Er wollte Denkräume öffnen und handelt stattdessen ideologisch. Wolfram Weimer bringt die gesamte Kulturbranche gegen sich auf und sollte jemanden ranlassen, der es wirklich kann
Alles easy? Kulturstaatsminister Wolfram Weimer
Foto: Christoph Hardt/Panama Pictures/Imago Images
Es war damals nur eine Kleinigkeit. Aber ich hätte aufhorchen sollen. Nach einem kritischen Text über Kulturstaatsminister Wolfram Weimer meldete sich seine Pressestelle bei mir – mit einer Beschimpfungs-Mail. Ich würde wohl keinen Einblick in die Arbeit des Ministers haben und ein bisschen außerhalb stehen. Vielleicht würde ein Interview mit Weimer ja helfen. Aber natürlich nicht persönlich – ich solle einfach mal einen Fragenkatalog an seine Presse-Wuffis schicken und auf Antwort hoffen.
Schon damals (es ging um Weimers Behäbigkeit in Sachen Festspiel-Förderung in Bayreuth) hätte ich begreifen müssen: Der Kulturstaatsminister und sein Team sind lediglich bellende Hunde, die bluffen. Wolfram Weimer ist nicht für kulturelles Schwarzbrot geboren. Er will den Showman geben. Einer, der gern konservative Pamphlete ohne Rücksicht auf die intellektuelle Schule zusammenschustert. Einer, der gern in Kameras grüßt und noch lieber provoziert.
Dampfplauderer für den rechten Rand
Wie verrückt erscheint es heute, dass ich bei Weimers Amtsantritt tatsächlich gehofft hatte, dass er die Kulturpolitik nach Claudia Roth wieder entideologisieren könnte. Ich glaubte ihm wirklich, dass er die Denkräume öffnen wollte. Doch das Gegenteil war der Fall. Weimer regierte, als würde er noch immer bei Markus Lanz in der Talkshow sitzen: ein Dampfplauderer mit erzkonservativer Agenda. Ein Besserwisser ohne Verantwortung. Einer, der versucht, den rechten Rand der CDU ideologisch einzuhegen.
Immerhin: Es ist eine beachtliche Leistung, in so kurzer Zeit zu einem der wohl unbeliebtesten Kulturpolitiker in der Geschichte der Bundesrepublik zu werden. Es ist ein Kunststück, sowohl die Filmbranche als auch die Theaterleute und dann auch noch – vollkommen ohne Not – die Buchbranche gegen sich aufzubringen. Weimers ideologische Fehltritte wiederholten sich so regelmäßig, dass wir darüber fast schon seine Tegernsee-Connection vergessen haben.
Kein Schwarzbrot, dafür schwarz-rot-goldene Ideologie
Inzwischen hat sich der Kulturstaatsminister endgültig demontiert. Und nicht nur sich. Weimer ist zum Sinnbild der Merz-Regierung geworden: große Klappe ohne Plan. Schillernde Show statt harter Maloche. Wolfram Weimer ist so etwas wie das Maskottchen der Bundesregierung: ein gut gescheitelter Rambo-Zambo-Problembär.
Das Amt eines Kulturstaatsministers ist in erster Linie harte bürokratische Arbeit und die Ermöglichung von (jeder!) Kunst. Es geht nicht um Ideologisierung oder inhaltliche Einflussnahme auf die geförderten Projekte. Das Amt des Kulturstaatsministers ist Schwarzbrot. Weimer hat stattdessen schwarz-rot-goldene Ideologie daraus gemacht. Nun wird er nicht nur von links, sondern auch aus seinen eigenen konservativen Kreisen und selbst von rechts außen kritisiert.
Übernehmen Sie, Carsten Brosda
Und was macht Weimer? Er spielt das Opfer und bunkert sich in seinem Fehlerministerium ein. Schon beim Berlinale-Eklat schlich er sich aus dem Blickfeld, und die Verleihung des Buchhandlungspreises sagte er kurzerhand ab.
Es wäre vielleicht eine gute Entscheidung, endlich ganz zurückzutreten. Am besten noch vor der Eröffnung der Buchmesse. Die könnte dann endlich jener Mann übernehmen, auf dem eh alle Hoffnungen der Kulturschaffenden liegen: Hamburgs Kultursenator Carsten Brosda ist dieser kulturelle Schwarzbrotfresser. Ein Ermöglicher. Einer, der die Strukturen kennt und der im Schatten der Scheinwerfer tut, was der Leiter eines Ministeriums tun sollte: arbeiten.