Hamburgs am besten bewertete Sehenswürdigkeit sorgt für „nie versiegende Freude“ – und viel Sarkasmus im Netz

„Die Fenster“ Hamburgs am besten bewertete Sehenswürdigkeit sorgt für „nie versiegende Freude“ – und viel Sarkasmus im Netz

Google-Suchergebnis zu "Die Fenster"

Nur Fünf-Sterne-Bewertungen für in einen Lärmschutzwall eingelassene Fenster?

© Screenshot Google

„Es gibt Dinge, die muss man gesehen haben – ‚Die Fenster‘ gehören definitiv dazu!“, schreibt ein Nutzer auf Google über eine mit ausschließlich fünf Sternen bewertete Attraktion in Hamburg. Aber was steckt dahinter?

„Ich habe das Luxor in Las Vegas gesehen. Ich war in der Sixtinischen Kapelle im Vatikan. Dies stellt jedoch alles dagewesene in den Schatten. Ich schäume über vor nie versiegender Freude“, schreibt ein Nutzer auf Google. Ein weiterer User pflichtet ihm bei: „Ein Ingenieurswerk, das nur mit den Pyramiden vergleichbar ist. In der Überzeugung, dass es viel Schweiß und Tränen gekostet hat. Ohne Zweifel die beste Aussicht auf Hamburg“, heißt es in einer Google-Rezension. Aber welches imposante und bildgewaltige Hamburger Bauwerk ist damit gemeint? Die Elbphilharmonie? Der Michel? Oder die Landungsbrücken?

Weit gefehlt. Es geht um „Die Fenster“ – eine Attraktion im Stadtteil Groß Borstel, die den meisten Tourist:innen und auch Hamburger:innen nichts sagen dürfte. Und bei der sich wohl kaum um eine „echte“ Sehenswürdigkeit handeln dürfte. 

Schallschutz-Installation sorgt für Begeisterung

Hinter dem „architektonischen Meisterwerk“ steckt ein einfacher Lärmschutzwall, „der im Zuge der Erstellung des Wohnquartiers Tarpenbeker Ufer errichtet wurde“. Das erklärte ein Sprecher des Bezirksamts Hamburg-Nord dem „Hamburger Abendblatt“. Ihm zufolge handle es sich bei der Konstruktion auch um „keine Kunst im engeren Sinn“. „Die Bezeichnung als ‚Das Fenster‘ ist dem Bezirksamt Hamburg-Nord nicht bekannt.“

Der 800 Meter lange Lärmschutzwall besteht aus in einem Gitterkäfig eingesperrten Steinen. Die im Wall eingelassenen drei würden dem Bezirksamt zufolge ein Angebot darstellen, „statt auf eine Lärmschutzwand durch geschickt gesetzte Fenster auf die Gleise der Güterumgehungsbahn und darüber hinaus ins Gewerbegebiet Nedderfeld schauen zu können.“

"Die Fenster": Hamburgs am besten bewertete Sehenswürdigkeit sorgt für "nie versiegende Freude" – und viel Sarkasmus im Netz

„Absolute Reiseempfehlung“

Dass es sich bei den Fünf-Sterne-Rezensionen um ernst gemeinte Bewertungen, ist eher zweifelhaft. Vielmehr scheinen sich die Besucher:innen der „Fenster“ einen Scherz in gewohnt sarkastischer Internetmanier zu erlauben – so wie etwa bei dieser Rezension: „Als Kunstmäzen bin ich dafür extra aus New York angereist. Und was soll ich sagen… ich war überwältigt. Die architektonische Gegenwartssprache verbindet sich mit dem künstlerischen Blick durch das Fenster zu einem Gesamteindruck, der nicht nur Kunstinteressierten eine Gänsehaut beschert.
Mir wurde von meinem Assistenten versichert, dass selbst Laien die Energie der Installation als metamophorische Reise zum eigenen Ursprung spüren können. Absolute Reiseempfehlung.“

Quellen: Google-Rezensionen zu „Die Fenster“ Hamburg, t-online, Hamburger Abendblatt

Source: stern.de