Wer wie Nachfolger von EZB-Chefin Lagarde infrage kommt


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Stand: 19.02.2026 • 17:01 Uhr

Die Europäische Zentralbank hat Berichte vom vorzeitigen Rückzug ihrer Präsidentin nicht bestätigt. Christine Lagarde soll sogar dementiert haben. Dennoch ist das Rennen um die Nachfolge eröffnet.

Wim Duisenberg – Niederlande, Jean-Claude Trichet – Frankreich, Mario Draghi – Italien, Christine Lagarde – Frankreich sowie Internationaler Währungsfonds IWF; wer auch immer in die Fußstapfen der bisherigen Präsidenten der Europäischen Zentralbank (EZB) tritt, tritt in große. Normalerweise machen die mächtigsten Euro-Mitgliedsstaaten die Nachfolge unter sich aus, aber eine Französin oder ein Franzose wird es wohl nicht werden, da ist sich die Fachwelt einig.

Zeit für einen Kandidaten aus Deutschland? „So lange Ursula von der Leyen Chefin der EU-Kommission ist, wird es keinen deutschen EZB-Chef geben“, sagt Carsten Brzeski, Chefvolkswirt der ING. Denn die EU ist ein kompliziertes Konstrukt, mit vielen Schaltstellen. Die Chancen für Bundesbank-Präsident Joachim Nagel oder EZB-Direktoriums-Mitglied Isabell Schnabel schwinden damit.

Nationalität kein Hindernis?

Beiden wird Interesse an dem Posten nachgesagt. Aussichtslos ist das Rennen für die beiden jedoch nicht, erklärt Robin Winkler, Chefvolkswirt für Deutschland bei der Deutschen Bank. „Wo die Qualifikationen gegeben sind, ist die Nationalität kein unüberwindbares Hindernis.“

Dabei besteht kein Zweifel daran, dass die gehandelten Kandidatinnen und Kandidaten geeignet für den Job sind, wie auch Spaniens ehemaliger Notenbankchef Pablo Hernández de Cos oder der ehemalige niederländische Zentralbankpräsident Klaas Knot, dem Außenseiterchancen eingeräumt werden. Auch Osteuropa rückt immer wieder in den Blickpunkt, doch scheint die Region aus dem Rennen zu sein, nachdem der kroatische Zentralbankchef Boris Vujcic kürzlich zum Vizepräsidenten der Europäischen Zentralbank ernannt worden ist.

Erwartungen der Finanzmärkte hoch – Kontinuität ist wichtig

Die Erwartungen der Finanzmärkte sind hoch. Am wichtigsten scheint dabei ein lautloser Übergang an der EZB-Spitze zu sein. „Die wichtigste Aufgabe wird sein, für eine hohe Kontinuität zu sorgen“, so Experte Winkler. „Die EZB genießt sowohl in der Öffentlichkeit als auch an den Finanzmärkten eine hohe Glaubwürdigkeit momentan, denn sie hat wieder in der Geldpolitik einen Ansatz gefunden, der für Stabilität sorgt.“

Sprich: Die Inflation wurde wieder eingedämmt. Denn für Preisstabilität zu sorgen, ist die einzige Aufgabe der EZB. Anders in den USA, wo die Notenbanker auch den Arbeitsmarkt im Blick haben müssen. Die wachsende politische Einflussnahme der Trump-Regierung hat viele verschreckt.

Gutes Händchen gesucht

Anders bei der EZB, wo es gelungen ist, politische Diskussionen bisher aus der Geldpolitik weitestgehend herauszuhalten. „Sie macht Geldpolitik für den gesamten Euroraum. Sie macht das sehr erfolgreich. Insofern ist die Personalie an der Spitze – Gott sei Dank möchte man sagen – bei weitem nicht so bedeutsam, wie in den USA“, sagt Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Deka Bank.

Und das, obwohl die EZB viele Länder mit unterschiedlichen Wirtschaftsräumen und unterschiedlichen Preisgefügen unter einen Hut bringen muss. Das macht die Sache dann wieder politisch, erklärt Ascan Iredi, Kapitalmarktstratege bei der Plutos Vermögensverwaltung: „Das wird nicht einfach, deshalb kann man den Akteuren, die jetzt nach der richtigen Person suchen, nur Glück wünschen.“

Source: tagesschau.de