Seit einigen Jahren schon arbeiten unter anderem die Europäische Zentralbank und die Europäische Kommission an der Einführung eines digitalen Euro.
Der Handelsverband Deutschland (HDE) befürwortet die Pläne zum digitalen Euro, warnt jedoch vor dem Scheitern des Projekts durch eine zu komplexe und realitätsferne Ausgestaltung. Er fordert eine „echte Alternative zu Kartensystemen“. Das sind die Kritikpunkte des Verbands.
Der digitale Euro habe das Potenzial, die Abhängigkeit von privaten internationalen Zahlungssystemen zu durchbrechen, so der
HDE. Denn der deutsche Einzelhandel wickele jährlich rund 20 Milliarden Transaktionen ab und sehe sich mit stetig steigenden Kosten durch die Marktdominanz amerikanischer Zahlungssysteme konfrontiert. „Besonders im E-Commerce und bei grenzüberschreitenden Zahlungen sind europäische Alternativen kaum vorhanden“, erklärt der Verband. Er sehe im digitalen Euro die Chance auf ein neutrales, staatlich garantiertes Zahlungsmittel – vergleichbar mit Bargeld im analogen Raum.
Für den Einzelhandel spielt allerdings die Kostenstruktur eine zentrale Rolle. So übt der HDE unter anderem Kritik am geplanten Kompensationsmodell, also an dem Konzept, Banken und Wallet-Anbieter für die Bereitstellung der Infrastruktur zu vergüten. So könnten Kosten entstehen, die an die Einzelhändler weitergegeben würden. „Aufwände der Banken sollen durch den Handel ausgeglichen werden“, kritisiert der HDE. „Das vorgesehene Modell bedeutet praktisch eine Übernahme des ineffizienten Interchange-Modells aus dem Kreditkartengeschäft. Wenn die Kosten der Wallet-Anbieter von den Händlern getragen werden sollen, führt das nicht zu einer effizienten Abwicklung von Transaktionen“, sagt Ulrich Binnebößel, HDE-Abteilungsleiter Zahlungsverkehr und Logistik.
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Vermutlich 2029 wird die Annahme von Digitalen Euro für Händler zur Pflicht. Das erfordert erhebliche Investitionen. Falls es für die Branche gut läuft, wird die elektronische Version des Euro aber auch die Gebühren für Mobile Payment begrenzen, die Händler an die Banken zahlen.
Statt einer Orientierung an marktüblichen Preisen der etablierten Verfahren fordert der HDE zudem „konkret transaktionsbasierte Gebühren von maximal vier Cent statt prozentualer Entgelte“. Eine generelle Akzeptanzpflicht lehne der HDE entschieden ab, solange die Kostenstruktur nicht effizient gestaltet sei.
Chance nicht verspielen
Bei richtiger Ausgestaltung könne der digitale Euro zu einem Erfolgsmodell werden, das Effizienz und Innovation fördere. „Europa kann es sich nicht leisten, diese Chance zu verspielen. Die Entscheidungen der kommenden Monate werden darüber bestimmen, ob der digitale Euro seine transformative Kraft entfalten kann oder als kostenintensives Zwangssystem scheitert“, so Binnebößel.
Zum Hintergrund: Seit einigen Jahren schon arbeiten unter anderem die Europäische Zentralbank und die Europäische Kommission an der Einführung eines digitalen Euro. Der Plan ist es, eine Art elektronische Form des Bargelds zu entwickeln. Als digitale Ergänzung zu Banknoten und Münzen soll er sichere, schnelle und europaweite Zahlungen im Alltag ermöglichen. „Alle Bürgerinnen und Bürger könnten den digitalen Euro nutzen. Die Zentralbanken des Euroraums würden ihnen damit zusätzlich zu Bargeld ein Zahlungsmittel anbieten, das sie schnell, einfach und sicher verwenden könnten“, teilt beispielsweise die Deutsche Bundesbank dazu mit. Und weiter: „Ein digitaler Euro wird immer ein Euro sein. Zehn digitale Euro wären also immer genauso viel wert wie eine 10-Euro-Banknote.“