Zum Todestag von AnNa R.: Liebe bleibt was auch immer


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Ein Jahr ist es her, dass die Rosenstolz-Sängerin AnNa R. tot in ihrer Wohnung gefunden wurde. Die Ausnahmekünstlerin wurde 55 Jahre alt.

Chanson, Pop, Schlager und auch ein bisschen Rock: Diese Genres konnte AnNa R. (1969-2025) zu einer unverwechselbaren, tief berührenden Mischung machen. Im Duo mit Peter Plate (58) wurde sie als Rosenstolz schon zu Lebzeiten mit ihrer ganz besonderen Art zu singen und den tiefgründigen Liedtexten unsterblich. Am 16. März 2025 wurde die Musikerin tot in ihrer Wohnung in Berlin aufgefunden. Die genauen Umstände sind nicht bekannt und sollen aus Persönlichkeitsschutzgründen auch privat bleiben.

Die Nachricht über den Tod traf Deutschland vor einem Jahr völlig unvorbereitet. AnNa R., am 25. Dezember 1969 als Andrea Rosenbaum in Ost-Berlin geboren, war zwar schon lange nicht mehr mit Rosenstolz unterwegs und hatte 2022 auch ihr Engagement bei der Band Silly beendet. Doch 2023 veröffentlichte sie ihr erstes Soloalbum „König:in“, wollte auf Tour gehen und war erst einen Monat vor ihrem Tod zur Joseph-Breitbach-Poetikdozentin der Stadt und der Universität Koblenz ernannt worden. Die Poetikdozentur konnte sie nicht mehr antreten.

Mit tiefgründigen Texten zur Ikone

Dabei hätte AnNa R. den Studierenden viel auf ihrem Weg mitgeben können. Denn gerade ihre mehrdeutigen Texte waren es, die Rosenstolz in den 2000er-Jahren so bekannt machten. R. hatte schon in der DDR erfolglos versucht, Sängerin zu werden. Erst nach der Wiedervereinigung lernte sie Peter Plate kennen und formierte mit ihm 1991 Rosenstolz.

Anfangs trat das ungleiche Paar mit seinen mondänen und teilweise derben Texten nur vor kleinem Publikum auf, konnte seine Bekanntheit aber von Jahr zu Jahr steigern. Ihr fünftes Album „Die Schlampen sind müde“ schaffte es 1997 erstmals auf Platz 31 der deutschen Charts.

Nach einem zweiten Platz beim ESC-Vorentscheid im nächsten Jahr folgten ein Nummer-eins- und ein Nummer-zwei-Album. Der ganz große Durchbruch war dann die Platte „Herz“, die 2005 mit Platin ausgezeichnet wurde. Auch die drei nachfolgenden Alben mit Hits wie „Ich bin ich“ oder „Gib mir Sonne“ setzten sich in Deutschland und Österreich über mehrere Wochen an die Chartspitze. Nach insgesamt zwölf Studioalben gaben die beiden 2012 bekannt, sich vorerst zu trennen und „einander Raum zu geben“.

Für immer Aktivistin

Für die musikalischen Leistungen wurde Rosenstolz unter anderem mehrfach mit dem Comet, dem Echo oder einem Bambi ausgezeichnet. Wichtiger dürften AnNa R. aber die Ehrungen für ihren Kampf gegen HIV und Aids gewesen sein. Sie war etwa Gründungsmitglied des Kuratoriums der Berliner Aids-Hilfe, Rosenstolz spendete immer wieder große Summen und veranstaltete Benefizkonzerte. Für sein Engagement wurde das Duo 2011 mit dem Bundesverdienstkreuz erster Klasse ausgezeichnet.

Von Anfang an galten die beiden mit ihren Songs über Liebe und Akzeptanz als Stimme für queere Menschen in Deutschland, die sie immer wieder auf ihrem Weg bestärkten. Sie waren eine queere Band weit vor der Zeit. Gemeinsam mit Hella von Sinnen setzten sie sich etwa schon 1999 für die gleichgeschlechtliche Ehe ein oder steuerten einen Song zum Coming-out-Film „Sommersturm“ bei. Sie seien selbst die Botschaft, sagte AnNa R., die sich sonst mit Interviews sehr zurückhielt, einmal in einem Zeitungsgespräch. „Die Botschaft für Toleranz.“

„Ach wie schön kann Liebe sein“

„Es dauert ein paar Tage, so von Juni bis Mai / Dann kann ich wieder aufsteh’n und schüttel‘ mich frei / Wie schön, ach, wie schön, wie schön kann Liebe sein?“, ist einer der letzten Texte, den man von AnNa R. hören kann. Er stammt aus ihrem zweiten Solo-Album „Mut zur Liebe“, das posthum veröffentlicht wurde. Bis zu ihrem Tod hatte die Sängerin an den Songs gearbeitet, auf „Ach wie schön kann Liebe sein“ war sie besonders stolz, wie ihr Produzent Manne Uhlig dem NDR erzählte.

Auch auf diesem Album blieb sie sich mit einfach gereimten Texten, manchmal an der Kitschgrenze, teils monotonem und immer melancholischem Gesang treu. Und dieser ganz besonderen Art zu berühren. In Anlehnung an einen ihrer ganz großen Rosenstolz-Hits „Liebe ist alles“ bleibt da nur eins zu sagen: Auch ein Jahr nach AnNa R.s Tod bleibt Liebe alles.

SpotOnNews

Source: stern.de