Brigitte Bardot beendete 1974 ihre Karriere, um sich ganz dem Tierschutz zu widmen. Mehr als 30 Jahre lang unterstützte sie aber auch die Partei von Jean-Marie und Marine Le Pen
Dem rechtsextremen Lager war Brigitte Bardot leider immer nützlich
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Brigitte Bardot war der erste große Filmstar, der seinen Glamour und Ruhm nutzte, um die französische extreme Rechte zu unterstützen – über 30 Jahre lang.
Bis zuletzt brachte Bardot ihre Zufriedenheit darüber zum Ausdruck, dass Marine Le Pens einwanderungsfeindliche Partei Rassemblement National in den Umfragen im Vorfeld der Präsidentschaftswahlen 2027 zulegt. Bardot, die ihre Schauspielkarriere bereits 1974 beendet hatte, um sich ganz dem Tierschutz zu widmen, erklärte immer, sie wolle nur für ihren Kampf für Tierrechte in Erinnerung bleiben – den sie als ihr einziges Anliegen bezeichnete.
Doch jahrelang sorgte sie mit öffentlichen Äußerungen zu Einwanderung und der Zukunft Frankreichs für Kontroversen. Angesichts von Umfragen, denen zufolgeLe Pens Partei wahrscheinlich in die Stichwahl der Präsidentschaftswahlen 2027 einziehen und der Macht so nah wie nie zuvor sein wird, werden Bardots politische Ansichten als wichtiger Teil ihres Vermächtnisses in Erinnerung bleiben.
Fünf Mal wurde Bardot wegen „Anstiftung zum Rassenhass“ verurteilt
Ihr Image wird durch die Tatsache belastet, dass sie fünf Mal wegen „Anstiftung zum Rassenhass“ verurteilt wurde – meist wegen Äußerungen über Muslime und das, was sie als „Invasion” von Ausländern in Frankreich bezeichnete, aber auch wegen Äußerungen über die Bewohner der französischen Insel Réunion, die sie als „Wilde” bezeichnete.
In ihrem letzten Buch, Mon BBcédaire („Mein BB-Alphabet“), das wenige Wochen vor ihrem Tod veröffentlicht wurde, schrieb Bardot, die Rechte – wie sie Le Pens Partei nennt – sei das „einzige dringend benötigte Heilmittel gegen die Leiden Frankreichs”. ines Landes, das ihrer Meinung nach „langweilig, traurig, unterwürfig, krank, ruiniert, verwüstet, gewöhnlich und vulgär” geworden sei.
Über Marine Le Pen sagte Brigitte Bardot: „Sie ist die einzige Frau, die Eier hat.“
Seit den 1990er Jahren unterstützte Bardot Jean-Marie Le Pens einwanderungsfeindliche Front National und später dessen Tochter Marine Le Pen, die die Partei in Rassemblement National (RN) umbenannte. Als die extreme Rechte in den 199oern an der französischen Riviera, wo Bardot lebte, an Einfluss gewann, lernte sie ihren Ehemann Bernard d’Ormale über die Familie Le Pen bei einem Abendessen in Saint-Tropez kennen. 1993 heiratete Bardot d’Ormale. Der ehemalige Berater von Jean-Marie Le Pen blieb bis zu ihrem Tod ihr Ehemann.
Über Marine Le Pen sagte Brigitte Bardot anerkennend: „Sie ist die einzige Frau, die Eier hat.“ Sie unterstützte Le Pens Präsidentschaftskandidaturen 2012 und 2017 und lobte insbesondere ihre Kritik an der Präsenz von Halal-Fleisch in Frankreich. Le Pen wiederum bezeichnete Bardot, deren Antlitz 1968 als Vorbild für die Büste der Marianne gedient hatte, als das ultimative Symbol fürs Französischsein.
Als 2016 eine politische Kontroverse über das Verbot von Ganzkörper-Badeanzügen, sogenannten Burkinis, an französischen Stränden tobte, erklärte Le Pen, die französischen Strände seien stattdessen die Heimat der Bardot, die dafür bekannt ist, im Bikini am Strand von Cannes zu posieren. Nachdem Emmanuel Macron vergangenes Jahr vorgezogene Neuwahlen angesetzt hatte, bei denen die extreme Rechte ihre Präsenz im Parlament ausbauen konnte, sagte Bardot, dass Jordan Bardella, der junge Vorsitzende des RN, „sehr gut“ sei. Bardella wiederum würdigte Bardot nach ihrem Tod als „glühende Patriotin”.
Sie traf die meisten französischen Präsidenten von de Gaulle bis Macron im Élysée-Palast
Bardot setzte sich mit ihrer politischen Energie für Tierschutz ein. Sie traf die meisten französischen Präsidenten von Charles de Gaulle bis Macron im Élysée-Palast und richtete Petitionen an sie zu Themen wie dem Import von Babyrobbenfell, der Wilderei von Elefanten und der Jagd. Obwohl sie sich entschieden zur Rechten bekannte, argumentierte Bardot auch, dass sie mit jedem Politiker zusammenarbeiten könne, der sich für Tierrechte einsetzt, und lobte einmal den Linken Jean-Luc Mélenchon für seinen Vegetarismus. 2013 drohte Bardot, Frankreich zu verlassen und die russische Staatsbürgerschaft zu beantragen, sollten zwei an Tuberkulose erkrankte Elefanten im Zoo von Lyon eingeschläfert würden. Damals pries sie den russischen Präsidenten Wladimir Putin, nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine änderte sie aber ihre Meinung und kritisierte ihn.
Der #MeToo-Bewegung stand Brigitte Bardot in ihren letzten Lebensjahren kritisch gegenüber. Bevor Anfang dieses Jahres das Urteil gegen den Schauspieler Gérard Depardieu gefällt wurde, der wegen sexueller Übergriffe auf zwei Frauen während Dreharbeiten im Jahr 2021 für schuldig befunden wurde, verteidigte Bardot „talentierte Menschen, die Mädchen an den Po fassen“.
„Feminismus ist nicht mein Ding … Ich mag Männer“, sagte sie in ihrem letzten Fernsehinterview in diesem Jahr gegenüber BFM TV. Als der Interviewer meinte, es sei möglich, sowohl Feministin zu sein als auch Männer zu mögen, erwiderte sie entschieden: „Nein!“