Wie politisch werden die Oscars?

Stand: 15.03.2026 • 18:04 Uhr

Kino ist oft politisch, das zeigte zuletzt auch wieder die Berlinale. Heute werden in Hollywood die Oscars verliehen. Viele der nominierten Filme sprechen heikle Themen an – auch mit aktuellen Parallelen aus den USA.

Allgemein gelten die Oscars nicht als die allerpolitischsten Preisverleihungen. Lange gab es höchstens allgemeinere Statements für Minderheitenrechte, Klimaschutz oder ähnlich globale Themen. In den vier Shows, bei denen Jimmy Kimmel Host war, machte der aber auch die politische Lage zum Thema.

Legendär war seine Live-Replik auf einen abfälligen Social-Media-Post von Donald Trump noch während der Show: Es habe ja wohl noch nie einen schlechteren Moderator gegeben, die Show sei fürchterlich woke, meinte Trump auf Truth Social. Jimmy Kimmel machte sich einen Spaß daraus, sich zu wundern, dass Trump überhaupt zuschaue.

Veranstalter mahnen Respekt an

Inzwischen ist Conan O’Brien Host, und die Academy erklärte – sinngemäß jedenfalls – ganz offen: Wir haben ihn auch deshalb gewählt, weil er ein netter Kerl ist. Zieht der Veranstalter also den Schwanz ein? Bloß nichts Politisches? Nicht unbedingt. Academy-Präsidentin Lynette Howell Taylor äußerte sich beim Lunch-Empfang für die Nominees über die Kandidaten:

Manche Filme schmettern mich nieder, andere richten mich auf. Manche sind eine so dringende Flucht aus dem Alltag, andere sind erhellend. Menschlichkeit, Geschichtsbewusstsein, Mitgefühl – alles war dabei.

„Blood and Sinners“ hofft auf mehrere Preise

Dem Hollywood Reporter sagte Howell Taylor außerdem: „Die Oscars standen schon immer für kreativen Ausdruck, Unabhängigkeit und das Recht auf freie Meinungsäußerung aller Künstler. Das ist wirklich wichtig. Dafür stehen wir“, sagte sie. Aber man möge bitte respektvoll bleiben.

Es gibt eine Menge im weitesten Sinn politische Filme in diesem Jahr, selbst die Animationshits „KPop Demon Hunters“ und „Zoomania 2“ haben feministische und empowering-Elemente, die beispielsweise andere Werte vermitteln als die aktuelle US-Regierung. In „Blood and Sinners“ geht es um Rassismus, und der Film feiert Schwarze Kultur – auch das in den USA politisch hoch aufgeladen. Mehrere Oscars gelten als wahrscheinlich – dass der Alltagsrassismus in den USA in einer Dankesrede angesprochen wird, ist nicht weniger wahrscheinlich.

Autoritarismus, Business-Elite, Medienmanipulation

Als Favorit in der Kategorie „Bester Nebendarsteller“ gilt Sean Penn. Er hat Donald Trump in der Show des ehemaligen CNN-Journalisten Jim Acosta hart angegriffen: „Ich finde es nicht abwegig zu sagen, dass er wie jemand ist, der seine Partnerin, die ihn verlässt, umbringen würde, damit niemand anderes sie bekommt.“

Penn ist mit seiner Rolle als Chef einer Polizeitruppe, die Jagd auf Migranten macht, spätestens durch die Razzien der Einwanderungsbehörde ICE in den Fokus gerückt. Im zugehörigen Film „One Battle After Another“ mit den Themen Autoritarismus, Business-Elite, Medienmanipulation erkennen viele Parallelen zur Entwicklung in den USA. In seiner Dankesrede könnte Penn aber auch den Abwehrkampf der Ukraine zum Thema machen. Er setzt sich seit Langem für mehr Unterstützung für das Land ein.

Kommen auch Israel und Gaza zur Sprache?

Der eine oder die andere Preisträgerin dürfte die Ukraine, Gaza, Iran oder ganz einfach die Politik der Regierung Trump mit Sicherheit ansprechen. Aber auch Schauspielerinnen und Schauspieler, die die Kategorien präsentieren und Preise überreichen, sind Kandidaten dafür. Javier Bardem beispielsweise – am Rande der Emmys prangerte er dem Variety-Magazin gegenüber Israel an.

Israel müsse wegen des Genozids in Gaza boykottiert werden, sagte der spanische Schauspieler damals. Er ist auch Unterzeichner des Offenen Briefes an Berlinale-Präsident Wim Wenders. Gut möglich, dass er auch bei seinem Oscar-Auftritt Stellung bezieht – mit Worten, Kufiya-Palästinensertuch oder auch nur einem Anstecker.

Mindestens mit Ansteckern dürfte auch weiterhin an Renee Good und Alex Pretti erinnert werden, die Anfang des Jahres im Zusammenhang mit Razzien der Einwanderungsbehörde ICE auf offener Straße erschossen wurden. Es könnten die politischsten Oscars seit Langem werden.

Source: tagesschau.de