Zahl jener Hinrichtungen in Iran laut Menschenrechtlern spürbar gestiegen

Stand: 13.04.2026 • 16:31 Uhr

Irans Regime nutzt die Todesstrafe gezielt, um Ängste zu schüren und Proteste zu unterbinden – davon sind Menschenrechtler überzeugt. Zwei Organisationen präsentierten nun aktuelle Zahlen und verbanden diese mit einem Appell.

In Iran sind vergangenes Jahr nach Angaben der Organisation Iran Human Rights (IHRNGO) mindestens 1.639 Menschen hingerichtet worden – so viele wie seit 35 Jahren nicht mehr. Das erklärten die Menschenrechtsorganisationen Iran Human Rights (IHR) mit Sitz in Norwegen und die französische Organisation Together Against the Death Penalty (ECPM) in einer gemeinsamen Pressekonferenz.

Im Vergleich zum Vorjahr sei dies ein Anstieg um 68 Prozent, sagte IHRNGO-Direktor Mahmood Amiry-Moghaddam in Paris. Dabei gehen die Menschenrechtler von einem „absoluten Minimum“ aus, weil von den meisten Hinrichtungen nicht in offiziellen Medien berichtet werde.

Hinrichtungen als Repressionsmittel

Der nach den landesweiten Protesten unter dem Motto „Frau, Leben, Freiheit“ im Jahr 2022 begonnene Anstieg der Hinrichtungen setze sich damit fort, so die Organisation weiter. Die Entwicklung verdeutliche, dass die Behörden weiterhin auf die Todesstrafe als Mittel setzten, um Angst zu schüren und von neuen Protesten abzuschrecken.

Auch angesichts des Kriegs mit den USA und Israel hielten die Machthaber in Teheran an Hinrichtungen als letztem Repressionsmittel fest, um Angst und Terror unter der Bevölkerung zu verbreiten, die für sie die größte existenzielle Gefahr darstelle, sagte Amiry-Moghaddam.

Seit den Protesten zu Jahresbeginn seien etwa 3.000 Kritiker festgenommen worden und Hunderten von ihnen drohe die Verurteilung zu einer Todesstrafe. Die seit Wochen andauernde Internet-Blockade in Iran verhindere, dass die Außenwelt mitbekomme, was im Land passiert.

Todesstrafe als Mittel der Repression

„Die Todesstrafe wird in Iran als politisches Instrument der Unterdrückung und Repression eingesetzt, und ethnische Minderheiten sowie marginalisierte Gruppen sind unter den Hingerichteten überproportional vertreten“, sagte der Geschäftsführer von ECPM, Raphaël Chenuil-Hazan.

Alleine 2025 seien mindestens 795 Menschen wegen Drogendelikten hingerichtet worden. Viele von ihnen seien von Revolutionsgerichten nach grob unfairen Verfahren und ohne ein ordnungsgemäßes Gerichtsverfahren verurteilt worden.

Bei Verhandlungen mit Iran müssten die Menschenrechte im Zentrum stehen, forderten beide Organisationen. Die Abschaffung der Todesstrafe in Iran müssten sämtliche Oppositionsbewegungen umsetzen, die die Macht in Teheran übernehmen wollten, so die Forderung. Die Menschenrechte dürften nicht für einen niedrigen Benzinpreis an den Tankstellen geopfert werden.

Source: tagesschau.de