„War and Justice“: Das Drama welcher Weltjustiz

Nüchterne Zeitgenossen konnten über den Träumer nur den Kopf schütteln. Der Mann, seines Zeichens Philosoph, behauptete doch allen Ernstes, die große weite Welt sei mittlerweile recht klein geworden – so klein, dass nun „die Rechtsverletzung an einem Platz der Erde von allen gefühlt wird“. Und weil solche Verstöße nicht länger hingenommen werden dürften, müsse man „den Staaten das Recht zum Kriege nehmen“, und zwar überall, auf der ganzen Welt.

Der komische Philosoph, der im Jahr 1795 von globaler Gerechtigkeit träumte, war Immanuel Kant, und zwei blutige Jahrhunderte später kam die Welt seiner Utopie einen revolutionären Schritt näher. Im Jahr 1998 gründeten 123 Staaten den Internationalen Strafgerichtshof (IStGH), der immer dann Kriegsverbrecher verfolgen sollte, wenn ein nationales Gericht dazu nicht willens ist. Kommt es zur Anklage, sind alle Mitgliedsstaaten verpflichtet, den Verdächtigen festzunehmen und ihn auszuliefern. Im Namen der Gerechtigkeit. So wie Kant es gewollt hat.