Erstmals nach zwei Minusjahren hat die deutsche Wirtschaft den Export im vergangenen Jahr wieder gesteigert. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts führten die Unternehmen Waren im Wert von 1570 Milliarden Euro aus, ein Prozent mehr als im Vorjahr. Die pauschale Zahl verdeckt eine Umorientierung der Außenwirtschaft, eine gewisse Abkoppelung von den wichtigsten Handelspartnern Amerika und China. Richtung Vereinigte Staaten und China fiel die deutsche Ausfuhr im vergangenen Jahr um je 9,3 Prozent, während die Lieferungen in den Euroraum um 4,1 Prozent zulegten.
Der Anstieg des Exports im vergangenen Jahr stützt die Erwartung, dass die Wirtschaft in diesem Jahr die Stagnation hinter sich lassen könne. Die am Freitag veröffentlichten Produktionszahlen legten indes offen, dass die Industrie die Krise noch nicht überwunden hat. Im vergangenen Jahr fiel die Produktion im produzierenden Gewerbe kalenderbereinigt um 1,1 Prozent, es war das vierte Minus in Folge. Im Dezember ging die Produktion deutlich um 1,9 Prozent gegenüber dem Vormonat zurück, nachdem sie zuvor drei Monate gestiegen war. Das Bundeswirtschaftsministerium sprach von einer Pause. Hoffnungen auf eine Umkehr richten sich darauf, dass in den letzten drei Monaten des Jahres die Produktion um 0,9 Prozent gegenüber dem vorherigen Quartal gestiegen war.
Zum Jahresende zog der Auftragseingang in der Industrie drastisch an, was auch in Großaufträgen der Regierung für Verteidigung gründet. Ökonomen erwarten überwiegend, dass die prognostizierte Wirtschaftserholung in diesem Jahr sich aus der inländischen Nachfrage speisen werde.
Doch bleibt der Export für die deutsche Wirtschaft wichtig. Der Bundesverband für den Außenhandel (BGA) sprach von andauernden strukturellen Schwächen im Exportgeschäft. Eine lose Seitwärtsbewegung des Exports könne die fortschreitenden Verluste internationaler Marktanteile nicht ausgleichen, erklärte Dirk Jandura, der Präsident des BGA.
Der Rückgang der Ausfuhr in die Vereinigten Staaten wird überwiegend mit den Einfuhrzöllen begründet, mit denen die Regierung von Donald Trump den Warenimport aus der Europäischen Union belegt hat. Zuletzt war die Ausfuhr Richtung Vereinigte Staaten im Jahr 2020 während der Corona-Pandemie gesunken. Richtung China ist es schon das dritte Jahr nacheinander, dass die deutschen Exporteure weniger Waren dorthin liefern. Ökonomen und die Exporteure verweisen darauf, dass die chinesischen Unternehmen – gestützt auch auf Subventionen – konkurrenzfähiger geworden seien. Das gelte zunehmend auch für Bereiche wie den Maschinenbau, in denen die deutsche Industrie Vorteile hat.
Im Außenhandel mit Waren erwirtschafteten die Exporteure im vergangenen Jahr insgesamt einen Überschuss von 202,8 Milliarden Euro oder zwölf Prozent mehr als im Vorjahr. Die Wareneinfuhr betrug 1367 Milliarden Euro oder 4,4 Prozent mehr als im Vorjahr.
Die Industrieproduktion ist nach den jüngsten Angaben in den vergangenen sieben Jahren sechsmal gesunken. Das Minus von 1,3 Prozent im vergangenen Jahr zeigt eine gewisse Erholung gegenüber den Vorjahren. Der Rückgang gründet vor allem auf einem Minus von 1,7 Prozent in der Automobilindustrie und von 2,6 Prozent im Maschinenbau. Im Baugewerbe sank die Produktion das fünfte Mal nacheinander, und zwar um 1,7 Prozent. Nach drei Jahren des Rückgangs stieg die Energieerzeugung um 1,8 Prozent.