„Wir sind keine neutrale Talkshow, wir sind eine Dauermeinungssendung“

Für Nena Brockhaus erfüllt sich dieser Tage ein Kindheitstraum. Künftig wird die Journalistin dreimal wöchentlich bei WELT TV ihr eigenes Talkformat moderieren. Sie verspricht, auch „unliebsame Meinungen“ zu Wort kommen zu lassen.

Ihre Vorfreude steigt. „Ich wollte immer nur das“, betont Nena Brockhaus. Während andere Kinder davon träumten, ins All zu fliegen, wollte sie den Talkshow-Karrieren von Sandra Maischberger und Sabine Christiansen nacheifern. „Welcher Job ist spannender, als mit den führenden politischen und gesellschaftlichen Köpfen unserer Nation zu debattieren?“ Ab dem 10. November erfüllt sich der Wunsch der Journalistin. Dreimal pro Woche wird sie „Meinungsfreiheit mit Nena Brockhaus“ auf WELT TV präsentieren.

In jeder Ausgabe stellen Brockhaus und ihre drei Mitdiskutanten jeweils eine eigene These vor, die dann debattiert wird. „Wir sind keine neutrale Talkshow, wir sind eine Dauermeinungssendung“, sagt die Moderatorin. „Es ist ein Stammtisch auf hohem Niveau.“ Das Konzept erinnert nicht zufällig an ein anderes Format. Zwischen 2021 und 2023 trat Brockhaus für „Viertel nach Acht“ schon einmal vor die Kameras, damals für den Fernsehsender der „Bild“-Zeitung. „Never change a winning concept“, betont Brockhaus.

Gleichwohl habe sie sich selbst seitdem fundamental verändert. „Ich war 28 Jahre alt, mein Vater war noch nicht an Krebs gestorben, und ich war auch noch nicht Mutter geworden. Die Frau, die ich heute mit 33 bin, hat eigentlich gar nichts mehr mit der Nena von ‚Viertel nach Acht‘ zu tun“, berichtet sie von ihrer persönlichen Wandlung. „Ich glaube, dass ich heute weicher bin. Damals war ich noch viel härter in meinen Ansichten.“ Doch so sehr sie menschlich auch eine „gute Entwicklung“ genommen habe, ihre Grundhaltung bleibe bestehen. „Ich bin immer noch ein Leistungsultra“, sagt die Journalistin.

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Wer mit ihr spricht, bekommt fast altmodisch anmutende Wörter wie Disziplin, Vorbereitung und Pünktlichkeit zu hören. Brockhaus ist eine Frau preußischer Tugenden. Sie bestätigt wahrlich keines der Vorurteile, die über ihre Altersgenossen kursieren. Mit Skepsis blickt sie auf den Zeitfresser Social Media, mit Verachtung auf den „puren, gelebten Egoismus“, der durch beständige Selbstfindung zum Ausdruck gebracht werde. Stattdessen, sagt sie, täte der Gesellschaft ein größeres Maß an Demut gut.

Da passt es ins Bild, dass sich Brockhaus umgehend selbst wieder einfängt, wenn sie sich zum Eigenlob hinreißen lässt. „Ich bin eine exzellente Schachspielerin. Schlimm, wenn man das von sich selbst sagt“, betont sie entschuldigend. „Ich finde, eine gute Debatte ist wie Schach. Du musst immer schon den Zug des Gegenübers mitdenken.“ Darauf wird es ankommen, wenn sie zur Premiere die „taz“-Journalistin Ulrike Herrmann begrüßen wird. Herrmann sei ihr ausdrücklicher „Wunschgast aus dem anderen Lager“ gewesen, versichert die Moderatorin. „Da muss ich mir überlegen: Was sind ihre Argumente? Welchen Zug macht sie?“

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Ihr „Traum-Gast“ wäre Ivanka Trump. „Eine absolut vielschichtige Frau“, schwärmt Brockhaus über die Tochter des US-Präsidenten. „Diese Frau hat so viele Facetten: Sei es Disziplin, sei es Demut, sei es Familiensinn, sei es ihre eigene Meinung, sei es Stil“, zählt sie deren Qualitäten auf. „Und alle sehen sie nur als die blonde Barbie – ein superspannender Gegensatz.“ Noch wichtiger ist es der Moderatorin jedoch, die Gegenseite anzuhören. Neben Herrmann haben bereits die ARD-Journalistin Iris Sayram, Moderator Jörg Thadeusz und Jennifer Sieglar, die durch das SWR-Format „KlimaZeit“ führt, zugesagt. „Wir kennen uns seit zehn Jahren. Sie ist nie meiner Meinung, aber umso mehr mag ich sie als Diskutantin“, sagt Brockhaus über Sieglar.

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„Wir sollten uns wieder trauen, auch unliebsame Meinungen zu akzeptieren“, fordert Brockhaus. Ihr Format soll als Gegenmodell zu den Talkshows von ARD und ZDF fungieren, denen „ein paar konservativ-liberale Köpfe“ gut zu Gesicht stünden. Im Unterschied zu einigen ihrer rigoroseren Kollegen vermeidet sie es jedoch, die Rundfunkanstalten in Bausch und Bogen zu verdammen. „Der öffentlich-rechtliche Rundfunk ist extrem wichtig für unser Land. Er ist die wichtigste Kraft gegen die Polarisierung“, beteuert Brockhaus.

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Die Konkurrenz behält sie stets im Blick. Mühelos referiert sie Quoten ihrer Mitbewerber, betreibt akribisch Marktforschung in eigener Sache. Montags bis mittwochs wird ihre Talkshow ab 16:10 Uhr auf Sendung gehen. Das sei die „perfekte Uhrzeit“ abseits der „Todeszone“ Primetime, bekräftigt Brockhaus. Auch ihr Vorbild Maischberger verdiente sich ihre ersten Meriten im Nachmittagsprogramm. Deren Erfolg ist Brockhaus’ Richtwert. „Ich möchte, dass wir der erfolgreichste neu gegründete Polittalk im deutschen Fernsehen werden“, sagt die Journalistin. Sie wünsche sich für die Zukunft, „dass wir die Konkurrenz ganz weit hinter uns gelassen haben, dass wir Deutschland gezeigt haben, wie echter Polittalk funktioniert, und dass wir viele unterschiedliche Menschen zum Streit zusammengebracht haben“.

Source: welt.de

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