Die Wirtschaft schwächelt, die Konkurrenz aus China nimmt zu – deutsche Mittelständler sind in Sorge. Warum Firmen trotzdem an „Made in Germany“ festhalten, zeigen zwei Beispiele aus Baden-Württemberg.
„Hier wird die zukünftige Fertigung sein. Diese Maschine und zwei weitere Maschinen, die gehen in Ruhestand.“ Geschäftsführer Rainer Schweikert zeigt in einer seiner Hallen in Heilbronn auf zwei große, laute Maschinen. Hier wird investiert.
Das Kerngeschäft von Schweikert sind unter anderem Karosserieteile aus Aluminium, Stahl und Edelstahl sowie der Werkzeugbau. Die Kunden: Automobil- und Landmaschinenhersteller.
Damit ist Schweikert abhängig von Branchen, die aktuell schwächeln. „Wir haben das in den letzten Jahren gespürt, dass es keine neuen Produkte gab“, sagt Schweikert. Niemand habe gewusst, wo es in der Autoindustrie und der Landwirtschaft hingehe. Nun sei der Knoten geplatzt.
Nur ein Viertel der Unternehmen hat gutes Gefühl
Eine gewisse Unsicherheit bleibt – auch bei anderen Geschäftsführerinnen und Geschäftsführern in Deutschland. Eine Umfrage der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) unter 26.000 Unternehmen hat ergeben: Nur ein Viertel der Unternehmen bewertet seine Geschäftslage zu Jahresbeginn als gut, ebenso viele als schlecht.
Trotz angekündigter Reformen der Bundesregierung ist auch der Blick nach vorne nur geringfügig optimistischer als noch im Herbst: Jedes vierte Unternehmen rechnet mit einer Verschlechterung der Wirtschaftslage. Die DIHK erwartet 2026 nur ein schwaches Wachstum von einem Prozent.
Gerade im internationalen Vergleich stehe Deutschland nicht gut da, so Helena Melnikov, die Hauptgeschäftsführerin der DIHK. „Da stellen wir fest, dass die Weltwirtschaft seit 2019 um rund 19 Prozent gewachsen ist, während Deutschland seitdem gerade mal ein Wachstum von 0,2 Prozent verzeichnet.“ Das sei ein „Auf-der-Stelle-Treten“ – und durchaus dramatisch.
Schweikert setzt auf Automatisierung
Dieser Unsicherheit begegnet Schweikert mit Investitionen. Der Automobilzulieferer befindet sich in einer Transformation: Mehr und mehr Maschinen werden ausgetauscht. Stichwort: Automatisierung. Wo früher vier Mitarbeiter eingeteilt waren, braucht es heute schon nur noch einen, der die Maschine bedient.
In diesem Stil will Schweikert weiter umbauen. Stellen abbauen wolle man aber nicht, sondern Mitarbeiter umschulen und weiterbilden. Der Vorteil: So könne man Kosten sparen, um wettbewerbsfähig zu bleiben, erklärt er.
„Wir werden es aber nur so schaffen, dass wir quasi die neuen Technologien nutzen mit Künstlicher Intelligenz, und da sehe ich auch humanoide Roboter, wie sie in China schon eingesetzt werden.“
„Das ist kein fairer Markt“
„Die größte Herausforderung für uns in Deutschland als deutscher Werkzeugbau ist der ausländische Markt, hauptsächlich China“, sagt der Geschäftsführer. „Die chinesischen Werkzeugbauer werden bis zu 60 Prozent vom chinesischen Staat gefördert.“ Das führe dazu, dass man einen Markt beobachte, der nicht mehr „real“ sei. Dagegen müsse man ankämpfen. „Dies wird in Deutschland nur noch gehen durch Digitalisierung, Künstliche Intelligenz und Automatisierung. Alles im Verbund. Dann sehe ich eine Chance in Deutschland.“
Außerdem müssten Schweikert zufolge die Energiekosten in Deutschland deutlich sinken. „Uns hilft es nichts, wenn man etwas den Strompreis reduziert, wenn in Frankreich der Strompreis unter zehn Cent im Verkauf liegt. Wir sind immer noch bei 25 und 30 Cent.“ Es könne nicht sein, dass der deutsche Mittelstand gegen Wettbewerber kämpfe, gegen die er nicht gewinnen könne. „Das ist kein fairer Markt“, betont Schweikert.
Deutschland als Standort noch attraktiv
Ein Beispiel dafür, dass internationale Investoren nicht immer besser sind als deutsche, ist der Luxusmöbel-Hersteller Rolf Benz in Nagold bei Pforzheim. Ein chinesischer Investor kaufte das Unternehmen vor sieben Jahren auf. Nun ist das Unternehmen wieder in deutscher Hand.
Das Konzept der chinesischen Investoren, Flagshipstores in China zu eröffnen und mehr auf Massenware zu setzen, sei nicht aufgegangen, sagt Jürgen Mauß, der Geschäftsführer von Rolf Benz, rückblickend.
Ein Grund dafür sei die Corona-Pandemie gewesen: „Die Pandemie, die ja in China sehr, sehr restriktiv gehandhabt wurde, hat natürlich dazu geführt, dass der Marktaufbau drei Jahre lang nicht hat stattfinden können.“ Auch in Deutschland beobachtet der Möbelhersteller, dass die Kunden weniger Möbel kaufen – das liege daran, dass auch weniger gebaut werde, so Mauß.
Spezialisieren statt für die breite Masse produzieren
Unter dem neuen deutschen Investorenteam rund um Frank Niehage soll die Produktprofitabilität verbessert werden. Niehage erklärt: „Bei der Produktauswahl brauchen wir nicht alle 100 Produkte, die wir heute im Sortiment haben.“ In Zukunft wolle man mehr auf Maßanfertigungen und neue Branchen wie etwa die Reisebranche setzen. Hier habe man schon erste Aufträge für maßangefertigte Möbel für Kreuzfahrtschiffe an Land gezogen.
Der Möbelhersteller Rolf Benz bekennt sich zum Produktionsstandort Deutschland – auch wenn das Unternehmen rund 50 Prozent seiner Umsätze außerhalb Deutschlands macht. Neue Märkte erschließen? Das stehe auch auf der Agenda. Doch am liebsten mit dem Qualitätsversprechen „Made in Germany“. So sieht man das auch beim Automobilzulieferer Schweikert – auch hier gilt der Grundsatz: Innovation und neue Technik, ja. Abwandern ins Ausland: nein.
Source: tagesschau.de