Wie dasjenige iranische Regime die Medien kontrolliert

Stand: 12.03.2026 • 14:35 Uhr

Unabhängig berichten – das sei in Iran eine Gratwanderung, schildern Journalisten dem ARD-Korrespondenten Uwe Lueb. Zu groß seien Kontrolle und Unterdrückung. Damit schade sich das Regime in Kriegszeiten sogar selbst.

Selbst wenn die Lage düster und ungewiss ist, versuchen sie, das Geschehen festzuhalten. In vielerlei Hinsicht sind ihre Texte eine Form des stillen Widerstands, sagt Reza über die Arbeit unabhängiger Journalistinnen und Journalisten in Iran. Er lebt seit 15 Jahren nicht mehr in dem Land. Früher hat er dort bei der Luftwaffe gearbeitet. Als ihm das zunehmend falsch vorkam, wurde er Journalist.

Doch er habe dem Druck auf Dauer nicht standgehalten. Denn Journalismus in Iran bedeute „politische Unterdrückung, Zensur, Verhaftungen und mangelnde Pressefreiheit“. Unabhängiger Journalismus sei in Iran extrem schwierig. Viele Journalisten bezahlten offenes Reden mit Gefängnis oder dem Ende ihrer Karriere.

„Vorgeladen, inhaftiert, eingesperrt“

Und doch gebe es freien Journalismus in Iran, erzählt Mehrdad. Er selbst hat das Land vor vielen Jahren verlassen, um für die BBC zu arbeiten. Seitdem kann er nicht mehr zurück, nicht mal für Besuche. Denn für das Regime sei die BBC ein anti-iranischer Propagandasender.

Wenn Mehrdad von den Kolleginnen und Kollegen unabhängiger oder kritischer Medien in Iran erzählt, spricht aus ihm Bewunderung:

Diese Medien sind vielen Einschränkungen ausgesetzt. Viele unabhängige Journalisten wurden wiederholt von Sicherheitsbehörden vorgeladen, inhaftiert, eingesperrt und so weiter. Dennoch setzen sie ihre Arbeit fort.

Schlechtere Bezahlung für Arbeit bei unabhängigen Medien

Das beeindruckt auch Hasti. Sie hat sich dem selbst lange ausgesetzt, bis zur „Frau Leben Freiheit“-Bewegung Ende 2022. Dann drohte ihr, verhaftet zu werden. Sie floh. Aber es ist nicht nur der politische Druck bis hin zum möglichen Verlust der eigenen Freiheit, der unabhängigen Journalistinnen und Journalisten zu schaffen macht, meint Hasti: „Journalisten, die für unabhängige Medien arbeiten, werden schlecht bezahlt, was es extrem schwierig macht, Projekte zu verfolgen und den Lebensunterhalt zu verdienen.“

Wer nicht für regimetreue Medien arbeitet, muss sich arrangieren. Und jeweils ausloten, wie weit man gehen kann – die „roten Linien“ beachten, die aber niemand genau definiert.

Besonders ausländische Medien in Iran stehen unter Beobachtung. Einer, der früher mal in Iran für ausländische Medien gearbeitet hat und anonym bleiben möchte, beschreibt das so:

Bevor der ausländische Korrespondent kam, rief mich jemand an und übergab mir dann eine Liste mit sogenannten ‚unabhängigen Analysten und Professoren‘, die interviewt werden sollten. Und sie zwangen mir einen Dolmetscher auf, der dann mich, das ausländische Team und ihre Berichterstattung überwachte.

Der Job als Gratwanderung

Für Journalistinnen und Journalisten in Iran ist ihre Arbeit eine Gratwanderung. Sie müssen mit dem Regime klarkommen, ohne sich mit ihm gemein zu machen, sagt Reza. Es sei wichtig zu wissen, dass Journalistinnen und Journalisten recherchierten und versuchen würden, Raum für Vertrauen zu schaffen. „Es wäre unfair, sie alle der Loyalität gegenüber der Regierung zu bezichtigen“, betont Reza.

Der Umgang des Regimes mit Medien ist steif, urteilt Mehrdad. Es verstehe nicht, wie Medien arbeiten. Nicht genehmigte Aufnahmen – etwa von im Krieg zerstörten Gebäuden, Wohnungen oder Krankenhäusern – sind verboten. Selbst jetzt sei das Regime restriktiv, obwohl es sich Medien sogar zunutze machen könnte, meint Mehrdad:

Normalerweise öffnet ein Land, wenn es einem Angriff aus dem Ausland ausgesetzt ist, unabhängig von seiner Regierung, seine Türen für ausländische Journalisten – damit Stimmen gegen den Krieg die Welt erreichen können. Aber die iranische Regierung ist mit dem Konzept der Medien nicht vertraut und schränkt die Einreise ausländischer Reporter nach wie vor ein.

Über die Jahre sind viele Journalistinnen und Journalisten dem Druck des Regimes gewichen, haben das Land verlassen. Sie arbeiten seitdem im Ausland, als Journalisten oder in anderen Berufen. Sie sind jetzt frei, aber der Preis dafür sei hoch, sagt Reza: „In Iran fühlte sich das Leben zwar an wie im Gefängnis, aber es war meine Heimat. Ein Käfig vielleicht, aber dennoch mein Zuhause.“

Source: tagesschau.de