Milliardenpaket: Tesla-Chef Musk reklamiert Sieg in Gehaltsstreit

In einer öffentlichkeitswirksamen Auseinandersetzung um ein üppiges Gehaltspaket hat Elon Musk einen Sieg für sich reklamiert. Wenige Stunden vor der Aktionärsversammlung des von ihm geführten Elektroautoherstellers Tesla am Donnerstag schrieb er auf der Plattform X, die Abstimmung der Anteilseigner falle mit großem Vorsprung zu seinen Gunsten aus. Tesla hatte seine Aktionäre aufgefordert, über ein im Jahr 2018 gewährtes Entlohnungspaket für Musk abzustimmen, das im Januar von einer Richterin für ungültig erklärt worden ist. Dieses Paket besteht aus Tesla-Aktien und hatte zum Zeitpunkt der Gerichtsentscheidung einen Wert von rund 55 Milliarden Dollar, nach jüngsten Kursverlusten sind es noch rund 45 Milliarden Dollar.

Aktionäre konnten schon im Vorfeld der Aktionärsversammlung abstimmen. Das offizielle Ergebnis wurde erst während der Veranstaltung erwartet, die am Nachmittag amerikanischer Zeit angesetzt war. Die Börse wertete Musks Aussagen aber offenbar schon als Zeichen, dass er sich durchsetzen konnte, der Aktienkurs stieg am Donnerstag im Handelsverlauf um 7 Prozent. In dem Kursplus dürfte die Vermutung zum Ausdruck kommen, dass Musk einen größeren Anreiz haben könnte, Tesla weiterhin zu führen, wenn er das Gehaltspaket behalten darf.

An Meilensteine gebundene Aktienoptionen

Die im Jahr 2018 geschlossene und damals auch von Aktionären abgesegnete Gehaltsvereinbarung war sehr ungewöhnlich. Sie gewährte Musk weder ein Grundgehalt noch Bonuszahlungen, sondern sah die Ausgabe von bis zu zwölf Tranchen von Aktienoptionen vor, falls Tesla bestimmte Meilensteine beim Börsenwert sowie bei Umsatz und Gewinn erreicht. Diese Vorgaben waren sehr ambitioniert, Tesla hatte damals eine Marktkapitalisierung von 60 Milliarden Dollar, und die gesetzten Zielmarken reichten bis zu 650 Milliarden Dollar.

Tesla erreichte sie aber in den vergangenen Jahren alle, und Musk bekam sämtliche zwölf Tranchen. Der Börsenwert von Tesla zum Beispiel stieg zeitweise auf mehr als eine Billion Dollar, allerdings ist er mittlerweile wieder deutlich gefallen und betrug zuletzt weniger als 600 Milliarden Dollar. Er liegt damit also unter der obersten Zielmarke im Gehaltsplan, was allerdings laut der Vereinbarung keine nachträgliche Rückforderung der gewährten Aktienoptionen zur Folge haben würde.

Der Rechtsstreit um das Gehaltspaket ging auf die Klage eines Aktionärs zurück, der Musks Entlohnung als exzessiv beschrieb. Die zuständige Richterin im US-Bundesstaat Delaware, Kathaleen McCormick, schlug sich in ihrem Urteil auf seine Seite. Sie nannte Musks Gehaltspaket „historisch noch nie dagewesen“ und „unfair“, und sie sagte, die Vereinbarung sei auf „zutiefst fehlerhafte“ Art und Weise zustande gekommen, unter anderem wegen der engen Verbindungen Musks zu den Mitgliedern des Verwaltungsrats. Aktionären seien diese Interessenkonflikte damals nicht bewusst gewesen. Besonders scharf griff McCormick Verwaltungsratschefin Robyn Denholm an, der sie vorwarf, „nachlässig“ in ihren Aufsichtspflichten zu sein.

Tesla plant, das Urteil anzufechten

Tesla hat signalisiert, das Urteil anzufechten. Daneben beschloss das Unternehmen auch, die Aktionäre noch einmal über das Gehaltspaket abstimmen zu lassen. Die Überlegung war es, dass ein abermaliges Votum der Anteilseigner die Richterin umstimmen könnte, was allerdings nicht als gesichert gilt.

Sowohl Musk als auch Denholm haben in den vergangenen Wochen aggressiv bei Aktionären dafür geworben, das Gehaltspaket zu billigen. Beispielsweise wurde Anteilseignern, die abstimmen, gesagt, sie hätten die Chance, eine Tesla-Fabriktour mit Elon Musk zu gewinnen. Denholm beschrieb vor wenigen Tagen das Gehaltspaket als wichtiges Instrument, um Musk an Tesla zu binden. Die Vereinbarung müsse bestehen bleiben, „um Elons Aufmerksamkeit zu behalten und ihn zu motivieren, Tesla seine Zeit, Energie, Ambition und Vision zu widmen“. Musk sei „kein typsicher Manager“.

Musk verfolgt jenseits von Tesla eine Reihe weiterer Interessen. Er führt das Raumfahrtunternehmen SpaceX, hat die mittlerweile in X umbenannte Onlineplattform Twitter gekauft und hat in den vergangenen Jahren eine Reihe anderer Unternehmen gegründet, darunter Neuralink, einen Entwickler von Gehirnimplantaten, und X.AI, einen Spezialisten für Künstliche Intelligenz. Er hat unlängst öffentlich damit gedroht, sich von Tesla abzuwenden, als er ein zusätzliches Gehaltspaket forderte, das seinen Anteil auf 25 Prozent erhöhen würde. Er sagte, sollte ihm dies nicht gewährt werden, zöge er es vor, Produkte außerhalb von Tesla zu entwickeln.

Auch die Sitzverlegung nach Texas steht zur Abstimmung

Im Vorfeld der Aktionärsversammlung haben mehrere prominente institutionelle Investoren gesagt, sie würden gegen das Gehaltspaket stimmen. Tesla hat allerdings einen besonders hohen Anteil an individuellen Anteilseignern. Musk hat Aktionäre, die 2018 für sein Gehaltspaket gestimmt, aber nun ihre Meinung geändert haben, „Eidbrecher“ genannt.

Neben dem Gehaltspaket sollten die Tesla-Aktionäre auch über eine Verlegung des juristischen Sitzes von Delaware nach Texas abstimmen, wo das Unternehmen heute schon seine Hauptverwaltung und ein großes Werk hat. Auch dieser Punkt wurde auf die Tagesordnung gesetzt, nachdem das Urteil in Delaware fiel, und Musk schrieb vor der Aktionärsversammlung, dass auch diese Abstimmung klar in seinem Sinne verlaufe. Musk hat in den vergangenen Monaten auch schon angekündigt, SpaceX und Neuralink aus Delaware abzuziehen.