Wuppertaler Familienbetrieb: Textilwerk Frieba steht nachher extra 100 Jahren vor Insolvenz

Der traditionsreiche Textilhersteller Frieba macht offenbar gerade eine schwere Zeit durch. Hinter der Marke steht das Textilwerk Carl Friedrich aus Wuppertal. In einem Insolvenzeröffnungsverfahren über das Vermögen der Firma Textilwerk Carl Friedrich GmbH & Co. KG hat das Amtsgericht Wuppertal mit Beschluss vom 18. Februar den Rechtsanwalt Marc d‘Avoine zum sogenannten „starken“ vorläufigen Insolvenzverwalter mit „Verfügungsbefugnis“ bestellt.

Der Anwalt war laut einem Beschluss vom 15. Januar schon als „schwacher“ vorläufiger Insolvenzverwalter bestellt. Was bedeutet das? Wie d‘Avoine auf Anfrage der F.A.Z. mitteilte, ist die Verfügungsbefugnis über das Unternehmen am 18. Februar auf ihn als vorläufigen „starken“ Insolvenzverwalter übergegangen, um die Führung der Geschäfte zu sichern und den Weg für eine Sanierung zu ebnen. Das sei eher ungewöhnlich, denn in den meisten „Regelverfahren“ habe der vorläufige Insolvenzverwalter nur einen Zustimmungsvorbehalt über Entscheidungen der bisherigen Geschäftsführung.

„Der Betrieb ist stabilisiert, wird fortgeführt und die Beschäftigten haben Insolvenzgeld für Januar erhalten“, sagte d’Avoine. Das Insolvenzgeld werde auch im Februar und März gezahlt. Seit Mitte Januar sei ein Team der in Insolvenzfällen erfahrenen Kanzlei ATN Rechtsanwälte bei Frieba an Bord. Nun geht es laut d’Avoine darum, einen Investor für das Traditionsunternehmen mit seinen 20 Mitarbeitern zu finden. Ergebnisse würden bis Ostern angestrebt.

Das hinter der Marke Frieba stehende Textilwerk Carl Friedrich befindet sich laut einer Broschüre anlässlich des 100. Firmenjubiläums aus dem Jahr 2019 in Familienbesitz und produziert ausschließlich Made in Germany. Es beschäftigt am Firmensitz nahe der Hamburger Treppe im Wuppertaler Stadtteil Elberfeld 20 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Wuppertaler Textilindustrie blickt auf lange Tradition zurück

Der Maschinenschlosser und Geschäftsmann Carl Johann Friedrich gründete das Unternehmen im Jahr 1919. Der noch heute verwendete Markenname Frieba ist eine Abkürzung des Namens des Firmengründers und des damaligen Standorts in Barmen, früher eine eigene Stadt, heute ein Teil von Wuppertal.

Die Lage ist kein Zufall. Im Tal des Flusses Wupper blickt die Textilindustrie auf eine lange Tradition zurück, die schon im 15. Jahrhundert begann und während der Industrialisierung im 19. Jahrhundert eine Blütezeit erlebte. Die 1901 eröffnete Wuppertaler Schwebebahn erinnert an die damalige industrielle Vorreiterrolle der Großstadt im Bergischen Land.

Frieba stellt Textilwaren wie Bänder, Paspeln, Kordeln, Tressen, Borten oder Fransen her. Damit werden Kleidung oder Möbel veredelt. Zu den Abnehmern gehören laut der Frieba-Jubiläumsbroschüre Modemarken wie Chanel und Olymp oder die Schweizer Möbelmarke Vitra. Auch europäische Theaterbühnen bestellen bei Frieba. Merkmal des Herstellers ist seine flexible Produktion, die es ermöglicht, auf individuelle Wünsche der Kunden einzugehen.

Die Textilbranche erlebt einen tiefgreifenden Strukturwandel. Die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft EY hat kürzlich berechnet, dass die deutsche Textil- und Bekleidungsindustrie in den vergangenen sechs Jahren 12.500 Arbeitsplätze abgebaut hat. Das entspricht einem Rückgang der Beschäftigung um 16 Prozent von Ende 2019 bis 2025. Das war der prozentual stärkste Verlust an Arbeitsplätzen von allen Industriezweigen.

Zum Vergleich: In der ebenfalls krisengeschüttelten deutschen Autoindustrie gingen laut EY im gleichen Zeitraum 13 Prozent der Stellen verloren. Frieba zählte während seiner langen Firmengeschichte teils bis zu 60 Mitarbeiter, dreimal so viele wie aktuell. Die sinkende Mitarbeiterzahl in der Textilbranche hat allerdings nicht nur mit Krisen zu tun, sondern auch mit der steigenden Produktivität und dem Fachkräftemangel.

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