Vodafone: Drohnenland Deutschland? Konzern wittert dasjenige große Geschäft – WELT

Der Mobilfunker Vodafone steigt in das Geschäft mit Drohnen ein. Zusammen mit dem Leipziger Unternehmen Flynex startet Vodafone die Online-Plattform DroNet Hub, auf der Unternehmen Drohnenflüge planen und beauftragen können. „Das ist der erste All-Inclusive-Service für kommerzielle Drohnenflüge“, sagt Michael Reinartz, Innovations-Chef von Vodafone Deutschland. „Wir wollen sie für alle einfach und sicher möglich machen, die sie sinnvoll nutzen wollen.“

Tatsächlich werden Drohnen in Deutschland zunehmend dafür eingesetzt, um Gebäude oder kritische Infrastrukturen aus der Luft zu inspizieren. Auf diese Weise lassen sich beispielsweise Bauschäden an Brücken und Fabriken erkennen. Landwirte nutzen Drohnen, um Ernteschäden zu erfassen oder den Einsatz von Dünger und Pflanzenschutzmittel zu planen.

Sie helfen auch beim schnellen Transport auf Werksgeländen von Logistikunternehmen und bei der Inspektion und Wartung von Strommasten und Windparks. Ohne Drohnen kann das sehr aufwendig, teuer und für Menschen riskant werden.

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Die Zahl der kommerziell genutzten Drohnen in Deutschland steigt schnell und hat sich nach Angaben des Bundesverbands der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie (BDLI) und des Bundesverbands der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) seit 2019 verdreifacht. „Das Potenzial für den Einsatz kommerzieller Drohnen ist riesig“, sagt Michael Petrosjan, Geschäftsführer bei Flynex. „Immer mehr Branchen erkennen den Mehrwert, kommerzielle Drohnen in ihre betrieblichen Abläufe zu integrieren.“

Doch der Drohneneinsatz ist nicht ganz einfach, denn Unternehmen müssen klären, wo und in welchem Umkreis die Drohnen überhaupt eingesetzt werden dürfen, welche Genehmigungen sie benötigen und wie sie hinterher die Bilder auswerten. Dafür soll DroNet Hub künftig Komplettpakete anbieten. Vodafone will dafür die Daten aus dem Mobilfunknetz mit einbinden und so Vorhersagen zu erwarteter Funkqualität und Bevölkerungsdichte auf der Flugroute für eine schnellere und einfachere Genehmigung liefern.

Das Luftfahrtrecht sieht vor, dass Drohnenflüge außerhalb der Sichtweite eines Piloten vorab genehmigt werden müssen. Dafür ist ein Risiko-Check notwendig, bei dem auch geprüft wird, wie viele Menschen sich unterhalb der Flugroute aufhalten und ob die Drohne durch ein Funkloch fliegen muss. Ein Mobilfunknetzbetreiber kann diese Informationen aus seinem Netz ablesen. Mit diesen Daten lasse sich der Genehmigungsprozess beschleunigen.

Schäden könnten mithilfe von KI festgestellt werden

Vodafone hat in den vergangenen Monaten hier nach eigenen Angaben bereits in einem begrenzten Testlauf Erfahrungen gesammelt. DroNet Hub soll jedoch weit darüber hinausgehen und auf Wunsch auch die abschließende Analyse mit künstlicher Intelligenz beinhalten, um auf den Luftbildern beispielsweise Schäden automatisch festzustellen.

Das DroNet Hub dürfte sich aber vor allem auf die Erfahrungen von Flynex und auf dessen Angebot stützen. Das Unternehmen bezeichnet sich selbst als Branchenführer in Sachen Drohnenlösungen für kommerzielle Anwendungen und betreibt bereits eine Plattform, auf der mehr als 250.000 Objekte aus unterschiedlichen Branchen verwaltet werden. Flynex beteiligt sich auch an internationalen Projekten der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) sowie des UN World Food Program.

Auch die Deutsche Telekom ist im Geschäft mit Drohnen unterwegs, vor allem mit Systemen zur Drohnenerkennung, die Teil einer Drohnenabwehr sein können. Die Systeme erkennen, wenn eine Drohne in der Nähe aufsteigt und sich nähert. Sie sind auch in der Lage, den Standort des Piloten auszumachen. Zu den Kunden gehören unter anderem BASF, Boehringer, Merck und Volvo. Aber auch ein Konzert in Singapur hat die Telekom bereits geschützt.

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Ein Deal, der sich rächt

In Deutschland stattet sie auch Organisationen der öffentlichen Hand damit aus, darunter Polizeien und andere Behörden. In Berlin werden die Systeme unter anderem während der Europa-Fußballmeisterschaft eingesetzt. Wie umsatzstark das Geschäft ist, verrät die Telekom nicht. Es sei aber profitabel, sagt ein Sprecher.

Darüber hinaus hat die Telekom bereits 2019 zusammen mit der Deutschen Flugsicherung (DFS) das Gemeinschaftsunternehmen Droniq gegründet, das direkt mit dem DroNet Hub konkurriert. Droniq unterstützt Unternehmen und Behörden bei der professionellen Drohnennutzung, hilft bei Genehmigungen und hat eine Technologie entwickelt, mit der Piloten sehen können, wo sich in ihrer Umgebung bemannter oder unbemannter Flugverkehr befindet.

Droniq bietet auch Drohnenflüge an, beispielsweise um Windparks oder Agrarflächen zu begutachten. Zu den Kunden gehören unter anderem Thyssengas, Wingcopter und Evonik.

Source: welt.de