Widerstand gegen Immobilien: Wenn Volk die neue Logistikhalle stoppen

Logistikimmobilien sind emotional aufgeladene Gebäude. Unabhängig von der Ästhetik oder dem Onlineverhalten der Besteller will kaum einer sie „vor der Nase“ haben. Selbst wer die Hallen nicht direkt sieht, spürt den „zunehmenden Verkehr“, regt sich über die „Betonwüsten“ auf oder hört „Lärmschleudern“.

Die Nachfrage nach modernen Logistikflächen wächst seit Jahren kontinuierlich. Zwar freuen sich oft Kämmerer und Wirtschaftsförderer, dennoch stoßen neue Logistikentwicklungen zunehmend auf Widerstand – sowohl seitens der Kommunen als auch der Bevölkerung. Davon ist immer wieder zu lesen: „Ich kaufe im lokalen Handel“, heißt es dann im digitalen Raum. Einige Gegner erliegen pseudowissenschaftlichen Thesen. Das Ganze spielt sich meist regional ab, sodass die seismographischen Erschütterungen die Landkreisgrenze kaum verlassen.

In Achim in Niedersachsen war ein Amazon-Logistikstandort geplant als großes Verteilzentrum mit mehreren Hundert Arbeitsplätzen. Das Projekt ist gescheitert. Bürger protestierten dagegen, weil sie Verkehrsbelastung und Flächenversiegelung befürchteten. Die Kommune zog sich nach öffentlichem Druck zurück.

Diese Logistikprojekte stehen im Abseits

Im Münchner Umland plante die DHL Group die Erweiterung eines bestehenden Logistik-Hubs für die internationale Paketzustellung. Anwohner und Naturschutzverbände haben sich aufgrund von Eingriffen in Landschaftsschutzgebiete dagegen gewehrt. Das Genehmigungsverfahren scheiterte an Umweltauflagen.

In der Rhein-Main-Region sollte ein Logistikpark entstehen mit mehreren Logistikunternehmen auf einer Fläche von 30 Hektar. Doch nach einem Bürgerentscheid entschied sich die Kommune anders. Die Argumente waren der Verlust von Ackerflächen und keine „hochwertigen“ Arbeitsplätze.

In den Niederlanden liegt die Logistikfläche je Einwohner mit rund 1,89 Qua­dratmetern je Einwohner deutlich höher als in Deutschland mit 0,94 Quadratmetern. Dort gibt es mittlerweile einen Begriff für Logistikhallen: „Verdozing“. Damit gemeint ist die „Verkistung der Landschaft durch graue Boxen“.

Das können Investoren und Städte besser machen

Hinzu kommt für die Befürworter in den Kommunen: Flächen sind generell knapp und stehen in direkter Konkurrenz zu Wohnbauprojekten, Gewerbeparks oder landwirtschaftlicher Nutzung. Kommunen fürchten, dass Logistikansiedlungen langfristig die Entwicklungsmöglichkeiten einschränken. Wie können Investoren diese negativen Ergebnisse verhindern? Mit welchen Argumenten lassen sich Bevölkerung, Naturschützer und Unternehmen überzeugen?

Dafür kommt es auf eine frühzeitige Bürgerinformation und transparente Kommunikation an, bevor sich „das Gerede“ verselbständigt. Ferner lässt sich eine ganze Klaviatur von Argumenten und Entgegenkommen anführen: eine feste Zusage von Arbeitsplätzen und möglichen Ausbildungsprogrammen, Investitionen in lokale Infrastruktur, neue Straßen oder eine Nahverkehrsanbindung. Weitere Punkte sind die Revitalisierung einer Industriebrache statt Neubau auf der Grünfläche sowie Photovoltaikanlagen, die Begrünung des Gebäudes, Regenwassermanagement oder auch eine Kooperation mit der Stadt für nachhaltige lokale Mobilitätskonzepte. Gegen zu viel Lärm lässt sich in Schallschutz investieren. Wohnraum kann durch Werkswohnungen entstehen.

In der Schweiz werden Bauvorhaben mit einer „Profilierung“ dargestellt: Riesige Ballons und Bauprofile sollen vorab zeigen, wie hoch und groß das geplante Gebäude sein wird. Dadurch erkennen Nachbarn und Behörden die Auswirkungen auf Sichtachsen, Sonneneinstrahlung und das Landschaftsbild.

Spätestens an dieser Stelle schütteln Investoren den Kopf und argumentieren zu Recht: „Das alles geht keinesfalls immer, vielleicht punktuell, aber es wird schwer zu bezahlen sein.“ Außerdem führt die zunehmende Ablehnung zu längeren Genehmigungsverfahren, höheren Planungskosten und steigender Unsicherheit für Investoren. Projekte verzögern sich oder scheitern ganz. Für die Branche bedeutet das: Standortentscheidungen werden komplexer. Die Suche nach „logistikfreundlichen“ Kommunen wird zum strategischen Faktor.

Dennoch lassen sich pragmatische Lösungsansätze finden. Dafür ist die frühe Einbindung der Öffentlichkeit entscheidend. Informationsveranstaltungen, Visualisierungen und offene Dialogformate können Vorurteile abbauen. Wenn Bürger verstehen, welche Vorteile entstehen, kann die Ablehnung sinken. Pluspunkte sind zusätzliche Arbeitsplätze, mehr Gewerbesteuereinnahmen und nachhaltige Bauweisen.

Die Logistik muss insgesamt grüner werden: Photovoltaik auf Dächern, Begrünung, Regenwassermanagement und energieeffiziente Bauweise gehören zu den Hallen dazu. Denn Kommunen reagieren positiv, wenn Projekte ökologische Mehrwerte bieten. Auch Konzepte wie „Multilevel-Logistik“ oder die Umnutzung brach liegender Industrieflächen reduzieren den Flächenverbrauch. Wenn es dann noch gelingt, die lokale Wertschöpfung sichtbar zu machen, kann die Akzeptanz steigen.

Doch eine Logistikhalle ist kein Ponyhof und der Raum knapp. Die Ablehnung von Logistikentwicklungen ist keinesfalls ein kurzfristiger Trend, sondern Ausdruck eines gesellschaftlichen Wandels hin zu mehr Nachhaltigkeit und Lebensqualität. Ähnliche Vorbehalte treffen auch den Bau von Rechenzentren. Die Vorhaben sollten daher Teil einer inte­grierten Standortstrategie sein. Besser ist es, auf Kooperation statt auf Konfrontation zu setzen.

Der Autor des Gastbeitrags ist Professor für Immobilienwirtschaft an der Hochschule Biberach.

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