Zum Trump-Besuch: US-Konzerne versprechen Milliardeninvestitionen in Großbritannien

Anlässlich des Besuchs von US-Präsident Donald Trump verkündet die britische Regierung hohe finanzielle Zusagen amerikanischer Konzerne. „Rekordinvestitionen von 150 Milliarden Pfund vorgestellt während des US-Staatsbesuchs“, jubelte das Wirtschaftsministerium in einer Art Triumphmeldung. Allein der US-Investmentgigant Blackstone habe 100 Milliarden Pfund (115 Milliarden Euro) Investitionen in Großbritannien zugesagt. Alles zusammen würde 7600 Arbeitsplätze schaffen, was bei der genannten Summe wenig klingt. Allerdings vermengt das Ministerium teils schon angekündigte und teils neue Investitionen und unterscheidet nicht zwischen reinen Finanz- und Realinvestitionen.

Die Investitionen von 100 Milliarden Pfund von Blackstone werden sich zudem über einen Zeitraum von zehn Jahren verteilen. Zudem enthält die Zahl auch schon vorher angekündigte zehn Milliarden Pfund, die Blackstone in die Entwicklung von Datenzentren stecken will. Das Unternehmen Palantir von Peter Thiel, das Software für Polizei und Militär entwickelt, werde 1,5 Milliarden Pfund investieren und bis zu 350 Arbeitsplätze schaffen, heißt es. Die US-Investmentgesellschaft Prologis sagt Investitionen von 3,9 Milliarden Pfund zu. Das Geld fließe unter anderem in den Ausbau des Cambridge Biomedical Campus, des Güterbahnhofs Daventry in Mittelengland und in Industriewerke. Die amerikanische Firma Amentum schaffe 3000 Arbeitsplätze, unter anderem in Glasgow und Warrington.

Größter Supercomputer des Landes

Microsoft verspricht, in den nächsten Jahren 22 Milliarden Pfund in In­frastruktur für Künstliche Intelligenz und anderes zu investieren. Dies ist die größte finanzielle Zusage jemals des US-Konzerns in Großbritannien. Zusammen mit Nscale, einem britischen KI-Anbieter, will Microsoft den größten Supercomputer des Landes bauen. Google hat schon früher die Eröffnung eines Datenzentrums in Waltham Cross angekündigt. Auch US-Finanzinstitute investieren. Bank of America schaffe bis zu 1000 neue Arbeitsplätze in Belfast, Citigroup bestätigte, dass sie mehr als eine Milliarde Pfund in ihre britischen Niederlassungen investiert.

Die Regierung von Premierminister Keir Starmer kann solche Erfolgsmeldungen dringend gebrauchen, da die Stimmung im Vereinigten Königreich eher gedämpft ist. „Diese Investitionen sind ein Zeichen für Britanniens wirtschaftliche Stärke und ein deutliches Signal dafür, dass unser Land offen ist“, sagte Starmer. Er hofft, die Öffentlichkeit mit positiven Meldungen rund um den Trump-Besuch zu beeindrucken. Zugleich gibt es Proteste, vor allem von linken Gruppen, gegen den Besuch des US-Republikaners.

Auch im wirtschaftlichen Feld ist die Beziehung nicht ungetrübt. Die Hoffnungen Londons auf eine Verbesserung des Handelsabkommens mit Washington haben sich vorerst zerschlagen. Wie die BBC meldet, wird der zollfreie Export von britischem Stahl doch nicht möglich. Aktuell gilt ein Zollsatz von 25 Prozent. London und Washington hatten monatelang um Konditionen für zollfreien Stahl gerungen. Am 8. Mai hatten Starmer und Trump bei der Ankündigung des großen Handelspakts diese Hoffnung geweckt.

Doch nun scheint eine Einigung gescheitert zu sein. Gareth ­Stace, Direktor des Lobbyverbands UK Steel, zeigte sich in der BBC „enttäuscht“. Ein zweiter Streit betrifft Medikamentenpreise und die Ausgaben im staatlichen Gesundheitssystem NHS. Pharmakonzerne sind über den Kurs der Politik verärgert. Sie haben versucht, vor dem Trump-Besuch Druck auf den britischen Gesundheitsminister aufzubauen. Der US-Pharmakonzern Merck stornierte ein geplantes Forschungszentrum für eine Milliarde Pfund in London. Astra-Zeneca pausiert Investitionen in Höhe von 200 Millionen Pfund.