Zwei Platzverweise, drei Tore aberkannt – Bayern rettet in Unterzahl zusammensetzen Punkt

Der FC Bayern erkämpft bei Bayer Leverkusen ein Unentschieden, obwohl praktisch alles gegen den Rekordmeister läuft. Zwei Bayern-Spieler fliegen vom Platz, der VAR ist im Dauereinsatz.

Bundesliga-Dominator Bayern München hat sich auch in Unterzahl nicht vom Weg zum 35. Meistertitel abbringen lassen. Vier Tage nach der 6:1-Gala im Königsklassen-Achtelfinale in Bergamo erkämpfte der Tabellenführer mit nur neun Mann ein 1:1 (0:1) bei Bayer Leverkusen.

Nach dem Remis verfügen die Bayern bei neun Punkten Vorsprung vor Verfolger Borussia Dortmund weiter über ein komfortables Polster. In einem rasanten Topspiel verloren die Münchner allerdings gleich zwei Spieler. Zunächst sah Nicolas Jackson (42.) wegen groben Foulspiels die Rote Karte, dann Luis Diaz (83.) nach einer Schwalbe Gelb-Rot.

Vor 30.210 Zuschauern hatte der Außenstürmer in der 69. Minute die frühe Bayer-Führung durch Aleix Garcia (6.) ausgeglichen. Zwei weitere Bayern-Tore durch Jonathan Tah und Harry Kane wurden nach Videobeweis einkassiert, ebenso Leverkusens Tor in der Nachspielzeit durch Jonas Hofmann.

Bayern-Trainer Vincent Kompany ließ den zuletzt angeschlagenen Top-Torjäger Kane zunächst auf der Bank, weil der Engländer nach seiner Verletzungspause noch nicht bei 100 Prozent ist. „Wir hatten gehofft, dass er von Anfang an spielen kann. Es ist aber nicht alles perfekt“, sagte Kompany vor dem Anpfiff. Kane kam erst nach einer Stunde. Für ihn agierte erneut Jackson als Sturmspitze bei den Münchnern, die auf Hiroki Ito, Alphonso Davies und Jamal Musiala sowie die ebenfalls verletzten Torhüter Manuel Neuer und Jonas Urbig verzichten mussten.

Deshalb kam Sven Ulreich nach knapp eineinhalb Jahren zu seinem Comeback zwischen den Pfosten. Der 37-Jährige, der letztmals am 21. September 2024 beim 5:0 in Bremen das Tor des deutschen Rekordmeisters gehütet hatte, lieferte eine starke Vorstellung ab.

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Dabei ging es nicht gut los. Der Minutenzeiger hatte noch keine sechs Umdrehungen gemacht, da musste der Routinier bereits hinter sich greifen. Bei einem schnell vorgetragenen Angriff zog Aleix Garcia im Strafraum aus halbrechter Position ab und hatte Glück, dass sein Schuss von Nationalspieler Tah unhaltbar abgefälscht wurde. Für den Bayern-Verteidiger war es der erste Auftritt an der alten Wirkungsstätte seit seinem Wechsel im Sommer 2025.

„Die ganze Mannschaft ist fokussiert, und ich glaube, wir können ein großartiges Spiel zeigen“, hatte Leverkusens Torschütze kurz vor der Partie angekündigt – und sollte recht behalten. Aus einer kompakten Abwehr heraus setzte Bayer immer wieder zu gefährlichen Kontern an, von denen einer fast zum zweiten Treffer führte. Montrell Culbreath verfehlte das Tor mit einem Schuss aus 16 Metern nur knapp.

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Die Bayern hatten zwar mehr Ballbesitz und Spielanteile, konnten daraus aber keinen Nutzen ziehen. Immer wieder rannten sich die Gäste am gegnerischen Strafraum fest. Lediglich zwei Halbchancen für Jackson und ein irreguläres Tor von Tah, das nach Videobeweis wegen eines Handspiels des Schützen zurecht keine Anerkennung fand, sprangen in der ersten Halbzeit heraus.

Kurz vor der Pause kam es für die Münchner noch dicker: Jackson sah nach einem rüden Foul an Martin Terrier die Rote Karte. Wieder hatte sich der VAR aus dem Kölner Keller gemeldet. Kurz darauf verhinderte Ulreich mit einer starken Parade gegen Malik Tillmann das 0:2.

Für Terrier ging es nach dem Wechsel nicht weiter. Der Franzose wurde durch Ibrahim Maza ersetzt. In Überzahl kam Bayer nun zu etlichen Chancen. Die besten vergaben innerhalb von 60 Sekunden Tillmann und Patrik Schick, die den Ball allein vor Ulreich nicht im Tor unterbringen konnten.

Das rächte sich später. Zwar hatten die Hausherren zunächst Glück, dass ein Treffer von Kane wegen eines vorhergehenden Handspiels des 32-Jährigen nach Ansicht der Videobilder zurückgenommen wurde. Beim Ausgleich von Luis Diaz gab es dann aber nichts zu beanstanden. Vorausgegangen war ein schlimmer Fehlpass von Leverkusens Abwehrchef Robert Andrich.

BVB siegt souverän gegen Augsburg

Mit viel Spielfreude hat Borussia Dortmund den FC Augsburg besiegt und den zweiten Tabellenplatz gefestigt. Die Mannschaft von Trainer Niko Kovač bezwang die bayerischen Schwaben hochverdient mit 2:0 (1:0). Vor 81.365 Zuschauern im Dortmunder Stadion erzielten Karim Adeyemi (13. Minute) und der 18-jährige Luca Reggiani (59.) die Tore für den BVB. Die Gastgeber, die durchaus höher hätten gewinnen können, haben nun 58 Punkte.

Für Augsburg war es nach dem 1:2 in Leipzig die zweite Niederlage in Serie. Das Team von Coach Manuel Baum sollte angesichts von schon 31 gesammelten Punkten trotzdem nicht mehr in akute Abstiegsgefahr geraten.

Kovač verzichtete in seiner Startelf überraschend auf seine etatmäßigen Mittelstürmer Serhou Guirassy und Fábio Silva. Maximilian Beier und Adeyemi sollten ganz vorne für Torgefahr sorgen. Und dieser Plan ging früh auf. Beier passte den Ball von links quer vor das Augsburger Tor und Adeyemi traf mit der ersten Chance zum 1:0 für die Westfalen.

Die Gäste brauchten bis zur 23. Minute und einen Fehler von BVB-Verteidiger Waldemar Anton, um mal gefährlich zu werden. Rodrigo Ribeiro lief aus halbrechter Position frei auf Dortmund-Keeper Gregor Kobel zu, schoss jedoch deutlich über das Tor. Dortmund blieb jedoch die klar spielbestimmende Mannschaft. Die Defensive um Kapitän Nico Schlotterbeck, der auf seinen Bruder und FCA-Verteidiger Keven Schlotterbeck traf, stand sicher. Sie wurde aber auch kaum gefordert.

Dortmund hatte deutlich mehr Ballbesitz und gleich mehrere große Gelegenheiten, den Vorsprung auszubauen. Beier und Adeyemi scheiterten mit Schüssen an der Latte, einen sehenswerten Versuch aus der Distanz von Jobe Bellingham lenkte FCA-Torwart Finn Dahmen über das Tor. Fußballerischer Auftritt und Einstellung stimmten. Zur Halbzeit konnten sich die Dortmunder eigentlich nur die schwache Chancenverwertung vorwerfen.

Auch nach dem Seitenwechsel spielten die Gastgeber überlegen und belohnten sich dann auch erneut dafür. Nach einer Ecke erzielte Youngster Reggiani in seinem vierten Spiel per Kopf sein Premieren-Tor in der Bundesliga. Der Italiener jubelte ausgelassen und wurde von der Südtribüne besonders laut gefeiert.

Hecking verpasst Befreiungsschlag

Die Rückkehr von Trainer Dieter Hecking hat dem abstiegsbedrohten VfL Wolfsburg nicht zum erhofften Befreiungsschlag verholfen. Immerhin kam der Vorletzte bei der TSG Hoffenheim mit dem 1:1 (0:0) zu einem Teilerfolg. Konstantinos Koulierakis (65. Minute) traf zur Wolfsburger Führung, der Ausgleich von Grischa Prömel (83.) ließ den Traum von Heckings perfektem Start zerplatzen.

Trotzdem wurde der Rückstand zum Relegationsplatz auf drei Punkte verkürzt. Hoffenheim ist weiterhin Dritter und weist die beste Zwischenbilanz seiner Bundesliga-Geschichte auf. Das Erreichen der Champions League ist ein realistisches Ziel.

Frankfurt verschärft Heidenheims Krise

Eintracht Frankfurt hat den 1. FC Heidenheim noch tiefer in die Krise gestürzt. Nach dem 1:0 (0:0)-Heimsieg der Eintracht wird der Abstieg des Klubs von der Ostalb immer wahrscheinlicher. Der Rückstand des Tabellenletzten auf den Relegationsplatz beträgt weiter zehn Punkte. Währenddessen festigte die Eintracht den siebten Platz, der möglicherweise zur Qualifikation für den Europapokal reicht.

Nach einer harmlosen ersten Hälfte ohne Höhepunkte erzielte Frankfurts Winter-Zugang Arnaud Kalimuendo in der 53. Minute mit einem sehenswerten Seitfallzieher den Siegtreffer für die Gastgeber. Die Eintracht beendete die Partie zu zehnt, weil Kapitän Robin Koch in der 73. Minute nach einem wiederholten Foulspiel die Gelb-Rote Karte sah.

luwi/dpa

Source: welt.de

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