In Benin sind acht Millionen Menschen am Sonntag aufgerufen gewesen, einen neuen Präsidenten zu wählen. Präsident Patrice Talon durfte nach zwei Amtszeiten nicht mehr antreten. Als Nachfolger hat er seinen Finanzminister Romuald Wadagni ins Rennen gebracht, an dessen Wahlsieg nur wenige in dem westafrikanischen Land zweifeln dürften. Sein einziger Gegenkandidat, Paul Hounkpé, gehört einer gemäßigten Partei an, die in der Parlamentswahl im Januar weniger als 5 Prozent erreichte. Die größte Oppositionspartei, Les Démocrates, konnte keinen Kandidaten aufstellen, weil sie nicht die dafür benötigte Zahl von Unterstützern im Parlament aufbrachte.
Der 49 Jahre alte Wadagni, ein früherer Partner bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte, kündigte im Wahlkampf an, auf dem Kurs seines Vorgängers zu bleiben und die begonnenen Reformen und Infrastrukturprojekte fortzusetzen. In einem Interview mit dem französischen Magazin „Jeune Afrique“ sagte er, mit dem 67 Jahre alten Präsidenten „fast ein Vater-Sohn-Verhältnis“ zu haben. Es ist sein erster Wahlkampf, während sein Kontrahent schon einmal als Vizepräsident kandidierte.
Versuchter Regierungssturz vor wenigen Monaten
Beobachter sagten vorab, die größte Herausforderung bestehe darin, die Beniner überhaupt zu den Wahllokalen zu bewegen. Viele seien frustriert über die Unterdrückung demokratischer Prozesse. In den Parlamentswahlen im Januar waren fast zwei Drittel der registrierten Wähler zu Hause geblieben, nachdem neue Wahlgesetze den Parteien die Teilnahme fast unmöglich gemacht hatten.
Benin, ein schmales Küstenland zwischen Togo und Nigeria, ist politisch stabil mit kräftigem Wirtschaftswachstum. Einer der wichtigsten Wirtschaftszweige ist die Baumwollproduktion. Trotzdem ist etwa ein Drittel der Bevölkerung arm. Wadagni nannte den Kampf gegen die Armut als eine seiner Prioritäten als Präsident. Ein weiteres Problem ist das Vordringen islamistischer Terroristen aus den nördlichen Nachbarstaaten Burkina Faso und Niger. Im April vergangenen Jahres wurden bei einem Angriff einer mit al-Qaida verbundenen Bande 54 beninische Soldaten getötet.
Die angespannte Sicherheitslage war wohl auch der Grund, weshalb Soldaten Ende vergangenen Jahres versuchten, die Regierung zu stürzen. Der Putschversuch wurde allerdings schnell von den Streitkräften mit französischer und nigerianischer Unterstützung vereitelt. Einige Putschisten sagten, sie seien wütend gewesen, weil sie im Kampf mit den Islamisten nicht genug von der Regierung unterstützt würden.
Wadagni, der an der Grenoble Universität in Frankreich studiert und Kurse an der amerikanischen Harvard-Universität belegt hat, wird weithin als Technokrat gesehen. Mit einer aufwendigen Medienkampagne versuchte er im Wahlkampf, diesen Ruf abzuschütteln. Er betonte, eine „gewöhnliche Kindheit“ in Benin gehabt zu haben und dem Land eng verbunden zu sein. Seine Familie ist seit der Unabhängigkeit 1990 politisch aktiv. Nach einem Wahlsieg könnte er dank einer kürzlichen Verfassungsänderung sieben statt bisher fünf Jahre im Amt bleiben.
Source: faz.net