Zoll-Abkommen mit Washington: Taiwan soll 250 Milliarden Dollar in den USA investieren

Taiwan und die Vereinigten Staaten haben sich nach langen harten Verhandlungen auf ein Handelsabkommen verständigt. Damit kann die Regierung in Taipeh in einer Zeit hoher Spannungen mit China die auch militärisch entscheidende Beziehung zu Washington wieder stärken. Die Vereinbarung sieht vor, dass die im August von US-Präsident Donald Trump verhängten „reziproken“ Zölle von 20 Prozent auf taiwanische Waren auf höchstens 15 Prozent gesenkt werden. Das Land liefert vor allem Hochleistungschips an die großen Technologieunternehmen in Amerika.

Im Gegenzug für die Zollsenkung sollen taiwanische Chip- und Technologieunternehmen mindestens 250 Milliarden Dollar (218 Milliarden Euro) in den Vereinigten Staaten investieren, um die dortigen Kapazitäten in der Chipfertigung, Energieversorgung und bei Künstlicher Intelligenz (KI) auszubauen. Nach Angaben des US-Handelsministeriums soll es sich dabei um neue Investitionen handeln. Taiwan werde außerdem „Kreditzusagen von mindestens 250 Milliarden US-Dollar bereitstellen, um zusätzliche Investitionen taiwanischer Unternehmen zu erleichtern und den Aufbau sowie die Erweiterung der gesamten Halbleiterlieferkette und des Ökosystems in den Vereinigten Staaten zu unterstützen“.

Auch die USA verpflichten sich zu Investitionen in Taiwan

Taiwans Vizepremier Cheng Li-chiun sagte dagegen in einer Pressekonferenz in Taipeh am Freitag, die Zusage von 250 Milliarden Dollar umfasse bereits bestehende Verpflichtungen. Sie beschrieb das Abkommen als ein „Taiwan-Modell“, das sich von anderen Vereinbarungen Washingtons unterscheide und darauf basiere, dass Unternehmen eigenständige Investitionspläne machen dürften. Mit Blick auf Befürchtungen, das Abkommen könnte Taiwans führende Technologie- und Chipsektoren aushöhlen, betonte die Chefverhandlerin Cheng: „Dies ist keine Verlagerung von Industrie ins Ausland und kein Abfluss, sondern eine Ausweitung des globalen Fußabdrucks Taiwans.“ Es gehe nicht um einen Umzug, sondern um Aufbau.

Die Regierung in Taiwan wies zudem darauf hin, dass sich beide Seiten auf die Einrichtung eines „bilateralen Investitionsmechanismus verpflichtet“ hätten, der also auch neue Investitionen Amerikas in Taiwan vorsehe. Auf Taiwans Anregung hin würden die USA ihre Investitionen in Taiwans „fünf vertrauenswürdige Industrien“ ausweiten, darunter Halbleiter, Künstliche Intelligenz, Verteidigungstechnologie, Sicherheits- und Überwachungstechnik, Kommunikation der nächsten Generation und Biotechnologie, hieß es.

TSMC-Chef betont, an wichtigste Kunden heranzurücken

Auch der Chef des führenden Chipherstellers Taiwan Semiconductor Manufacturing Company (TSMC), C.C. Wei, hatte sich am Donnerstag gegen den Eindruck gewehrt, Trump dränge das Unternehmen zu überflüssigen Investitionen. Mit dem Aufbau neuer Kapazitäten in den Vereinigten Staaten rücke das Unternehmen vielmehr näher an seine wichtigsten Kunden für KI-Chips heran. Fast alle großen amerikanischen Tech-Konzerne wie Nvidia, Apple, Alphabet und Meta werden von TSMC mit den besonders leistungsfähigen Halbleitern versorgt.

Schon zu Beginn der Verhandlungen mit der amerikanischen Regierung im vergangenen Frühjahr wurden zusätzliche Investitionen in Höhe von 100 Milliarden Dollar zugesagt. An diesem Donnerstag hatte TSMC geplante Investitionsausgaben im Rekordwert von bis zu 56 Milliarden Dollar allein in diesem Geschäftsjahr angekündigt und erklärt, nach dem Erwerb eines weiteren großen Grundstücks im US-Bundesstaat Arizona die Investitionen dort zu „beschleunigen“.

Die USA sind Taipehs wichtigster Sicherheits- und Verteidigungspartner, insbesondere angesichts des zunehmenden militärischen Drucks aus Peking, das Taiwan als abtrünnige Provinz ansieht. Die Bedeutung der dortigen Halbleiterindustrie gilt als wichtiger Grund, warum die USA die demokratisch und autonom regierte Insel gegenüber China verteidigen dürften. Das Abkommen muss noch vom Parlament bestätigt werden, wo in Taiwan die zum Teil China-freundliche Opposition das Sagen hat. Dort wird schon seit mehr als einem halben Jahr der Haushaltsentwurf der Regierung inklusive eines Sonderverteidigungsbudgets von 40 Milliarden Dollar blockiert.

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