Stadionsicherheit international: Strenge Kontrollen, personalisierte Tickets
Debatten um den Einsatz von Pyrotechnik und um mehr Sicherheit in Stadion gehören in allen Staaten mit Fußballbegeisterung zum Alltag. Welche Lösungen hat man in Italien, Spanien und der englischen Liga gefunden?
Italien
Die Sicherheitsvorkehrungen in Italiens Fußballstadien sind schon vor 20 Jahren verschärft worden. Seitdem werden die Fans schon vor dem Stadion zweimal kontrolliert und die Stadien videoüberwacht.
Die Tickets sind personalisiert und nicht übertragbar. Je nachdem, wo ein Fan wohnt, darf er möglicherweise nur in den Gästeblock, damit die Ultras beider Teams möglichst nicht aufeinandertreffen und Krawalle gar nicht erst entstehen.
Das sind nur einige der Maßnahmen, die dazu geführt haben, dass es in Italiens Stadien entspannter zugeht. Allerdings verabreden sich Hooligans beider Seiten mittlerweile auch zu Schlägereien an Ausfahrtsstraßen oder auf Autobahnraststätten.
Besonders brisant bleiben Stadtderbys – wie zwischen den Römer Vereinen Lazio und AS. Dabei war es erst im April zu Krawallen gekommen. Ein Teil der Lazio-Fans macht bis heute aus seiner faschistischen Gesinnung und seiner Sympathie für den Diktator Benito Mussolini keinen Hehl – innerhalb und außerhalb des Stadions.
Lisa Weiß, ARD Rom
Die Leidenschaft der Tifosi – wie hier in Bologna – ist legendär. Auch deshalb sollen die Ultras gegnerischer Teams in italienischen Stadien nicht aufeinandertreffen.
Spanien
In spanischen Fußballstadien bleibt es in der Regel ruhig – auch bei Begegnungen rivalisierender Clubs. Das liegt daran, dass bei Vereinen wie dem FC Barcelona oder Real Madrid der Großteil der Tickets nicht auf dem freien Markt verkauft wird, sondern an die Mitglieder geht. Wenn dann ohnehin die meisten Fans für den gleichen Verein jubeln, ist das Konfliktpotenzial gering.
Der Alkoholausschank ist oft stark eingeschränkt oder ganz verboten, das Mitführen von Pyrotechnik und von spitzen Gegenständen auch.
Welches Sicherheitsprotokoll für welches Spiel gilt, das entscheiden Behörden, Polizei und Klubs je nach erwarteten Zuschauerzahlen und mitreisenden Fans. Dann werden gegebenenfalls Eingangskontrollen verschärft oder die Fans voneinander getrennt.
Seit Beginn der vergangenen Saison muss bei Ligaspielen immer ein Polizeibeamter vom Spielfeldrand aus das Geschehen im Blick haben, um im Notfall Ärzte oder das Organisationsteam alarmieren zu können. Das nächste Spiel, das von den Behörden als Hochrisikospiel eingestuft wurde, ist übrigens die Champions-League-Begegnung zwischen dem FC Barcelona und Eintracht Frankfurt.
Julia Macher, ARD Madrid
Die Katastrophe von Hillsborough, bei der 1989 97 Fans starben, ist fester Teil der Identität der Fans des FC Liverpool und von Nottingham Forest.
England
Neben jahrzehntelangen Problemen mit gewalttätigen Hooligans hat es auf der britischen Insel immer wieder dramatische Katastrophen in Fußballstadien gegeben. 1985 starben beim Brand im Bradford City Stadium 56 Menschen, und bei der Hillsborough-Katastrophe 1989 wurden 97 Zuschauer bei einer Massenpanik zu Tode gequetscht und getrampelt.
In der Folge wurden jeweils neue Bauvorschriften, Gesetze für bessere Instandhaltung und verpflichtende Sicherheitszertifikate erlassen. Besonders Hillsborough führte zu einem grundlegenden Wandel in der Stadionsicherheitspolitik.
Seit 1984 sind in den beiden höchsten englischen Spielklassen nur noch Sitzplätze erlaubt. Der Konsum von Alkohol ist in Sichtweite des Spielfelds verboten. Nur noch sehr kleine Taschen sind erlaubt. Tickets sind zum Teil personalisiert. Gegen Hooligans wurden Stadionverbote verhängt.
Effizientere Polizeipräsenz und verschärfte Gesetze machen es Hooligans inzwischen schwer, in englischen Stadien zu wüten. Nach dem Chaos beim EM-Finale 2020, als sich 2000 Fans ohne Tickets gewaltsam Zutritt zum Wembley Stadion verschafften, wurden mehr als fünf Millionen Pfund in bessere Sicherheit investiert wie Verstärkung von Drehkreuzanlagen und mehr Kameras, zum Teil auch mit Gesichtserkennung.
Allerdings gibt es an einigen Stellen inzwischen auch wieder Lockerungen. Bei Frauenfußballspielen ist zum Teil Alkohol erlaubt und in einigen Stadien wurden wieder einige Stehplätze eingerichtet.
Gabi Biesinger, ARD London
Source: tagesschau.de