Die Festnahme Andrew Mountbatten-Windsors fügt dem Ansehen der britischen Monarchie einen schweren Schaden zu; existenzbedrohend aber ist sie für den gegenwärtigen Premierminister Sir Keir Starmer. Denn der frühere Prinz Andrew wurde ja nicht wegen seiner – von ihm noch immer bestrittenen – sexuellen Begegnungen mit minderjährigen Gespielinnen in Gewahrsam genommen, die ihm der amerikanische Finanzier und Bösewicht Jeffrey Epstein zuführte.
Vielmehr interessiert sich die Polizei für Hinweise, dass Andrew einst in seiner Mission als Handelsbotschafter Ihrer Majestät interne Dokumente umstandslos an seinen amerikanischen Freund weitergab.
Auch Mandelson im Visier
Deswegen gerät nun vor allem Starmers Labour-Regierung in Gefahr. Denn der gleiche Tatvorwurf trifft Peter Mandelson, der ausweislich der Epstein-Akten noch viel gravierendere Interna in Textnachrichten über den Atlantik sandte und der damals sogar den Status eines Ministers innehatte. Diese Details waren zwar noch unter Verschluss, als Starmer vor rund einem Jahr darauf beharrte, Mandelson müsse Botschafter am Hof des amerikanischen Präsidenten Trump werden. Trotzdem wird der ohnehin angeschlagene Premierminister dessen mögliche Verurteilung kaum überleben, auch wenn er zuletzt darauf gedrungen hat, dass sein einstiger Parteifreund sowohl die Partei als auch das Oberhaus verlässt und die damit verbundene Peerswürde abgibt.
Das Staatsoberhaupt, König Charles III., hat dem eigenen Bruder schon Monate zuvor rigoros alle Titel und Ehren abgenommen. Dass der König nun in einer knappen Stellungnahme quasi schulterzuckend festgestellt hat, es stehe niemand über dem Gesetz, lässt sich als panischer Distanzierungsversuch begreifen.
Wahrscheinlicher aber ist, dass diese Härte des erkrankten Monarchen das Ansehen seines Hauses am Ende stabilisiert. Charles emanzipiert sich damit auch von seiner Mutter Elisabeth II., die seit jeher um die Schwächen ihres zweiten Sohnes wusste, aber nie das Herz hatte, ihn aus dem Rampenlicht zu ziehen.
Source: faz.net