Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer sorgt für Eklat auf Migrationskonferenz

Auf einer Podiumsdiskussion zum Thema Migration ist Tübingens Oberbürgermeister als Gast geladen. In seinem Vortrag will er auf die Schwierigkeiten durch Einwanderung für Kommunen hinweisen. Dabei sorgt seine Wortwahl für große Aufregung.

Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer hat bei einer Tagung an der Goethe-Universität in Frankfurt für einen Eklat gesorgt. Der Politiker war Teilnehmer der Diskussionsrunde „Migration steuern, Pluralität gestalten“ auf einer Konferenz zum Thema Migration. Im Vorfeld der Veranstaltung unterhielt sich Palmer mit anderen Konferenzgästen – und nutzte dabei mehrfach den Begriff „Neger“, wie die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (FAZ) berichtet.

Auf Videos in den sozialen Netzwerken ist zu sehen, wie Palmer anschließend versucht, seine Wortwahl vor Studierenden auf dem Uni-Campus zu rechtfertigen. „Ihr beurteilt Menschen anhand von einem einzelnen Wort.“ Nach einer kurzen Unterbrechung fügte er hinzu: „Das ist nichts anderes als ein Judenstern.“ Die anwesenden Studierenden, die teilweise gekommen waren, um gegen die Veranstaltung zu demonstrieren, waren sichtlich aufgebracht. Schnell bildete sich ein Sprechchor, der „Nazis raus“ rief, dem sich auch der Politiker anschloss. „Ich will auch keine Nazis in diesem Land“, sagte er.

Auf der sich anschließenden Podiumsdiskussion eskalierte die Situation um Palmers Äußerungen weiter. So beharrte der Politiker darauf, dass es bei der Verwendung des N-Wortes auf den Kontext ankomme, wie die „Frankfurter Rundschau“ berichtete. Justitiabel sei dies demnach nur, wenn man es gegenüber einer Schwarzen Person nutzen würde. Außer in dieser Situation sei es legitim.

Moderator verließ den Raum
Andere Konferenzteilnehmer wie der Psychologe Ahmad Mansour, der Sozialwissenschaftler Ruud Koopmans und der Politiker Manuel Ostermann entgegneten jedoch, dass das Wort eine Beleidigung darstelle – vor allem, wenn man es mehrfach wiederhole. Der Moderator der Veranstaltung verließ schließlich den Raum. „Herr Palmer, mit Ihnen will ich nichts mehr zu tun haben“, sagte er der FAZ zufolge.

Trotz der Debatte um seine Wortwahl hielt Palmer seinen Vortrag mit dem Titel „Memorandum für eine andere Migrationspolitik“. Darin schlug er unter anderem Qualitätsabstriche bei der Versorgung von neu ankommenden Flüchtlingen sowie eine Erstversorgung mit Sachleistungen statt mit Geldmitteln vor. Dies sei notwendig, um den begrenzten Ressourcen auf dem Wohnungsmarkt, im Gesundheits- und Bildungswesen zu begegnen, berichtete die FAZ über den Vortrag des Politikers.

Auf der Konferenz ging es unter anderem um die Herausforderungen für Kommunen durch die Einwanderung. Teilnehmer waren Wissenschaftler, Lehrer, Schulleiter, Polizisten und Politiker. Einigkeit herrschte dabei, die legale Einwanderung nach Deutschland zu fördern und Migration für Schutzsuchende sicherer machen zu wollen.

NTV