Wohnrkrise in Deutschland: Mehr qua ein Drittel wohnt an Orten mit unbezahlbarem Wohnraum

Menschen mit mittlerem Einkommen finden in Deutschland nicht überall bezahlbaren Wohnraum. Das geht aus einem Bericht von Correctiv hervor, in welchem lokale Wohnungspreise aus dem EU-Forschungsprojekt ESPON House4All mit den durchschnittlichen Einkommen von Pflegekräften an den jeweiligen Orten verglichen wurden. 

Besonders betroffen ist in Deutschland laut Correctiv Wohnraum im Süden, an der Küste und in den Metropolen. In sieben von zehn deutschen Großstädten seien die durchschnittlichen Angebotsmieten mit dem Gehalt von Pflegefachkräften nicht bezahlbar. Mittlerweile leben laut Bericht 36 Prozent der Menschen in Orten, in denen ein mittleres Gehalt für die Miete von 45 Quadratmetern nicht ausreicht. 43 Prozent leben demnach in Regionen, in denen eine Eigentumswohnung von 45 Quadratmetern unbezahlbar ist.

Viele Städte Europas für Pflegekräfte unbezahlbar

Auch bei einer Analyse der Zahlen im Rest von Europa kommt Correctiv zu ähnlichen Ergebnissen: So reiche an jedem siebten Ort in der EU, Norwegen, Island und der Schweiz ein durchschnittliches Gehalt nicht aus, um eine Wohnung von 45 Quadratmetern zu mieten oder zu kaufen. Von den hohen Preisen seien jedoch deutlich mehr Menschen betroffen, weil diese Regionen dichter besiedelt seien. Mehr als ein Drittel der Bevölkerung lebe demnach an Orten, in denen eine Eigentumswohnung für Pflegekräfte unbezahlbar ist. 

Pflegekräfte liegen laut Correctiv mit einem mittleren Monatsgehalt von 4.329 Euro brutto fast genau auf dem Mediangehalt der Bevölkerung in Deutschland. Alle Regionen, in denen Menschen von diesem Einkommen mehr als 30
Prozent für Miete oder Kreditraten ausgeben müssten, wurden als unbezahlbar
eingestuft. Die Daten des EU-Forschungsprojekts ESPON House4All umfassen alle Miet- und Kaufpreise der knapp 100.000 EU-Städte und -Gemeinden.

Problem für Ausbildung und Zuzug

In Deutschland warnen Mietervertreter und Sozialverbände zunehmend vor einer Wohnungskrise. So fehlen etwa laut eine Studie des Pestel Instituts deutschlandweit 1,4 Millionen Wohnungen. Vor allem für jüngere und ältere Menschen wird es demnach zunehmend schwieriger, für sie bezahlbaren Wohnraum zu finden – gerade in Rente oder Ausbildung. In vielen Städten steigen derweil die Mietpreise beinahe ungebremst. Angebotsmieten in den 14 größten deutschen Städten haben sich laut Regierung in der Zeit von 2010 bis 2024 durchschnittlich verdoppelt.

Das schlägt sich auch auf den Fachkräftemangel nieder: Trotz Studien- oder Ausbildungsverträgen finden gerade junge Menschen oftmals keine Wohnung. Auch der Mangel an Pflegekräften in Ballungsgebieten wird angesichts fehlender Wohnungen für zuziehende Fachkräfte gravierender. In der Bundesregierung wird derweil um Mieterschutz bisher viel gestritten.

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