„Wir erfordern keine Belehrung“ – Paris bestellt US-Botschafter wegen Vorbringen zu Aktivisten-Tod ein

Der gewaltsame Tod eines 23-jährigen nationalistischen Aktivisten sorgt für Spannungen zwischen Paris und Washington. Frankreich protestiert gegen eine Stellungnahme der US-Regierung zu dem Fall.

Nach Äußerungen der US-Regierung zum mutmaßlichen Mord an einem rechten Aktivisten in Frankreich bestellt der Pariser Außenminister Jean-Noël Barrot den US-Botschafter Charles Kushner ein. „Wir weisen jede Instrumentalisierung dieses Dramas (…) zu politischen Zwecken zurück“, sagte Barrot im Sender France Inter. Die Einbestellung eines Botschafters gilt – gerade unter Verbündeten – als deutliches diplomatisches Mittel des Protests.

Die US-Botschaft in Frankreich hatte eine Mitteilung des Anti-Terror-Büros des US-Außenministeriums auf X verbreitet, in der das Tötungsdelikt in Lyon als Beleg für eine besorgniserregende Bedrohung durch linksextremistische Gewalt gewertet wurde. Man werde die Situation weiterhin beobachten und hoffe, dass die Verantwortlichen für diese Gewalt vor Gericht gestellt werden, hieß es in der Stellungnahme weiter.

Barrot entgegnete nun, man brauche keine Belehrung von der „reaktionären Internationalen“, insbesondere in Sachen Gewalt. Die Analysen des politischen Lebens und der Rolle der Gewalt führe man selbst mit genügend Nachdruck durch.

Der 23-jährige Aktivist, der laut französischen Medien mehreren rechtsextremen Gruppierungen angehörte, war Mitte des Monats in Lyon am Rande einer rechten Kundgebung angegriffen und tödlich verletzt worden.

Frankreichs Behörden ermitteln derzeit, ob und inwieweit linksextreme Gruppen daran beteiligt waren – unter den festgenommenen Verdächtigen sind mehrere Männer, die der radikalen Linken angehören sollen. Der Fall hat landesweit für Bestürzung gesorgt und Diskussionen über politische Gewalt ausgelöst.

Lesen Sie auch

Vor wenigen Tagen hatte Frankreichs Präsident Emmanuel Macron bereits verärgert darauf reagiert, dass Italiens rechte Ministerpräsidentin Giorgia Meloni den Tod des französischen Aktivisten als „eine Wunde für ganz Europa“ bezeichnete und von ideologischem Hass überwältigte Linksextremisten dafür verantwortlich machte.

Die Nationalisten, die bei sich ungestört bleiben wollten, seien immer die Ersten, die kommentierten, was woanders passiere, sagte Macron. „Bleibt alle zu Hause, dann sind die Schafe gut gehütet.“

dpa/jra

Source: welt.de

AktivismusBalken-InboxBotschafter (ks)FrankreichFrankreich-PolitikNewsteamRechtsextremismusUSA