Zendaya und Robert Pattinson in „Das Drama“: Kenne ich dich quasi?


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Es beginnt wie eine RomCom, wird dann aber zum Psychodrama: „Das Drama“ fragt, wie gut man den Menschen an seiner Seite wirklich kennt.

Was tun, wenn der Mensch, den man heiraten will, kurz vor der Hochzeit mit einer Information herausrückt, die alles infrage stellt, was man über ihn oder sie zu wissen glaubte? Genau dieser Frage muss sich Robert Pattinson (39) als Charlie in „Das Drama – Noch mal auf Anfang“ stellen.

Zu Beginn wähnt sich das Publikum noch in einer leichten RomCom. Die Beziehung zwischen Charlie und Emma (Zendaya, 29) wird in schnellen, charmanten Szenen erzählt: Pattinson gibt den leicht verunsicherten Nerd mit einem Hauch jungem Hugh Grant, während Zendaya mühelos das Bild des zauberhaften Manic Pixie Dream Girls erfüllt. Bis ein Trinkspiel alles kippen lässt. Mit einem Geständnis, das hier bewusst nicht gespoilert werden soll, sprengt Emma die Realität ihrer Beziehung – und den Film gleich mit.

Schluss mit RomCom

Ab diesem Moment ist nichts mehr leicht. Die RomCom ist vorbei, nicht nur für die Figuren, sondern auch für das Publikum. Während die Hochzeitsvorbereitungen unerbittlich weiterlaufen, beginnt für Charlie ein innerer Ausnahmezustand. Misstrauen frisst sich durch jede Erinnerung, jede Geste wird neu bewertet. Kann man einen Menschen überhaupt wirklich kennen? Oder liebt man immer nur die Version, die man sich selbst von ihm gebaut hat?

Der Film findet für diese Fragen starke Bilder. Traumsequenzen, Rückblenden und alternative Realitäten spiegeln Charlies zunehmende Verunsicherung und machen seinen Kontrollverlust greifbar. Gleichzeitig versucht er verzweifelt, seine moralischen Maßstäbe neu zu sortieren, ohne sich selbst zu verlieren. Und die perfekt ausgearbeitete Hochzeitsrede wird plötzlich zur Baustelle.

Regisseur und Drehbuchautor Kristoffer Borgli zwingt das Publikum dabei immer wieder, sich selbst zu positionieren. Ohne das zentrale Geheimnis preiszugeben: Es fällt schwer, Emma moralisch einzuordnen. Zendayas Gesicht transportiert gleichzeitig Unschuld und Verletzlichkeit, während ihre Aktionen von Wut und Unberechenbarkeit erzählen, was die Figur in einer Schwebe hält, die verstört und fasziniert.

Feindselige Trauzeuginnen und ganz schlechtes Timing

Seinen Höhepunkt erreicht „Das Drama“ schließlich – wenig überraschend und doch konsequent – auf der Hochzeit. Was hier eskaliert, ist weniger ein Fest als ein emotionales Schlachtfeld: Feindselige Trauzeuginnen, Reden ohne Glückwünsche, Gerüchte, die sich verbreiten, zu viele Drinks, bad Timing und schlechte Bewältigungsstrategien, die zu aberwitzigen Situationen führen. Daraus entstehen Momente, die zwischen Tragik und Absurdität kippen.

Verhandelt wird das alles in einem wilden Genre-Mix. Auch wenn Titel, Besetzung und der harmlose Trailer eine kurzweilige Liebeskomödie suggerieren, dürfte ein Teil des Publikums verstört aus dem Film gehen. „Das Drama“ ist nur sehr wenig RomCom, dafür aber viel Psychodrama und schwarze Komödie. Und damit der vielleicht realistischste Liebesfilm aller Zeiten.

SpotOnNews

Source: stern.de