Die Deutsche Nationalbibliothek in Leipzig bekommt keinen erhofften Erweiterungsbau. Kulturstaatsminister Wolfram Weimer habe sich gegen die Realisierung des Vorhabens entschieden, teilte die Nationalbibliothek mit. Sie kritisierte die Absage: Die neuen Flächen würden dringend benötigt.
Der fünfte Erweiterungsbau sollte langfristig Platz schaffen, um Bücher und andere Medien sammeln und aufbewahren zu können. Die Magazinkapazitäten in Leipzig seien nahezu erschöpft. „Der geplante Neubau sollte eine energieeffiziente und nachhaltige Bewahrung des nationalen Kulturerbes ermöglichen“, erklärte die Bibliothek. Als klimastabiles Magazin war er darauf ausgelegt, die sichere Aufbewahrung von derzeit rund 35,5 Millionen Medienwerken für etwa 30 Jahre zu gewährleisten.
Kulturstaatsminister will digital sammeln lassen
Ein Sprecher des Kulturstaatsministers bestätigte, dass der Neubau nicht kommen soll. „Staatsminister Weimer strebt an, die Pflichtablieferung an die Deutsche Nationalbibliothek zukünftig weitestgehend digital abzubilden.“
Laut Gesetz müssen Verlage derzeit grundsätzlich zwei physische Exemplare an die Bibliothek liefern. Weimer setze sich dafür ein, dass es in Zukunft nur noch ein Exemplar sein wird. Und das – wenn möglich – ausschließlich digital. Das sei ein Beitrag zum Bürokratieabbau.
Nationalbibliothek: Auch Alternativen kosten Geld
Im Übrigen lagere die Nationalbibliothek bereits jetzt Bücher aus Leipzig an ihren zweiten Standort in Frankfurt um. Dort seien noch Magazinkapazitäten vorhanden. Es werde geprüft, wie es angesichts der ausgereizten Flächen mit den Beständen in Leipzig weitergehen soll.
Die Nationalbibliothek wies darauf hin, dass auch alternative Lösungen Geld kosten. Zudem seien bereits rund sieben Millionen Euro in die Planung des Erweiterungsbaus geflossen.
Seit 2018 wurde das Bauprojekt von der Deutschen Nationalbibliothek in Abstimmung mit dem Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien sowie dem Sächsischen Staatsministerium der Finanzen geplant, so die Bibliotheksleitung. Nach einem Architekturwettbewerb erhielt Anfang 2025 das Dresdner Architekturbüro CODE UNIQUE Architekten den Zuschlag. Im August 2025 habe ein Planungskonzept vorgelegen.
Die Deutsche Nationalbibliothek archiviert seit 1913 sämtliche Publikationen in Deutscher Sprache. Sie hat Standorte in Leipzig und Frankfurt. Täglich gehen nach ihren Angaben rund 13.100 neue Werke ein, davon 3.300 in analoger und 9.800 in digitaler Form.
Source: faz.net