WEniger VErträge qua erhofft: Softwareriese SAP kann KI-Zweifel nicht leer räumen

Dem Vorstand des Softwarekonzerns SAP ist es auf der Jahrespressekonferenz nicht gelungen, Zweifel über die Wachstumsaussichten angesichts eines immer stärkeren Vordringens von KI zu zerstreuen. Obwohl der hochprofitable Konzern von weiter deutlich zweistelligen Wachstumsraten im Cloud-Geschäft ausgeht und nahezu alle Ziele im alten Jahr erreicht hat, rauschte der Aktienkurs am Donnerstag ab. Das Papier des immer noch wertvollsten börsennotierten Unternehmen Deutschlands verbilligte sich zeitweise um fast 15 Prozent. Damit verlor der Konzern an der Börse in kurzer Zeit rund 30 Milliarden Euro an Wert. Das ist mehr als etwa Adidas alleine auf die Waage bringt.

Vorstandschef Christian Klein und Finanzvorstand Dominik Asam zeigten sich auf Jahrespressekonferenz sichtlich gedrückt. Zugleich verteidigte das Vorstandsteam die strategische Ausrichtung. Anders als von manchem befürchtet würden KI-Agenten keine Software ersetzen, selbst wenn sie unbestritten selbst zum Coden also Programmieren in der Lage seien. KI-Agenten könnten gut Geschäftsdaten analysieren, aber wenn darum gehe, die Datenqualität zu beurteilen, komplexe Geschäftsprozesse miteinander zu verbinden und zu verstehen, kämen sie an ihre Grenze. „Einer muss den Agenten sagen, wohin sie rennen müssen.“

Was die SAP-Vorstände zu den Zahlen sagen

SAP vereine das beste beider Welten: eine riesige Basis von Geschäftsdaten, eine harmonisierte Datenstruktur, zudem das Wissen über Geschäftsprozesse in vielen sehr unterschiedliche Industrien. SAP binde zudem alle führenden KI-Agenten und Large Language Models in die eigene Software ein. SAP sei einzigartig positioniert, um das KI-Rennen im Geschäftsleben zu gewinnen. Je mehr KI-Agenten entstünden und je mehr Geld in Rechenzentren und Hardware fließe, desto besser sei es für SAP, schließlich wachse die Konkurrenz der Anbieter und damit die Möglichkeiten für SAP.  Der Vorstand glaube an die Strategie und werde sie unabhängig von kurzfristigen Kapitalmarktreaktion umsetzen.

Die Skepsis an den Kapitalmärkten konnte er damit nicht überwinden, obwohl der Vorstand am Donnerstag zudem ankündigte, bis zu 10 Milliarden Euro in ein weiteres Aktienrückkaufprogramm zu investieren.  Seit Monaten wachsen die Zweifel, ob KI nicht auch das Geschäftsmodell der Softwarekonzerne zerstört. Die Investmentbank Jefferies sprach am gar von einer „historisch schlechten Branchenstimmung“.  Als Indiz für die schwindenden Wachstumsaussichten nannten etliche Investoren die Entwicklung des „CCB“.

Was steckt hinter dem SAP-Kürzel „CCB“?

Hinter dem am Donnerstag häufig zitierten Kürzel verbirgt sich der Auftragseingang der letzten zwölf Monaten.  Konkret bedeutet der Current Cloud Backlog, die vertraglich zugesicherten Clouderlöse, die SAP in den nächsten 12 Monaten auf Basis seines Orderbuchs erwarten kann. Nach einem währungsbereinigten Zuwachs von 29 Prozent im Jahr 2024 wuchs der CCB im Geschäftsjahr „nur“ um 25 Prozent, im laufenden Jahr sagte der Konzern eine leichte Abschwächung voraus. Klein sagte, das Wachstumsmodell sei nach wie vor intakt, mehr noch: „Keine Industrie wächst schneller.“

Klein zeigte sich mit dem Erreichten sehr zufrieden. Obwohl das Umfeld schwierig gewesen sei, habe der Konzern seine Ziele erreicht. Auch wenn das Cloudgeschäft mit plus 26 Prozent nur am unteren Ende der prognostizierten Bandbreite wuchs, gewinne SAP Marktanteile hinzu. Das Wachstumstempo würde andere Industrien in der Tat zur Ehre gereichen: so stieg der Gesamtumsatz um 11 Prozent auf 36,8 Milliarden Euro. Das Betriebsergebnis – nach europäischen Rechnungslegungsstandard IFRS – verdoppelte sich sogar auf 9,5 Milliarden Euro und landete damit über den eigenen Zielen.

Erneut deutliche Kritik übte Klein am regulatorischen Umfeld in der EU. Zu zersplittert sei es, wenig konsistent und zu umfassend. Dieser Rahmen sei schon für SAP nicht gut, aber viele Start-ups könnten damit gar nicht umgehen. Die überbordende Regulierung ist nach seinen Worten eine Antwort auf die Frage, warum sich neben SAP in Europa kein zweites Softwareunternehmen von internationalem Rang entwickelt habe.  Klein geht davon aus, dass die KI jeden Arbeitsplatz betreffen wird, neue Restrukturierungen plane der Konzern aber nicht. Vielmehr müssten die gut 110.000 Beschäftigen für die neue Welt fit gemacht werden.

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