Werden wir im Epstein-Fall noch Konsequenzen erleben?

Was wir vom Austausch zwischen Jeffrey Epstein und Noam Chomsky lernen können. Auch Barbie hat mit dem Winterwetter zu kämpfen. Und die SPD entdeckt ihre soziale Wurzeln nur gratismutig wieder. Der „Freitag“-Blick auf den Tag


12

Hallo,

wie jede brave Journalistin höre auch ich jeden Morgen Radio. Einen ganz kurzen Moment dachte ich heute dabei: „Na endlich!“

Endlich gibt es ein paar Konsequenzen aus dem Epstein-Fall: In Großbritannien musste der Stabschef seinen Posten räumen und Premierminister Keir Starmer ist angeschlagen. Die beiden haben Peter Mandelson als Botschafter in die USA geschickt, obwohl sie wussten, dass Mandelson Kontakte zu Jeffrey Epstein unterhielt, auch nachdem dieser als Sexualstraftäter verurteilt worden war. Und in Norwegen wird gegen den ehemaligen Regierungschef Thorbjørn Jagland ermittelt.

Doch mein „Na endlich“ hielt nicht lange an: Es geht um Korruption, nicht um die Gewalt, die Überlebenden angetan wurde. Wie so oft in diesem Fall sind sie nicht diejenigen, deren Mut und Leid gewürdigt wird.

Stattdessen hört man aktuell oft den Reflex: „Nur, weil jemand Epstein kannte, hat er nicht automatisch Mädchen vergewaltigt“. Nein, aber er hat bewusst Kontakt zu einem Mann gesucht, von dem man wusste, dass er jugendliche Mädchen missbraucht. Durch ihr Schweigen, das gute Image, das ihm Promis oder auch linke Intellektuelle wie Noam Chomsky gaben, und im Fall von Jagland und Mandelson die finanziellen Gefälligkeiten, haben sie alle Epsteins Gewalt mit ermöglicht.

Die Deutsche Bank musste übrigens 75 Millionen Euro in einem Vergleich an die Überlebenden zahlen, weil ihre Finanzgeschäfte mit Epstein dessen Missbrauch ermöglichten. Vielleicht kommen auch die Korruptionsuntersuchungen zu diesem Schluss und es gibt wenigstens ein paar Konsequenzen, die auch den Überlebenden zugutekommen.

1. Heute wichtig

2. Made My Day

Placeholder image-1

Weird Barbie 2.0! Nach Greta Gerwigs Barbie-Film ist die unnatürlich schöne Puppe wieder zurück in der Popkultur. Diesmal komplett eingeeist, mit zerzausten Haaren und verlaufenem Make-Up, was ihr aufgesetztes Lächeln sehr gequält wirken lässt. So tauchte Barbie heute Morgen in meinem Insta-Feed auf.

Unter dem Titel „This is my villain origin story“ kämpft sich eine von ihnen in pinken Stiefeln und Jacke durch den Schnee. Wer weiß, vielleicht wird sie ja wirklich der neue Bösewicht im nächsten Marvelfilm, Superkraft: Gefrierhände. Auch wenn ich in meinem ersten Newsletter noch meinte, wie schön es sei, dass es noch einmal schneit, bin ich inzwischen auch sehr froh darüber, dass es in Berlin endlich taut.

3. Kultur-Tipp

Placeholder image-2

Gut zu lesen: Apropos Memes! Wer immer schon einmal wissen wollte, wie man TikTok endlich versteht, sollte den Newsletter von Marcus Bösch abonnieren. Unter dem Titel „Understanding Tiktok“ erklärt Bösch regelmäßig, welche Auswirkungen die Algorithmen der Plattform haben und wie dort Politik gemacht wird.

Vor wenigen Wochen freute ich mich noch, dass überall Memes von Werner Herzogs nihilistischem Pinguin auftauchten, der sich von seiner Kolonie (ja, so heißt das bei Pinguinen) trennt und allein auf einen riesigen Berg zuläuft. Dank Bösch kann ich das leider nicht mehr cool finden – das Meme entspringt rechten Foren und wurde populär, weil Trump es im Grönland-Zusammenhang (wo der Pinguin ja gar nicht lebt) postete. Schade, aber vielleicht können wir uns den Pinguin ja zurückholen.

Zum Newsletter

4. Lese-Empfehlung

Placeholder image-3

➜ Kehrt die SPD gerade zurück? Es wirkt fast, als würden die Sozialdemokraten ihre „soziale“ Seite wiederentdecken. Zumindest gehen sie aktuell in eine Gegenoffensive zur Union und deren Kampagne, Arbeitnehmer:innen möglichst viel zu schröpfen: Die SPD will eine Erbschaftsteuer, Abgaben auf Kapitaleinkünfte, Reformen in der Rente. Warum sie das plötzlich alles fordert? Jörg Wimalasena sagt, ganz klar: Sie wird dank der Union, mit der sie im Bund regiert, nichts davon tatsächlich umsetzen müssen.

Placeholder image-6

Abschaffung von „Lifestyle-Teilzeit“, Zahnbehandlungen nur noch auf eigene Rechnung – die arbeitnehmerfeindlichen Vorschläge, die derzeit aus dem Umfeld der Union kommen, haben nicht nur öffentliche Kritik ausgelöst. Selbst die SPD scheint sich darauf zu besinnen, dass sie ja theoretisch einmal eine Arbeiterpartei war – und will nun in die Gegenoffensive kommen.

Statt den Leistungskatalog der Gesetzlichen Krankenversicherung einzuschränken (was nur Arbeitgebern und privaten Versicherern helfen würde) will sie wohlhabende Selbstständige laut einer Beschlussvorlage des Parteivorstands, die dem Spiegel vorliegt, stärker zur Kasse bitten. Künftig sollen auch Kapitaleinkünfte und Mieteinnahmen abgabepflichtig sein. Bislang ist das nur bei freiwillig gesetzlich Versicherten der Fall – und nur bis zur Beitragsbemessungsgrenze von derzeit 5.812,50 Euro im Monat. Und auch in der Rentenversicherung soll es Reformen geben. Beamte sollen laut Papier ebenfalls einzahlen, genau wie Selbstständige und Mandatsträger. So weit, so sinnvoll.

zum ganzen Text

Und damit sind wir auch schon wieder am Ende dieser Ausgabe. Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag und dass Sie das Tauwetter genau wie mich davor rettet, wie Barbie zum Bösewicht des nächsten Blockbusters zu werden.

Viele Grüße,

Ihre Alina Saha

Placeholder image-5

Sie lesen Endlich Freitag! – der Blick auf den Tag – direkt aus der Freitag-Redaktion. Sie können Endlich Freitag! auch als Newsletter abonnieren. Hier können Sie sich registrieren

Placeholder image-4

Glauben Sie es wird doch noch zu echten Konsequenzen im Epstein-Fall kommen? Oder bleiben die Überlebenden für immer ohne Urteil? Wir freuen uns über Ihr Feedback – per Mail an a.saha@freitag.de

AbgabenArbeitnehmerBeamteBergBerlinBotschafterBUNDChomskyDeutsche BankEndeEpsteinErbschaftsteuerEuroFilmFreitagGewaltGretaGrönlandGroßbritannienJeffreyJörgJugendlicheKeirKorruptionKrankenversicherungKritikKulturLangeLernenLinkeMake-UpMANMandelsonMannMissbrauchNoamNorwegenPeterPolitikPopkulturRadioReformenRenteRentenversicherungSchneeSelbstSexualstraftäterSPDSpiegelStarmerTAGTikTokTrumpUnionUSAWeilWeißWernerWillWissen
Comments (0)
Add Comment