Zweimal im Jahr geschieht etwas, das unseren Alltag spürbar durcheinanderbringt – und doch nur eine einzige Stunde betrifft: die Zeitumstellung. In der Nacht vom 28. auf den 29. März 2026 ist es wieder so weit. Die meisten europäischen Länder stellen dann die Uhr von Winterzeit auf Sommerzeit um. Dabei wird die Uhr um eine Stunde vorgestellt – von 2 Uhr auf 3 Uhr.
Die erste Zeitumstellung des Jahres findet in Deutschland immer am letzten Sonntag im März statt. An diesem Tag endet die Winterzeit – und damit die eigentliche Normalzeit. Die Sommerzeit ist lediglich eine gesetzlich eingeführte Vorverlegung der Normalzeit um eine Stunde – mit der unbeliebten Folge, dass der Wecker fortan eine Stunde früher klingelt.
Immerhin müssen die Uhren kaum noch selbst umgestellt werden: Smartphones, Computer und Funkuhren passen sich in der Regel automatisch an. Nur bei analogen Armbanduhren, Küchenuhren oder Wanduhren ist noch Handarbeit gefragt.
Vor oder zurück? Eselsbrücken zur Zeitumstellung
Viele Menschen kommen bei der Frage „vor oder zurück?“ jedes Jahr ins Grübeln. Dabei helfen einfache Gedächtnisstützen:
- Der Reim „Im Winter hinter“ erinnert daran, dass die Uhr im Herbst eine Stunde zurückgestellt wird.
- Oder denken Sie an ein Thermostat: Im Frühjahr drehen Sie auf Plus (die Uhr geht vor), im Winter auf Minus (die Uhr geht zurück).
- Auch der Jahreszeitenvergleich hilft: Im Frühjahr werden die Gartenstühle herausgestellt – die Uhr wird vorgestellt. Im Winter stellt man sie zurück – und ebenso die Zeit.
Sommerzeit 2026: Wo wird an der Uhr gedreht?
Während in Europa die meisten Länder an der Zeitumstellung festhalten, haben sich einige Staaten längst davon verabschiedet. Russland, China oder Japan stellen ihre Uhren nicht mehr um. Auch in den USA wird seit Jahren über eine Abschaffung diskutiert, doch die Bundesstaaten sind uneins.
In der EU sollte die Zeitumstellung eigentlich schon 2021 abgeschafft werden – das hatte die EU-Kommission nach einer viel beachteten Bürgerbefragung vorgeschlagen. Doch bislang konnten sich die Mitgliedstaaten nicht darauf einigen, welche Zeit dauerhaft gelten soll: Sommer- oder Winterzeit. Die Entscheidung liegt weiter auf Eis.
Wie die Zeitumstellung unseren Körper beeinflusst
Eine Stunde klingt nicht nach viel – doch für die innere Uhr ist sie ein Einschnitt. Der menschliche Organismus folgt einem fein abgestimmten zirkadianen Rhythmus, der durch Licht und Dunkelheit gesteuert wird. Wenn die Zeit plötzlich „springt“, kann das kurzfristig zu Schlafproblemen, Müdigkeit oder Konzentrationsstörungen führen.
Besonders empfindlich können Kinder und ältere Menschen reagieren, deren biologische Rhythmen weniger flexibel sind. Studien zeigen, dass in den Tagen nach der Umstellung mehr Verkehrsunfälle passieren und sich das Herzinfarktrisiko leicht erhöht.
Um den Körper zu unterstützen, raten Chronobiologen zu einfachen Maßnahmen: Licht am Morgen, regelmäßige Schlafzeiten und eine schrittweise Anpassung der Bettgehzeiten helfen, um sich schneller an die Sommerzeit zu gewöhnen.
Warum gibt es die Zeitumstellung überhaupt?
Ursprünglich wurde sie aus einem einfachen Grund eingeführt: Energie sparen. Erstmals führte das Deutsche Reich die Sommerzeit am 30. April 1916 während des Ersten Weltkriegs ein – gemeinsam mit Österreich-Ungarn. Ziel war es, Kohle zu sparen, indem das Tageslicht besser genutzt wurde.
Nach mehreren Abschaffungen und Wiedereinführungen kehrte Deutschland 1980 zur Sommerzeit zurück – in der Hoffnung, durch längere Helligkeit am Abend weniger Strom zu verbrauchen. Doch moderne Studien zeigen: Die Einsparungen sind minimal, teilweise gleichen zusätzliche Heizkosten die Effekte sogar aus.
Heute argumentieren Befürworter vor allem mit dem Freizeitwert der Sommerzeit: längere Abende, mehr Tageslicht nach der Arbeit. Gegner hingegen betonen die gesundheitlichen Belastungen und die technischen Probleme, die der halbjährliche Eingriff in die Zeit mit sich bringt.
Die Zeitumstellung abschaffen?
Ob die Zeitumstellung 2026 eine der letzten ihrer Art sein wird, ist offen. Viele Experten plädieren für ein Ende – doch welche Zeit bleiben soll, ist höchst umstritten.
- Sommerzeit dauerhaft: mehr Licht am Abend, aber eine dauerhafte Verschiebung des natürlichen Rhythmus
- Winterzeit dauerhaft: bessere Übereinstimmung mit der biologischen Uhr, dafür früherer Sonnenuntergang
Was wäre, wenn die Zeitumstellung abgeschafft würde? Studien zeigen, dass sich der Alltag langfristig anpassen würde – Schul- und Arbeitszeiten sowie das Freizeitverhalten würden sich verschieben. Doch ein gesellschaftlicher Konsens darüber, welches Zeitmodell „natürlicher“ ist, liegt in weiter Ferne.
Source: welt.de