Zum Tod von Lambert Hamel: Poetischer Polterer

In der Inszenierung von Skakespeares „Ein Mittsommernachtstraum“ an den Münchner Kammerspielen, die Dieter Dorn 1978 besorgte, spielt Lambert Hamel den Zettel, der sich in einen Esel verwandelte. Die Metamorphose vom Menschlichen zum Animalischen machte er mit minimalen theatralen Mitteln sichtbar, umso beeindruckender gelang sie. Hamel strich sich die Harre über Gesicht, und war mit einem Mal ein böses Tier. Zehn Jahre später konnte man ihn an gleicher Stelle in Lietzaus Inszenierung von Thomas Bernhards „Der Theatermacher“ bewundern. Hamel in der Rolle des Bruson, der Frittatensuppe in St. Radegund löffelt, das war ein im Wortsinn zum Brüllen komischer Abend, der Bauchmuskelkater erzeugte. Er konnte also Beides, Bösewichte und Witzfiguren, Berserker und Unschuldslämmer.

Eingeborener Bühnenbewohner

Mit der ungebrochenen Spiellust des geborenen Bühnenbewohners spielte er in den Nullerjahren unter anderem den Sosias in Dorns Kleist-Inszenierung des „Amphitryon“, die Titelrolle in Shakespeares „Titus Andronicus“ und den Estragon in Becketts „Warten auf Godot“ (Regie jeweils Elmar Goerden). Barbara Frey besetzte ihn als Theseus in „Phädra“  und als Zauberkönig in Horváths „Geschichten aus dem Wiener Wald“. 2010 war er der Dorfrichter Adam in Tina Laniks in Kleist-Insznierung „Der zerbrochne Krug“.

Hamel gastierte an der Burg und bei den Salzburger Festspielen, und er übernahm aberdutzende Rollen in Film und Fernsehen. So spielte er die Titelrolle in Rainer Wolffhardts „Martin Luther“ (1983) und Helmut Kohl in Hans-Christoph Blumenbergs „Deutschlandspiel“ (2000). Er war in „Derrick“ zu sehen, im „Tatort“ und in „Der Alte“ im „Bergdoktor“ und bei „Pfarrer Braun“; dazu las er Hörbücher und lieh Schauspielern wie Philippe Noiret und Charlton Heston seine Synchronstimme.

Andreas Beck, Intendant des Bayerischen Staatssauspiels, würdige den als „gedrungen und bürgerlich erscheinenden Schauspieler“ als einen „der Großen des Münchner Theaters und unserer Kunst“. Hamel habe durch Poesie ebenso wie durch „polternde Hemmungslosigkeit“ und „ungeheure Wandlungsfähigkeit“ zu überraschen verstanden. Am 13. Februar ist Lambert Hamel, wie seine Familie jetzt bekannt gab, in seiner Wahlheimat München im Alter von 85 Jahren gestorben.

Source: faz.net