Holger Hanselka wird neuer Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft

Wechsel an der Spitze der größten anwendungsorientierten Forschungseinrichtung Europas: Holger Hanselka wird neuer Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft. Der Senat als das dafür zuständige Gremium wählte den Maschinenbauingenieur und Universitätsprofessor auf seiner Sitzung in Dresden gerade zum Nachfolger von Reimund Neugebauer, der die Fraunhofer-Gesellschaft beinahe elf Jahre lang führte. Neugebauer legte sein Amt mit dem heutigen Tag einvernehmlich nieder, teilte die Fraunhofer-Gesellschaft mit.

„Holger Hanselka ist für Fraunhofer die richtige Person zum richtigen Zeitpunkt im richtigen Amt“, kommentierte die Vorsitzende des Fraunhofer-Senats, Hildegard Müller: „Seine hohe wissenschaftliche Reputation, seine profunde Kenntnis der nationalen und internationalen Wissenschaftsorganisationen, seine jahrelange Erfahrung mit der Transformation und Weiterentwicklung wissenschaftlicher Einrichtungen sowie in der Führung von Institutionen zeichnen ihn aus.“

Kritik an Neugebauer

Hanselka ist seit dem Jahr 2013 der Präsident des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT). Davor leitete er unter anderem das Fraunhofer-Institut für Betriebsfestigkeit und Systemzuverlässigkeit LBF in Darmstadt und gehörte in den Jahren 2006 bis 2012 dem Präsidium der Fraunhofer-Gesellschaft an. Hanselka erklärte in einer Mitteilung die weitere Internationalisierung der Fraunhofer-Gesellschaft zu einem seiner wichtigsten Ziele, auch wolle er ein modernes Leitbild erarbeiten. „Wir leben in einer Zeit massiver globaler Veränderungen und Herausforderungen. Da muss auch die Forschung bedarfsorientiert weltumspannender werden.“ Dazu brauche es Innovation, Kreativität und Kosmopolitismus nach außen und fundiertes Wissen, moderne Corporate-Governance-Strukturen, neue Formen der Zusammenarbeit und ein kraftvolles, gemeinsames und von Vertrauen geprägtes Leitbild nach innen.

„Reimund Neugebauer hat als Fraunhofer-Präsident mehr als ein Jahrzehnt den Hightech-Standort Deutschland geprägt und die Fraunhofer-Gesellschaft mit heute mehr als 30.000 Mitarbeitenden zur weltweit führenden Institution für anwendungsorientierte Forschung ausgebaut“, dankte wiederum Hildegard Müller dem bisherigen Amtsinhaber. Unter Neugebauers Führung seien neue Forschungsfelder wie Energietechnologien, Quantentechnologien oder die Künstliche Intelligenz auf- und ausgebaut worden. Der Gesamthaushalt der Fraunhofer-Gesellschaft sei von 1,9 Milliarden Euro auf rund 3 Milliarden Euro gewachsen, die Zahl der Institute von 64 auf derzeit 76 gestiegen.

Neugebauer war in der jüngeren Vergangenheit in die Kritik geraten. Kurz vor der Entscheidung des Senats haben insbesondere grüne Bundestagsabgeordnete für einen Neuanfang geworben. Der Bundesrechnungshof hatte dem Vorstand von Fraunhofer und Neugebauer schwere Vorwürfe gemacht, über Jahre hohe Spesen und Reisekosten verursacht und diese teilweise rechtswidrig ausgegeben zu haben.

„Seit mehr als drei Monaten ist der verheerende zweite Bericht des Bundesrechnungshofes über unzählige gravierende Verstöße gegen interne und externe Regeln bekannt“, sagte der Vorsitzende des Ausschusses für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung, Kai Gehring (Grüne), unlängst der F.A.Z. Wegen der Erheblichkeit der Verfehlungen sei der Neuanfang lange überfällig. Die Fraunhofer-Gesellschaft hat die Vorwürfe im Kern zurückgewiesen.

Ihren Angaben zufolge laufen gegenwärtig Gespräche zwischen allen Beteiligten mit dem Ziel eines schnellstmöglichen Amtsantritts von Hanselka. Bis dahin werde die Fraunhofer-Gesellschaft übergangsweise von Sandra Krey geführt, die im Vorstand für Finanzen und Controlling zuständig ist.