In der katholischen Kirche in Deutschland ist es schlecht bestellt um den Nachwuchs an Führungskräften. Die Personaldecke ist offenbar so dünn, dass Heiner Wilmer, eben erst zum neuen Vorsitzenden der Bischofskonferenz gewählt, nun auch noch als Bischof von Hildesheim nach Münster wechselt.
Eine Überraschung ist das nicht. Schließlich schrumpft das Reservoir, aus dem die Bischofskandidaten kommen, seit Jahrzehnten.
Wilmer bekommt eine starke Hausmacht
Die Zahl der Priesterweihen in Deutschland bewegt sich schon lange im zweistelligen Bereich. Auch das Profil der Geistlichen hat sich verändert. Früher gab es unter denen, die sich für das Priesteramt entschieden, noch selbstverständlich solche, die auch als Anwalt, Arzt oder Politiker Karriere hätten machen können. Kurzum: die Führungsqualitäten mitbrachten. Diesen Typ gibt es heute kaum noch.
Die Leidtragenden der Doppelbelastung Wilmers sind das Bistum Münster und die Bischofskonferenz. Um beiden Aufgaben gerecht zu werden, dürfte seine Zeit nicht reichen. Für Wilmer selbst aber ist sein neuer Posten machtpolitisch gesehen ein Vorteil; diese Sichtweise ist den meisten Bischöfen nicht so fremd, wie sie oft glauben machen wollen.
Mit dem mitgliederstärksten Bistum im Rücken hat er eine erheblich stärkere Hausmacht, die er in der Bischofskonferenz in die Waagschale werfen kann. Ob die Katholiken in Münster davon etwas haben, bleibt abzuwarten.
Source: faz.net