Unterwegs vom Zerstörungswillen zum Vernichtungswahn, setzt der US-Präsident Teheran maximal unter Druck. Die verhängnisvolle Eskalationsdynamik eines Krieges beschwört Katastrophenszenarien herauf, die einer ganzen Region gelten
„Dem Sieger gehört die Beute“, findet Trump
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Die USA befinden sich im zweiten Kriegsmonat gegen den Iran und die Gründe für diesen Krieg sind vielfältig: Zunächst einmal geht es um Trumps Ego. Er braucht einen Sieg durch militärischen Machtbeweis oder zumindest etwas, das als Sieg verkauft werden kann. Dann gibt es die lang gehegten Sehnsüchte, den Iran als Machtfaktor auszuschalten. Man hält sich an die Vorstellung, Gott stehe im Krieg auf Seiten der USA. Nicht zu vergessen sind die Wünsche der Industrie. Wegen des Öls hatten die USA schon 1953 einen Putsch in Teheran gegen den Reformpremier Mohammad Mossadegh unterstützt.
Trump habe den „den besten aller Pläne“
Nun haben der Präsident und Kriegsminister Pete Hegseth Iran erneut und verschärft gedroht: „Das ganze Land könnte in einer Nacht ausgelöscht werden, und diese Nacht könnte morgen sein“, so Trump. Er werde nicht sagen, welche Ziele von den Bomben ausgenommen seien.
Bei der Pressekonferenz über die Rettung des über dem Iran abgeschossenen Piloten erklärte Hegseth, man erlebe die biblische Geschichte von der Auferstehung Jesu. Und so wurden am Ostermontag mehr Bomben abgeworfen als jemals zuvor. Einen Tag später sollten es noch mehr sein..
Trump trat auf wie einer, für den es undenkbar ist, dass die iranische Führung nicht in die Knie geht. Einer, der zu glauben scheint, dass militärische Gewalt zum Sieg führt. Auf die Kritik von Strategen und Journalisten, er habe keinen Plan für das Kriegsende, entgegnete der Präsident: Er habe „den besten Plan aller Pläne“, doch er werde der Öffentlichkeit „nicht sagen, was mein Plan ist“.
Trump schert sich nicht um Kriegsrecht und gibt das auch zu
Das kann man nehmen, wie man will. Das gilt genauso für Trumps Behauptung über Sondierungen wegen eines möglichen Waffenstillstands. „Ich will einen Deal schließen.“ Es sei wegen der Zerstörungen im Iran schwierig, mit der Führung dort in Kontakt zu treten.
Zugleich zieht er aber mit wüsten Tiraden über seine Gegner her, es seien „verrückte Bastarde“, die durch US-Beschuss in eine „Hölle“ geraten würden. Er schert sich nicht um Kriegsrecht und gibt das auch zu. Dabei sollte nicht übersehen werden, dass Trumps Vorgehen im Persisch-Arabischen Golf viel mit der Militär- und Ölpolitik vergangener US-Regierungen zu tun hat, auch wenn die sich noch eines staatsmännischen Auftretens befleißigten.
Der demokratische Präsident Jimmy Carter verkündete 1980 eine bis heute nach ihm benannte Doktrin, die den Golf zum „lebenswichtigen“ US-Interessengebiet erklärte, zu schützen durch eine neue, schnelle Rapid Deployment Force – eine Eingreiftruppe mit Intenventionsauftrag.
Die USA wollen Gebühren an der Straße von Hormus
„Kein Krieg für Öl“, skandierten besorgte Menschen 1991 bei George H. W. Bushs „Operation Wüstensturm“ gegen den Irak und 2003 bei George W. Bushs „Operation Iraqi Freedom“ mit ihren verheerenden Konsequenzen und Hunderttausenden von Toten: Natürlich ging es auch da wieder um Öl, ganz gleich, welche Zuckerglasur über Demokratie wie das Ausschalten von Massenvernichtungswaffen auf den Kuchen geschmiert wurde.
Um Energieressourcen geht es genauso bei Trumps Irankrieg, freilich etwas anders, als seine wechselnden Aussagen zur Straße von Hormus zeigen. Vor nur wenigen Tagen hatte er Seitenhiebe ausgeteilt auf Verbündete, die viel mehr abhängig sind von den Öl- und Erdgas-Mengen, die durch die Meeresenge transportiert werden. Sie sollten mehr amerikanisches Öl kaufen und den Mut aufbringen, meinte Trump, die Schifffahrtsroute „einfach nehmen, schützen und sie für sich selbst nutzen“. Das sollte leicht sein, fand er.
Darüber hinaus würde sich die Straße natürlich öffnen, wenn der Konflikt vorbei sei. Tatsächlich würden die USA bisher fast kein Öl importieren, das durch die Straße von Hormus kommt. Wie man es gewohnt ist, kann das, was Trump in dieser Hinsicht vor ein paar Tagen gesagt hat, inzwischen wieder hinfällig sein. Am Ostermontag erregte er sich erneut über den „Papiertiger NATO“, der nicht mitmache gegen den Iran, und sprach davon, dass die Öffnung der bewussten Passage Vorbedingung für ein Kriegsende sei. Und dann würden die USA, nicht der Iran, möglicherweise Transitgebühren verlangen.
Trump will Öl aus Venezuela, Iran und Grönland
Auch Mike Sommers, Präsident des Lobby- und Wirtschaftsverbandes American Petroleum Institute, forderte bei einer Konferenz der Energieberaterfirma Cambridge Energy Research Associates im texanischen Houston die Öffnung der Straße von Hormus. Gegenüber dem Magazin Politico betonte Sommers, die CEOs dieser Branche seien überzeugt, die USA müssten im Iran den „Job vollenden“, den sie angefangen hätten. Man könne es nicht erlauben, dass der Iran die Straße von Hormus kontrolliert.
Trump gewährte zwischenzeitlich auch einen Blick auf seine Wünsche für das Öl aus dem Iran: Venezuela, der dort militärisch bewirkte Regierungswechsel und das von den USA teilweise genutzte Öl des südamerikanischen Landes seien ein Modell. „Dem Sieger gehört die Beute“, zitierte Trump einen altbekannten Spruch, den man seit Hunderten von Jahren nicht mehr höre. Und gegen Ende der Pressekonferenz ließ er keinen Zweifel: „Wir wollen Grönland!“