Der kanadische Premierminister Mark Carney sieht eine Möglichkeit für eine Einigung in der Grönland-Frage. „Der Ausgangspunkt muss die militärische Sicherheit nicht nur in Grönland, sondern in der Arktis sein“, sagte Carney auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos. Kanada habe dieses Thema schon seit Längerem angesprochen. Auf die Frage, ob Russland und China eine Bedrohung für die Arktis darstellen, antwortete Carney: „Russland stellt fraglos eine Bedrohung dar, auch wenn eher perspektivisch als aktuell. Wir sollten dafür sorgen, dass sie perspektivisch bleibt.“ Die Gewährung der Sicherheit in der Arktis bedeute einen Test für die NATO.
Angesichts einer sich ändernden Welt rief Carney die Mittelmächte auf, im Interesse einer besseren Welt zusammenzuarbeiten, um nicht gegenüber rivalisierenden Großmächten völlig ins Hintertreffen zu geraten. „Die harte Realität lautet, dass wir nicht in einer Transformation, sondern in einem Bruch leben“, sagte Carney. „Die alte Ordnung kommt nicht wieder.“
Der Kanadier bezeichnete die Absicht vieler mittlerer Mächte, einen höheren Grad an wirtschaftlicher Souveränität und Autonomie anzustreben, um sich gegen den Missbrauch wirtschaftlicher Macht durch Großmächte mit hegemonialen Ambitionen zu schützen, zwar als verständlich. Eine zunehmende Isolierung von der Weltwirtschaft werde allerdings mit Kosten einhergehen.
Carney empfahl stattdessen Kooperationen williger Mittelmächte zum Beispiel in der Künstlichen Intelligenz, um eine Abhängigkeit von „Hegemonen und Hyperscalern“ zu vermeiden. Wie die Europäische Union ist auch Kanada dabei, Freihandelsabkommen zu verhandeln.