Wie welcher Angriff gen Chamenei vorbereitet wurde

Stand: 09.03.2026 • 17:27 Uhr

Die USA und Israel haben früh offengelegt, dass der Angriff auf Ajatollah Chamenei auf präzisen Geheimdienstinformationen beruhte. Medienrecherchen zeigen, wie tief Israel und die USA ins Innerste der iranischen Führung sehen konnten.

Ein Angriff auf den obersten Führer des Iran an einem Samstagmorgen? Was sich in Teheran am 28. Februar nach Tagesanbruch ereignete, schien für die iranische Führung außerhalb ihrer Vorstellungskraft – eine für sie verheerende Fehlkalkulation.

Was seither über diesen Tag nach und nach an die Öffentlichkeit gedrungen ist, zeichnet das Bild einer jahrelangen akribischen Vorbereitung des israelischen Geheimdienstes und der CIA auf diesen Tag.

Gigantische Datenmenge direkt aus Teheran

Wie aus umfangreichen Recherchen der Financial Times und der New York Times hervorgeht, arbeiteten Israel und die USA seit Jahren daran, sich ein genaues Bild über die Bewegungen, Gewohnheiten und Dienstzeiten nicht nur von Ali Chamenei zu machen, sondern auch von seinem Umfeld – von seinen Leibwächtern, aber auch von seinen Fahrern und denen hochrangiger Funktionäre.

Schon vor Jahren, schreibt die Financial Times (FT), sei es den Geheimdiensten gelungen, „nahezu alle“ Kameras an Straßen und öffentlichen Plätzen in der iranischen Hauptstadt zu hacken – selbst rund um hochbewachte Gebäude der Führung. Große Datenvolumen seien nach Israel übermittelt und dort kleinteiligst analysiert worden.

Daraus und aus anderen Quellen habe sich ein hochkomplexes Bild der iranischen Entscheidungsträger und -zentren ergeben. „Wir kannten uns in Teheran aus wie in Jerusalem“, zitiert die FT einen Geheimdienstmitarbeiter.

Eine wichtige Rolle soll dabei die „Signal-Einheit 8200“ des Militärgeheimdienstes Aman gespielt haben, die gelegentlich mit dem US-Dienst NSA verglichen wird und die vor allem junge, schnell lernfähige Mitarbeiter rekrutiert.

2024 soll sie an der Planung des Angriffs auf die militärische Spitze der Hisbollah-Miliz im Libanon beteiligt gewesen sein. Tausende, lange zuvor mit Sprengstoff präparierte Pager detonierten damals zur selben Zeit und töteten viele Hisbollah-Angehörige, die bis dahin in dem Glauben waren, die Pager würden sie vor einer Nachverfolgung durch Israel schützen.

Unerwartete Zusammenkunft

Kurz darauf tötete die israelische Armee auch den Hisbollah-Führer Nazrallah, der sich im Wissen um seine Gefährdung zuvor meistenteils nur in unterirdischen Bunkern aufgehalten hatte – er starb als die israelische Luftwaffe tonnenweise Bomben auf ein Gebäude abwarf, unter dem sich Nazrallah zu diesem Zeitpunkt versteckte.

Chamenei wiederum soll sich nicht fortwährend in unterirdischen Verstecken aufgehalten haben, in Kriegszeiten allerdings schon. Die iranische Führung hatte erlebt, wie es der israelischen und US-Luftwaffe im vergangenen Juni zu Beginn des Zwölf-Tage-Krieges gelungen war, rund ein Dutzend hochrangiger Militärangehöriger und Atomwissenschaftler zu töten.

Hätte sich Chamenei in einem seiner Bunker aufgehalten, zitiert die FT einen Insider, hätten ihm israelische Bomben kaum etwas anhaben können. Umso erstaunlicher wirkt es im Nachhinein, dass sich Chamenei zahlreiche Vertreter der militärischen und politischen Führung am Morgen des 28. Februar in in seinem Amtssitz an der Pasteur-Straße im Zentrum Teherans um sich versammelte.

Chamenei habe denselben Fehler wie Nazrallah gemacht und Israels Entschlossenheit unterschätzt, schreibt der israelische Journalist Ben Caspit in der Jerusalem Post – er sei „am Steuer eingeschlafen“.

Eine fatale Fehlkalkulation

Offenkundig hatte die iranische Führung zu diesem Zeitpunkt, da gerade erst eine Weitere Gesprächsrunde über sein Atomprogramm und Raketenarsenal zu Ende gegangen war, noch nicht mit einem Angriff Israels und der USA gerechnet.

Auch müssen sie darauf spekuliert haben, dass ein etwaiger Angriff in der Nacht erfolgen würde, aber nicht nach Tagesanbruch und schon gar nicht an einem Samstag, dem jüdischen Ruhetag Sabbat.

Diesen Irrtum machten sich Israel und die USA zunutze, nachdem ihre Geheimdienste offenbar Kenntnis von dem Treffen erlangt hatten. Die CIA soll dabei auch eine Quelle im engeren Umfeld Chameneis gehabt haben, schreibt die FT unter Berufung auf mehrere Informanten.

Angriffe auf die digitale und mobile Infrastruktur

Nachdem US-Präsident Donald Trump den Befehl zum Angriff gegeben hatte, starteten die USA einen Cyberangriff, um die Kommunikations- und Verteidigungsfähigkeit der iranischen Armee zu schwächen.

Israel gelang es zugleich, rund ein Dutzend Mobilfunkmasten rund um die Büros Chameneis zu stören, so dass die dort Versammelten keinen Hinweis auf eine ihnen drohende Gefahr erhalten konnten.

Kampfflieger schossen mehr als 30 Raketen auf den Gebäudekomplex ab und töteten neben Chamenei den Kommandeur der Revolutionsgarde, Mohammed Pakpur, und den Vorsitzenden des nationalen Verteidigungsrats, Ali Schamchani. Auch die Ehefrau von Chameneis Sohn Modschtaba und ihr gemeinsamer Sohn kamen dabei ums Leben.

An Militärakademien werde dieser Überraschunsgangriff auf Jahrzehnte hinaus auf dem Lehrplan stehen, schrieb Ben Caspit in der Jerusalem Post. Den Ajatollahs in Iran verdeutliche er aber, in welcher Lage sie sich befänden.

Source: tagesschau.de