Zukunftsträchtiges Projekt?: Briten funktionieren an fünfter Militärwerkstatt in Ukraine

Zukunftsträchtiges Projekt?Briten arbeiten an fünfter Militärwerkstatt in Ukraine

07.03.2026, 21:44 Uhr

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Die Briten haben ihre AS90-Panzerhaubitzen an die Ukraine gegeben. (Foto: picture alliance / Visually)

In Werkhallen für Kriegsgerät arbeiten in der Ukraine einheimische Ingenieure Seite an Seite mit britischen. Das Verteidigungsministerium in London betreibt das Projekt und will es ausbauen und offenbar öffentlichkeitswirksamer machen. Dabei leistet es sich einen „Schnitzer“.

Das Selfie-Video des britischen Verteidigungspolitikers Luke Pollard zeigt ihn in einer großen Wartungshalle. Pollard weist auf eine britische AS90-Panzerhaubitze in seiner direkten Umgebung hin und auf ein schwedisches Artilleriesystem vom Typ Archer. Man befinde sich „in einer Baracke in einem Wald in der Westukraine“, erklärt der „Minister of State for Defence Readiness and Industry“ des britischen Verteidigungsministeriums, dessen Posten direkt unter dem Verteidigungsminister John Healey angesiedelt ist und damit dem eines Staatssekretärs im deutschen Politikbetrieb entspricht.

Pollard zeigt eine von bisher vier betriebenen Werkstätten für Kriegsgerät, die unter der Ägide des britischen Verteidigungsministerium in der Ukraine betrieben werden. Eine fünfte sei in Planung, heißt es in einer Pressemitteilung. Und: „Großbritannien hat erstmals seine Wartungs-, Reparatur- und Überholungseinrichtungen in der Ukraine offengelegt.“ Begleitet wird die Veröffentlichung von einem Artikel des „Guardian“ samt Fotos, der Pollard zitiert: „Wir wollen beginnen, diese Geschichte zu erzählen.“

Gerät schneller reparieren

Die Geschichte dreht sich um reparatur- oder überholungsbedürftiges Kriegsgerät, das zur Verteidigung der Ukraine schneller zurück an die Front soll. Andere Länder unterstützen die Ukraine, indem sie Kriegsgerät zwischen Ländern hin- und hertransportieren – und etwa in Polen reparieren lassen. Die Briten wollen schneller sein. Die involvierten britischen Ingenieure arbeiten nicht für das Verteidigungsministerium, sondern für britische Firmen, die als Vertragspartner des Ministeriums agieren.

In der Werkhalle werden Fahrzeuge und Waffensysteme repariert. Die AS90-Panzerhaubitzen wurden etwa im britischen Militär früher als geplant ausgemustert und Medienberichten zufolge gänzlich der Ukraine überlassen. Das Artilleriesystem Archer sei man dank Kollaboration mit schwedischen Partnern in der Lage instandzuhalten, so das Verteidigungsministerium. Seit der großen russischen Invasion 2022 sei man dabei, solche Werkstätten zu errichten.

Laut Einschätzung des „Guardian“ zeigen die Werkstätten, wie westliche Unterstützung für die Ukraine nach einem möglichen Friedensabkommen aussehen könnte. Im Sinne: Die Ukrainer an der Front- oder dann Demarkationslinie. Die westliche militärische Unterstützung aus der „Koalition der Willigen“ heraus ein ganzes Stück dahinter.

Pollards Video vom Netz genommen

Als das britische Verteidigungsministerium nun erstmals Einblicke in eine der Werkhallen gibt, steht im Text, der das Video Pollards begleitet: „Wir sind stolz darauf, unsere Reparaturwerkstätten in der Ukraine vorzustellen: Vier sind in Betrieb, eine fünfte ist in Planung.“ Dann wird das Video, geschätzt eine Stunde nach Veröffentlichung, wieder offline genommen.

Der Kiew-Korrespondent der „Financial Times“ kritisiert Pollards Ministerium scharf – und zwar dafür, dass Video überhaupt veröffentlicht zu haben. „Offenbar hat das Verteidigungsministerium erkannt, dass seine große Videoveröffentlichung, die britische Ingenieure bei der Reparatur von Fahrzeugen in der Ukraine zeigt, ein ziemlicher Schnitzer war“, schreibt Christopher Miller in einem Beitrag auf X. Das Video habe identifizierbare Merkmale enthüllt und Pollard gezeigt, der die Umgebung beschrieben habe – „und es damit wahrscheinlich gemacht, von Russland geolokalisiert und anvisiert zu werden.“ Der Beitrag sei wieder offline gestellt worden, so Miller, aber der Schaden sei angerichtet.

In dem Video, das die ntv.de-Redaktion in Augenschein nehmen konnte, wird der Standort nur grob verortet als „in einer Baracke in einem Wald in der Westukraine“ liegend. Die Westukraine hat je nach Definition eine Fläche, die mindestens der von mehreren Bundesländern Deutschlands entspricht – und ist zudem tendenziell bewaldeter als der Rest des Landes. Auch geht diese grobe Information in etwa so auch aus dem „Guardian“-Artikel hervor. Jedoch sind die großen Ausmaße der Halle sehr gut und aus verschiedenen Perspektiven heraus ersichtlich in dem Video – was durchaus eine Hilfe bei der Geolokalisierung sein könnte.

Quelle: ntv.de, mpe

Source: n-tv.de