Zugeschüttete Eingänge, neue Dächer – Irans geheime Vorbereitungen hinauf verknüpfen neuen US-Angriff

Im Vorfeld der Atomverhandlungen zwischen den USA und dem Iran haben beide Seiten Militär in der Region verlegt. Teheran hat außerdem mittlerweile zerstörte Militäranlagen wiederaufgebaut. Satellitenbilder zeigen, dass sich das Mullah-Regime auf ein konkretes Szenario vorbereitet hat.

Wenn an diesem Dienstag die Diplomaten der USA und des Iran am Genfer See zusammenkommen, um über das iranische Atomprogramm zu verhandeln, haben beide Seiten in der Region bereits Fakten geschaffen. US-Präsident Donald Trump entsendete einen zweiten Flugzeugträger in die Region, um die dort bereits zusammengezogene „Armada“ der US-Armee zu verstärken. Sie soll als Drohkulisse dienen und Teheran verdeutlichen, dass Washington zu einem erneuten Militärschlag bereit wäre, sollte die Forderung nach Aufgabe des Atomprogramms nicht erfüllt werden. Laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf zwei amerikanische Beamte bereitet sich das Pentagon für diesen Fall auf eine „wochenlange“ Operation vor.

Seit Montag führen die iranischen Revolutionsgarden, die von den USA und der EU als Terrororganisation eingestuft wurden, ein Manöver in der Straße von Hormus durch. Sie wiederum wollen damit gen Weißes Haus signalisieren, dass man bereit wäre, die für die Weltwirtschaft wichtige Meerenge zu blockieren. Außerdem hat Teheran im Verborgenen aufgerüstet. Satellitenbilder zeigen, dass das Land seit dem 12-Tage-Krieg gegen Israel, der mit einem massiven Luftangriff der USA gegen die Atomanlagen seinen Höhepunkt erreichte, die zerstörten Raketen- und Atomanlagen größtenteils wieder aufgebaut hat.

Vor den Verhandlungen in Genf bemüht sich Washington, die Erwartungen zu dämpfen. „Wir sind optimistisch“, sagte US-Außenminister Marco Rubio am Montag am Rande seines Besuchs in Ungarn. Man könne einen Deal erreichen, aber „es wird hart“, fügte er hinzu. Am Wochenende berichtete der israelische Journalist Barak Ravid, der über den Nahostkurs der US-Regierung immer bestens informiert ist, dass Trumps Verhandlungsduo aus dem Sondergesandten Steve Witkoff und Schwiegersohn Jared Kushner ihm berichtet hätten, dass ein Deal mit Teheran „schwierig bis unmöglich“ sei.

Schnee schmilzt auf Dächern iranischer Raketenstationen

Zu dieser Einschätzung dürften sie nicht nur durch die erste ergebnislose Verhandlungsrunde gekommen sein, sondern auch durch den Status quo vor Ort. Eine Untersuchung der „New York Times“ von Satellitenbildern zerstörter Militär- und Atomanlagen ergab, dass der Iran seit Juni vergangenen Jahres sich mit Hochdruck dem Wiederaufbau gewidmet hat. Dem Bericht zur Folge lag der Fokus dabei auf den Raketenbasen der Armee. Von den rund zwei Dutzend zerstörten Einrichtungen hat der Iran bis Januar über die Hälfte wiederhergestellt.

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Priorität lag für Teheran dabei offenbar auf der Raketentest-Station in Schahrud. Satellitenbilder zeigen, dass die zerstörten Gebäude wieder aufgebaut wurden. Die Analysten beobachteten außerdem beim Vergleichen der Aufnahmen an verschiedenen Tagen im Januar, dass die Zufahrtsstraßen nach Schneefall umgehend geräumt wurden und der Schnee auf den Dächern schneller schmolz als auf dem Boden, was auf einen Betrieb der Anlage hindeutet.

Für die USA sind diese Erkenntnisse relevant. Sie deuten nämlich darauf hin, dass der Iran sich darauf vorbereitet hat, einen angedrohten neuerlichen US-Angriff mit ballistischen Raketen zu vergelten. Damit könnte Teheran vor allem Israel aber auch amerikanische Basen im Nahen und Mittleren Osten ins Visier nehmen. Für den israelischen Raketenabwehrschirm Iron Dome dürfte das zur Herausforderung werden, denn bereits während des 12-Tage-Kriegs war das System angesichts der Vielzahl ballistischer Raketen teilweise überfordert.

Auch bei den Atomanlagen hat der Iran mit dem Wiederaufbau begonnen, jedoch bei Weitem nicht im selben Tempo wie bei den Raketenbasen. So sind laut dem Institute for Science and International Security (ISIS) die drei wichtigsten Urananreicherungsanlagen in Fordo, Isfahan und Natanz weiterhin außer Betrieb. Die meiste auf Grundlage von Satellitenbildern feststellbare Zerstörung ist weiterhin vorhanden. In den vergangenen Monaten verzeichneten die Experten jedoch verstärkte Wiederaufbaumaßnahmen bei zwei der drei Anlagen.

So wurden in Natanz und Isfahan Dächer auf Gebäuden wieder errichtet. Laut dem ISIS hat der Iran in Isfahan auch die Eingänge zu unterirdischen Anlagen mit Erde zugeschüttet. Dies wurde wahrscheinlich „in Erwartung eines Angriffs“ getan, sagte der Präsident des Instituts, David Albright. Das deute darauf hin, dass sich dort etwas Wertvolles befinde. Bis heute ist unklar, wo sich die 400 Kilogramm angereichertes Uran befinden, die der Iran kurz vor den US-Angriffen auf die Nuklearanlage Fordo im Juni laut Experten mit hoher Wahrscheinlichkeit in Sicherheit bringen konnte.

Gregor Schwung berichtet als außenpolitischer Korrespondent über transatlantische Beziehungen, internationale Entwicklungen und geopolitische Umbrüche mit einem besonderen Schwerpunkt auf die Ukraine und die USA.

Source: welt.de

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