Die Zecken-Saison beginnt. Unbemerkt fallen die Insekten über den Menschen her und können ihn mit gefährlichen Krankheiten infizieren. Warum ein Stich so oft unbemerkt bleibt und welche Warnsignale Sie niemals missachten sollten.
Mit dem Anstieg der Temperaturen werden auch die Zecken wieder aktiv. Und es ist ratsam, sich vor den beißenden Biestern in Acht zu nehmen. Denn sie können gefährliche Krankheiten übertragen, die auch tödlich enden können. So starben nach Angaben des Statistischen Bundesamts allein 2024 insgesamt 24 Menschen an den Folgen eines Zeckenbisses, fünf mehr als im Jahr davor. Zecken übertragen in Deutschland vor allem zwei Krankheiten: Die Borreliose wird durch Bakterien hervorgerufen, die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) ist dagegen eine Virusinfektion.
Zecken leben in Wäldern, Parks und Gärten. Sie lassen sich aber nicht von Bäumen fallen, wie oft fälschlicherweise vermutet wird, sondern sie sitzen meist weniger als einen Meter hoch im Gras oder Gebüsch. Wer daran entlangstreift, kann sich eine Zecke einfangen. Die Tiere krabbeln ein wenig auf dem Körper herum, um eine geeignete Einstichstelle zu finden. Daher ist es wichtig, sich nach dem Aufenthalt in der Natur sorgfältig abzusuchen, um eine Zecke möglichst zu finden, bevor sie Blut saugen kann.
Zecken mögen geschützte, feuchte Körperstellen mit dünner Haut. Dazu zählen Achselhöhlen, Bauchnabel, Genitalbereich und Kniekehlen. Bei Kindern stechen Zecken auch gern im Bereich von Kopf und Hals zu. Hat eine Zecke bereits zugestochen, muss sie schnellstmöglich entfernt werden. Dafür eignet sich eine spezielle Zeckenkarte oder eine Zeckenzange; auch mit einer Pinzette können die Blutsauger entfernt werden – oder im Notfall auch mit den Fingernägeln.
Die Zecke sollte so nah wie möglich an der Haut gepackt und langsam gerade herausgezogen werden. Tabu ist es, die Zecke zu quetschen oder sie mit Öl oder Klebstoff zu beträufeln. Beides kann dazu führen, dass mehr infektiöse Körperflüssigkeiten der Zecke in den eigenen Körper gelangen. Je länger die Zecke am Körper gesaugt hat, desto größer ist das Risiko, dass ein Krankheitserreger übertragen wird
Einstichstelle beobachten
Die Einstichstelle sollte sorgfältig desinfiziert und fotografiert werden, um etwaige Veränderungen besser erkennen zu können. Auch ist es hilfreich, das Datum des Zeckenbisses zu notieren. In den Tagen und Wochen danach sollte die Stelle genau beobachtet werden. Gibt es Hautveränderungen? Typisches Symptom einer Borreliose ist eine kreisrunde Rötung um die Einstichstelle, die sich immer weiter ausbreitet – die sogenannte Wanderröte. Dann sollte man unbedingt zum Arzt gehen. Borreliose kann mit einem Antibiotikum behandelt werden.
Wird die Borreliose nicht behandelt und breiten sich die Bakterien im Körper ungehindert aus, können auch noch Monate oder sogar Jahre nach einem Zeckenstich chronische Spätfolgen auftreten. Dazu gehören etwa Gelenkentzündungen (Lyme-Arthritis), neurologische Beschwerden (Neuroborreliose) wie Lähmungen, Hautveränderungen sowie in seltenen Fällen auch Herzmuskelentzündungen.
Auch wenn nach einem Zeckenbiss grippeähnliche Symptome, Kopfschmerzen oder Entzündungen auftreten, sollte unbedingt ein Arzt aufgesucht werden. Denn das können Symptome einer FSME sein. Wer in Risikogebieten wie Baden-Württemberg, Bayern, dem südlichen Hessen, dem südöstlichen Thüringen, Sachsen und dem südöstlichen Brandenburg lebt oder Urlaub macht und sich häufig im Freien aufhält, sollte sich gegen FSME impfen lassen, empfiehlt die Ständige Impfkommission (Stiko). Auch jetzt noch ist eine Schutzimpfung sinnvoll.
Schutz vor Zecken bieten Insektenschutzmittel, die etwa alle zwei bis vier Stunden erneuert werden sollten. Ratsam sind lange Hemden und Hosen sowie geschlossene Schuhe. Die Hosenbeine sollten möglichst in die Socken gesteckt werden, damit die Zecken nicht die Beine hochkrabbeln können. Von Vorteil ist auch insgesamt helle Kleidung, weil die winzigen Tiere darauf besser erkannt und abgesammelt werden können.
Zecken überleben in Wohnungen
Wie wichtig es ist, Zecken auch von der Kleidung zu entfernen, um sie nicht mit ins Haus zu schleppen, zeigt eine aktuelle Studie von Forschern der Ohio State University, die im Fachmagazin „Journal of Vector Ecology“ veröffentlicht wurde. Demnach wiesen die Forscher nach, dass bestimmte Zeckenarten in den USA wie die Lone-Star-Zecke und die Golfküsten-Zecke bis zu drei Wochen auf den Fußböden von Wohnhäusern überleben konnten – sowohl auf Fliesen, Holz und Vinyl als auch auf kurz- und hochflorigen Teppichen. Sie suchen dann aktiv nach einem Wirt zum Blutsaugen.
„Zecken können selbst an Orten, an denen man sie am wenigsten erwartet, ein Risiko darstellen, zum Beispiel im eigenen Haus“, warnen die Forscher und weisen darauf hin, dass ihre Studienergebnisse zeigen, wie wichtig Zeckenkontrollen sind – auch mit Blick auf die eigene Wohnumgebung. Am Ende starben die Zecken vermutlich an Austrocknung, so die Forscher. Einige der Zecken, die zur Kontrolle im Labor unter idealen Temperatur- und Feuchtigkeitsbedingungen gehalten wurden, überlebten mehr als ein Jahr. Der natürliche Lebenszyklus einer Zecke beträgt in der Regel mindestens zwei Jahre.
dpa, KNA/dia
Source: welt.de