Zölle zahlen und umfangreiche Investitionen stemmen – „Wir können nicht zweitens“

VW-Chef Blume lobt beim WELT-Wirtschaftsgipfel das Handelsabkommen mit Indien. Und er hofft auf Impulse aus der E-Auto-Förderung – sofern die Ladeinfrastruktur in den Städten besser wird. Den Kunden verspricht er den Elektro-VW für 25.000 Euro.

Volkswagen-Chef Oliver Blume sieht beim WELT-Wirtschaftsgipfel positive Impulse aus der Politik. Das Handelsabkommen der EU mit Indien und die E-Auto-Prämie stimmen den 57-jährigen Manager zuversichtlich. Und er verspricht den Kunden zeitnah bezahlbare Autos.

WELT: Herr Blume, die EU und Indien haben sich nach fast zwei Jahrzehnten Verhandlungen auf ein umfassendes Handelsabkommen geeinigt. Die Autozölle sollen schrittweise von 110 auf zehn Prozent sinken. Was bedeutet das für VW?

Oliver Blume: Wir sehen das positiv. Der Volkswagen-Konzern ist ein global agierendes Unternehmen. Wir unterstützen jede Initiative zu Handelsabkommen in den Regionen der Welt. Indien ist mittlerweile der drittgrößte Automobilmarkt der Welt. Wir werden jetzt ganz genau prüfen, wie die Details des Handelsabkommens aussehen. Indien ist sehr dynamisch in der Entwicklung. Daher gibt es dort auch Möglichkeiten für den Volkswagen-Konzern.

WELT: Haben Sie die Sorge, dass irgendwer in der EU wieder dazwischen grätscht, wie zuletzt das EU-Parlament bei Mercosur?

Blume: Wir begrüßen, wenn diese Abkommen zügig umgesetzt werden. Das muss natürlich nach den Regeln für die Gesetzgebung in der EU gehen. Ich hoffe darauf, dass es jetzt pragmatische Lösungen gibt, dass dieses Handelsabkommen zügig in Kraft tritt.

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WELT: Donald Trump hat zuletzt ja wieder mit Zolldrohungen für Unsicherheit gesorgt. Zehn Prozent Sonderzölle wegen Grönland sollte es geben. Die hat er wieder zurückgenommen. Jetzt schwingt er gegen Kanada die Zollkeule mit 100 Prozent Sonderzöllen. Was bedeutet denn diese permanente Zollunsicherheit für Ihr Unternehmen?

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Blume: Als global agierendes Automobilunternehmen stehen wir für freien und fairen Welthandel. Wir sind eine langfristig investierende Industrie und brauchen verlässliche Bedingungen. Wir sind fest in den USA verwurzelt, arbeiten dort auch sehr positiv mit unseren Partnern zusammen, sehen Wachstumschancen für den Volkswagen-Konzern. Auf der anderen Seite ist es natürlich auch wichtig, dass das Ganze auch auf der Kostenseite funktioniert. Daher werden weitere Investitionen bei uns daran gekoppelt, dass wir eine positive Kostenumgebung in den USA haben.

WELT: Welche konkreten Bedingungen erwarten Sie für weitere Investitionen?

Blume: Wir haben auf der einen Seite stark investiert, beispielsweise in unsere Fabrik in Chattanooga. Wir bauen gerade mit der Marke Scout eine neue Fabrik in South Carolina, haben eine große Software-Partnerschaft mit Rivian in Kalifornien etabliert und könnten uns vorstellen, auch weitere Investitionen in den USA zu tätigen. Deshalb müssen auf der anderen Seite die Zölle reduziert werden, denn wir können nicht beides: Zölle zahlen und dann auch noch umfangreiche Investitionen für eine neue Fabrik in die Hand nehmen. Wir denken, wer in Arbeitsplätze, wer in Wertschöpfung investiert, der muss auf der anderen Seite von den lokalen Bedingungen profitieren.

WELT: Beim WELT-Wirtschaftsgipfel hier in Berlin geht es heute konkret um den Dialog mit der deutschen Bundesregierung. Was erwarten Sie sich von Schwarz-Rot, um die Bedingungen für die Autoindustrie und für Ihr Unternehmen zu verbessern?

Blume: Deutschland hat viele Chancen. Die neue Bundesregierung hat die richtigen Themen angepackt. Jetzt geht es vor allem darum, zügig zu entscheiden, pragmatisch zu agieren, dass wir unser Land nach vorn bringen. Dafür bildet die Bundesregierung den Rahmen, und die Industrie wird diesen Rahmen ausfüllen und tatkräftig dabei unterstützen, dass wir in Deutschland auch in Zukunft wirtschaftlich erfolgreich sein werden.

WELT: Die neue Regierung hat wieder eine E-Auto-Prämie auf den Weg gebracht. Fürchten Sie, dass ein Großteil der Förderung eher an ihre ausländischen Konkurrenten geht?

Blume: Zunächst einmal ist das ein gutes Signal. Wir müssen uns neben attraktiven Fahrzeugen auch darum kümmern, dass die Rahmenbedingungen passen. Das ist die Ladeinfrastruktur, die überregional mittlerweile schon sehr gut ist. Wir müssen in den Städten nachlegen, in den regionalen Bereichen. Es geht um Energiepreise, aber die Förderung der E-Fahrzeuge ist ein positives Signal. Ich finde es positiv, dass jetzt Personengruppen die Möglichkeit bekommen, sich ein Elektrofahrzeug zu kaufen, die diese Gelegenheit in der Vergangenheit möglicherweise nicht hatten. Der Volkswagen-Konzern wird in diesem Jahr mit attraktiven Produkten kommen – mit dem ID.Polo, mit dem Cupra Raval, mit dem Skoda Epic, also mit Fahrzeugen, die bei 25.000 Euro beginnen. Gerade für diese Fahrzeuge kann diese E-Prämie in Deutschland sehr positiv wirken.

WELT: Der ID.Polo kommt aber erst mal in einer teureren Version. Wann wird es das Auto auch für 25.000 Euro in Deutschland geben?

Blume: Wir steigen mit drei Produkten des Volkswagen-Konzerns ein. Dort wird es auch bereits Einsteiger geben. Beim Polo haben wir das Ganze gestaffelt. In absehbarer Zeit bringen wir dann auch Einstiegsmodelle für 25.000 Euro. Das ist eine ganz normale Markteintrittsstrategie, die wir auch bei anderen Produkten verfolgen. Insofern können sich unsere Kundinnen und Kunden auch bald auf ein Einstiegsfahrzeug für 25.000 Euro freuen.

Dietmar Deffner ist Redaktionsleiter Wirtschaft bei WELT TV.

Source: welt.de

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