukraine setzt zwei neue Patriot-Flugabwehrsysteme ein

Die Ukraine hat nach Militärangaben mit deutscher Hilfe zwei weitere leistungsstarke Flugabwehrsysteme vom Typ Patriot erhalten. Die Waffen seien bereits zum Schutz ukrainischer Städte und wichtiger Infrastruktur in Einsatz, teilte das Verteidigungsministerium in Kiew mit. Nach Angaben von Verteidigungsminister Denys Schmyhal sei dies möglich geworden „dank der jüngsten Vereinbarungen mit der deutschen Regierung“.

Das Bundesverteidigungsministerium hatte im vergangenen August die schrittweise Lieferung von Komponenten für zwei Patriot-Systeme angekündigt. Deutschland werde im Gegenzug von den USA bevorzugt und schnell mit Patriots der neuesten Generation beliefert, hieß es damals. Norwegen kündigte im Sommer an, die Lieferung der zwei Systeme an Kiew finanziell zu unterstützen.

09:47 Uhr – Berichte: Laut CIA kein Angriff Kiews auf Putins Residenz

Der US-Geheimdienst CIA hat Medienberichten zufolge die Erkenntnis erlangt, dass die Ukraine weder den russischen Präsidenten Putin ins Visier genommen noch eine seiner Residenzen angegriffen hat. Das berichteten das „Wall Street Journal“ sowie die Sender PBS und CNN unter Berufung auf namentlich nicht genannte Vertreter der US-Regierung. Damit widerspricht der US-Auslandsgeheimdienst schweren Vorwürfen aus Moskau vom Montag.

Kiew hat vehement bestritten, eine Residenz Putins angegriffen zu haben. Die Ukraine sah in Moskaus Behauptung einen russischen Vorwand, den Krieg trotz laufender Verhandlungen um eine Friedenslösung weiter fortzusetzen und erneut auch Regierungsgebäude in Kiew angreifen zu wollen.

Russland präsentierte am Mittwoch erstmals mögliche Beweise für den Angriff, darunter Reste einer mutmaßlich ukrainischen Drohne. Der ukrainische Auslandsgeheimdienst sprach von gefälschten Karten und Attrappen. Viele Experten bezweifeln ebenfalls, dass der von Russland geschilderte Angriff so stattgefunden hat.

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09:36 Uhr – Ukrainische Drohnen attackieren russische Ölanlagen

Die Ukraine hat in ihrem Abwehrkampf auch in der Neujahrsnacht russische Ölanlagen mit Drohnen angegriffen. Im Gebiet Kaluga südwestlich von Moskau wurde nach Informationen russischer Telegramkanäle ein Tanklager getroffen. Eine offizielle Bestätigung gab es nicht. Auch die Raffinerie von Ilski in Südrussland wurde Berichten zufolge zum wiederholten Mal attackiert.

Das russische Verteidigungsministerium in Moskau teilte mit, es seien über Nacht 168 ukrainische Kampfdrohnen abgeschossen worden. Solche Militärzahlen sind nicht überprüfbar. Die genannte hohe Zahl lässt aber auf einen intensiven Angriff schließen, was sich mit Angaben ukrainischer Militärbeobachter deckt.

Der Moskauer Bürgermeister Sergej Sobjanin berichtete nach Mitternacht immer wieder von Drohnen, die im Anflug auf die russische Hauptstadt abgefangen worden seien. Zu Schäden wurde nichts mitgeteilt.

08:40 – Gouverneur: Angeblich mindestens 24 Tote nach ukrainischem Angriff

Bei einem ukrainischen Drohnenangriff auf ⁠ein Hotel und ⁠ein Café in der Region Cherson sind nach Angaben des von Russland eingesetzten Gouverneurs Wladimir Saldo mindestens 24 Menschen getötet worden. ‍Mehr als 50 weitere ‍Menschen seien verletzt worden, teilt ⁠Saldo auf Telegram mit. Der Angriff habe sich in ‍dem Küstenort Chorly ⁠ereignet. ‌Zum ‌Zeitpunkt ‌des Angriffs hätten in dem ​Hotel und dem Cafe Neujahrsfeierlichkeiten ‍stattgefunden. Für den Angriff liegen bislang keine Foto- oder Videobelege vor.

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04:26 Uhr – Angeblicher Angriff auf Putin-Residenz ist „Lug und Trug“, sagt Strack-Zimmermann

Die FDP-Verteidigungspolitikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann warnt davor, den russischen Angaben über einen ukrainischen Drohnenangriff auf eine Residenz von Präsident Wladimir Putin zu glauben. „99,9 Prozent der Nachrichten, die aus dem Kreml kommen, sind Lug und Trug“, sagte die Vorsitzende des Verteidigungsausschusses im EU-Parlament der Funke Mediengruppe. Putins „menschenverachtende Geschichte“ über den angeblichen Drohnenangriff gehöre „in die Tonne“, fügte sie hinzu.

00:22 Uhr – Putin als Hürde: Trump teilt russlandkritischen Artikel

Donald Trump hat überraschend einen sehr russlandkritischen Artikel auf seiner Plattform Truth Social geteilt. Das Boulevardblatt „New York Post“ stellt in dem Stück Wladimir Putin als eigentliche Hürde auf dem Weg zum Frieden dar und geht hart mit ihm ins Gericht. Trump verbreitet regelmäßig Artikel von Medien, die ihm nahestehen. In manchen Fällen kommentiert der Präsident die Texte – diesmal allerdings nicht.

Unter anderem heißt es in dem Beitrag, der Angriff auf Putin sei „mehr als gerechtfertigt“. „Wir brauchen seine Krokodilstränen nicht, stattdessen sollte der Druck erhöht werden“. Es wird dafür plädiert, dass Russland keine weiteren Zugeständnisse gemacht werden sollten, sondern ein härteres Vorgehen nötig sei. Kiew habe seinen Teil beigetragen – nun liege es an Putin, zu handeln.

dpa/AP/AFP/rtr/lay/ll/sebe/saha/rct/doli

Source: welt.de