Wie Sie im Alter nicht aus der Welt schaffen, sondern sich sogar verbessern

Körperliche Fitness, Gedächtnis, Selbstständigkeit – vieles scheint im Alter nachzulassen. Eine Yale-Studie zeigt, dass sich körperliche und geistige Fähigkeiten auch noch später im Leben verbessern lassen. Entscheidend ist dabei ein Faktor.

Viele Menschen verbinden das Älterwerden mit einem schleichenden Verfall. Die Fitness lässt nach, das Gedächtnis wird schwächer – am Ende droht der Verlust der eigenen Selbstständigkeit. Forscher der Yale University zeigen jetzt, dass dieses Bild zu einseitig ist. Und es sich lohnt, positiv aufs Altern zu blicken.

Für die Studie, die kürzlich in der Fachzeitschrift „Geriatrics“ erschienen ist, analysierten die Forscher Daten der US-Langzeitstudie „Health and Retirement Study“. In der staatlich geförderten Untersuchung wird seit 1992 alle zwei Jahre eine repräsentative Stichprobe älterer Menschen befragt. Das Forschungsteam aus Yale untersuchte Daten von mehr als 11.000 Menschen zu ihrer geistigen Leistungsfähigkeit sowie von rund 4600 Personen zu ihrer körperlichen Leistungsfähigkeit. Während der kognitive Test bereits ab 50 Jahren erhoben wurde, schaute man sich die körperliche Leistungsfähigkeit erst ab 65 Jahren an.

Es zeigte sich: Ein überraschend großer Anteil älterer Menschen baute mit dem Alter nicht weiter ab. Sie verbesserten sich sogar: körperlich, geistig oder in beiden Bereichen.

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Die geistige Leistungsfähigkeit ermittelten die Forscher mit dem etablierten „Telephone Interview for Cognitive Status“. Der Test wurde entwickelt, um Anzeichen von Demenz zu erkennen und prüft unter anderem Gedächtnisleistung und Aufmerksamkeit.

Wie fit die Teilnehmer körperlich waren, zeigte ihre Gehgeschwindigkeit. Sie sollten eine Strecke von 2,5 Metern zweimal in ihrem normalen Tempo zurücklegen, aus der schnelleren Zeit berechneten die Forscher die Gehgeschwindigkeit. Dieser Wert ist für die Forscher besonders wichtig: Wie schnell jemand geht, gilt als aussagekräftiger Indikator für Fitness, Krankheitsrisiken und Lebenserwartung.

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Die Ergebnisse widersprechen der verbreiteten Vorstellung vom unausweichlichen Verfall. 45,2 Prozent der über 65-Jährigen verbesserten sich im Verlauf der Studie entweder geistig, körperlich oder in beiden Bereichen. Rund 31,9 Prozent erzielten im kognitiven Test bessere Werte als zu Beginn der Untersuchung, bei 28 Prozent nahm die Gehgeschwindigkeit zu.

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„Viele Menschen setzen Altern mit einem unvermeidlichen und kontinuierlichen Verlust körperlicher und kognitiver Fähigkeiten gleich“, wird Studienautorin Becca Levy laut einer Pressemitteilung zitiert. „Wir haben festgestellt, dass eine Verbesserung im späteren Leben keine Seltenheit ist, sondern häufig vorkommt und in unser Verständnis des Alterungsprozesses einbezogen werden sollte.“

Auf den ersten Blick scheint das im Widerspruch zu vielen Studien zu stehen, die im Alter einen allgemeinen Leistungsabfall zeigen. Tatsächlich sanken auch in der neuen Studie die Durchschnittswerte der kognitiven Leistung und der Gehgeschwindigkeit. „Wenn man alles zusammenfasst, sieht man einen Rückgang“, erklärt Levy. „Schaut man sich jedoch die einzelnen Verläufe an, ergibt sich ein ganz anderes Bild: Ein erheblicher Teil der älteren Teilnehmer hat sich verbessert.“ Genau hier liegt ein methodischer Knackpunkt vieler Altersstudien: Werden nur Durchschnittswerte betrachtet, können individuelle Entwicklungen leicht übersehen werden.

Doch warum entwickeln sich manche Menschen im Alter sogar weiter? Dieser Frage gingen die Forscher nach. Neben Faktoren wie Gesundheit oder Lebensstil nahmen sie auch einen weniger offensichtlichen Einfluss in den Blick: die Einstellung zum eigenen Altern.

Diese wurde anhand mehrerer Aussagen gemessen, denen die Teilnehmer zustimmen oder widersprechen konnten, etwa: „Je älter ich werde, desto nutzloser fühle ich mich.“ Aus den Antworten berechneten die Forscher, wie positiv oder negativ jemand das Älterwerden bewertet.

Dabei zeigte sich: Menschen mit positiveren Altersbildern verbesserten sich häufiger – sowohl in den kognitiven Tests als auch bei der Gehgeschwindigkeit. Dieser Zusammenhang blieb bestehen, selbst nachdem Faktoren wie Alter, Bildung, depressive Symptome, Schlafprobleme oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen statistisch berücksichtigt wurden.

Bemerkenswert ist: Die Verbesserungen beschränkten sich nicht nur auf Menschen, die zu Beginn der Studie gesundheitliche Probleme hatten. Auch Teilnehmer mit zunächst normalen Werten konnten im Laufe der Jahre Fortschritte erzielen. Häufig betraf die Verbesserung allerdings nur einen Bereich: Viele verbesserten sich entweder geistig oder körperlich – nur ein kleinerer Teil in beiden Bereichen gleichzeitig.

Source: welt.de

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