In Tschechiens Hauptstadt Prag haben Zehntausende Menschen gegen die Regierung von Premierminister Babis demonstriert. Sie warfen der Regierung autoritäre Tendenzen vor – und kritisierten eine Annäherung an Russland.
Zehntausende Menschen haben in Prag gegen die Regierung des Rechtspopulisten und Milliardärs Andrej Babis demonstriert. Sie folgten einem Aufruf des Bündnisses „Eine Million Augenblicke für Demokratie“. Dessen Gründer Mikulas Minar warf dem Kabinett vor, autoritäre Tendenzen zu zeigen und das Land Russland zuwenden zu wollen.
„Der Frost kommt aus dem Kreml und läuft uns den Rücken hinunter, aber uns ist dennoch warm, weil wir viele sind“, sagte der 33-jährige Minar. Dass die Regierung die jüngste Parlamentswahl gewonnen habe, gebe ihr nicht das Recht, ihre Macht zu missbrauchen. Weitere Kritikpunkte waren die jüngsten Kürzungen bei den Verteidigungsausgaben sowie geplante Änderungen bei der Finanzierung der öffentlich-rechtlichen Medien.
Betrugsvorwürfe gegen Babis
Die Veranstalter sprachen von bis zu 250.000 Teilnehmern, die sich in einem großen Park auf der Letna-Ebene hoch über der Moldau versammelten. Die Demonstrantinnen und Demonstranten hielten tschechische und ukrainische Fahnen sowie die Europaflagge hoch. Auf einem Bild waren US-Präsident Donald Trump und der russische Präsident Wladimir Putin stilisiert dargestellt, wie sie sich küssen.
Babis regiert seit Mitte Dezember in einer Koalition mit zwei Parteien am rechten Rand des politischen Spektrums – der Autofahrerpartei „Motoristen für sich“ und der Partei Freiheit und direkte Demokratie (SPD).
Erst vor wenigen Wochen lehnte es das Parlament mit der Regierungsmehrheit ab, die Immunität von Babis als Abgeordnetem aufzuheben. Dem 71-Jährigen drohte ein Gerichtsprozess wegen mutmaßlichen Subventionsbetrugs. Seine ANO-Partei arbeitet im EU-Parlament in der Fraktion „Patrioten für Europa“ unter anderem mit der Fidesz des ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orban zusammen.
Source: tagesschau.de