Es war der erste öffentliche Auftritt seit seinem Suizidversuch im Sommer 2025: Am Montag zeigte sich der frühere Trigema-Chef Wolfgang Grupp im Neuen Kunstmuseum in Tübingen. Dort war er Gast der Talkreihe „Gysis Begegnungen“ mit Gregor Gysi (Linke).
An den Suizidversuch wolle er gar nicht mehr denken, sagte der 83-Jährige. Er habe seinen Jagdschein abgegeben, heute habe er neue Prioritäten.
Wie „Bild“ berichtet, spürt der frühere Trigema-Chef jedoch noch die Folgen. „Ich habe noch Beschwerden. Ich höre nicht mehr so hundertprozentig. Ich würde am liebsten alles ungeschehen machen. Aber das ist nicht mehr möglich“, so Grupp.
„Habe das Leben genossen“
In dem Gespräch verriet Grupp, wie sehr er das Leben gefeiert habe als Jurastudent in Köln.„Ich habe das Leben genossen. Ich war in kaum einer Vorlesung“, erzählte er. Weit weg vom strengen Elternhaus in Burladingen (Zollernalbkreis) in einer Großstadt. Sein Vater sei großzügig gewesen, habe ihm eine 3-Zimmer-Wohnung ermöglicht – samt eigenem Reitpferd und Sportwagen.
So sorglos sei es jedoch nicht immer gewesen, sagte Grupp. „Also meine Internatszeit in St. Blasien bei den Jesuiten war meine schlimmste Zeit. Ich hatte Heimweh. Ich liebte mein Zuhause und wir durften ja nicht am Wochenende nach Hause. Wir hatten dreimal im Jahr Ferien.“ Zweimal im Jahr habe er Besuch gehabt von der Familie. „Ich hatte furchtbar darunter gelitten“, sagte Grupp.
Er habe viel gelernt fürs Leben im Internat. „Ich musste mich durchsetzen, um nicht unterzugehen. Ich musste mich anpassen, um Freunde zu haben. Ich musste ordentlich sein, um nicht in der Unordnung leben zu müssen. Also ich habe dort sehr viel für mein späteres Leben automatisch mitbekommen, weil ich selbst verantwortlich war mit elf Jahren“, so der frühere Trigema-Chef.
Grupp gab Geschäfte an Kinder ab
Vor einiger Zeit übergab Grupp die Geschäfte an seine beiden Kinder. Aus Steuergründen, sagte er in Tübingen. Wolfgang Grupp Junior, 34, und seine Schwester Bonita, 36, die Ende des vergangenen Jahres Mutter geworden ist, führen das Familienunternehmen gemeinsam. Sie leitet die Bereiche Onlinehandel, Marketing und Personal. Wolfgang Grupp junior verantwortet Geschäftskunden, IT-Projekte, die Produktion und Finanzen.
Der frühere Trigema-Chef hatte Mitte des vergangenen Jahres einen Suizidversuch öffentlich gemacht. Er habe sich Gedanken darüber gemacht, ob er überhaupt noch gebraucht werde. Trigema ist ein Hersteller von Wäsche, Freizeit- und Sportbekleidung und wirbt damit, zu 100 Prozent „Made in Germany“ anzubieten.
„Haben Sie suizidale Gedanken oder haben Sie diese bei einem Angehörigen/Bekannten festgestellt? Hilfe bietet die Telefonseelsorge: Anonyme Beratung erhält man rund um die Uhr unter den kostenlosen Nummern 0800 / 111 0 111 und 0800 / 111 0 222. Auch eine Beratung über das Internet ist möglich unter http://www.telefonseelsorge.de.“
Source: welt.de