Welche Auswirkung hat die Blockade von Starlink für jedes Russland?


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Stand: 17.02.2026 18:47 Uhr

Anfang des Monats blockierte SpaceX den Zugang zum Internetsystem Starlink für Moskaus Streitkräfte. Nun soll es erste konkrete Auswirkungen an der Front geben. Warum wurde Starlink blockiert – und welche Bedeutung hat das?

Starlink wird im Ukraine-Krieg als ein wichtiges Instrument für Kommunikation und Aufklärung sowie die Steuerung von Einheiten, Waffensystemen und Versorgung genutzt. Allgemein gesprochen ist es ein Satellitensystem, das Internetzugang bietet und von dem von Elon Musk gegründeten US-Raumfahrtunternehmen SpaceX betrieben wird.

Starlink-Nutzer benötigen eine Empfangs- und Sendeeinheit mit integrierter Routerfunktion und einer besonderen Satellitenantenne. Damit erhalten sie unabhängig von herkömmlicher Telekommunikations-Infrastruktur Zugang zu schnellem Internet. Die Nutzung von gewöhnlichem mobilem Internet an der Front ist ineffektiv und gefährlich, da es oft keine Verbindung gibt und bestehende Verbindungen schnell geortet werden können.

Wie sind die Ukraine und Russland an die Technologie gekommen?

Die Ukraine setzt das Starlink-System bereits seit 2022 für die Verteidigung gegen russische Angriffe ein. Grundlage waren etwa 1.000 von SpaceX zur Verfügung gestellte Starlink-Antennen. Inzwischen soll das ukrainische Militär mehr als 40.000 Terminals besitzen.

In Russland ist die Nutzung von Starlink offiziell nicht erlaubt. Es gibt weder eine Zulassung für das System in Moskau, noch verkauft Musk seine Technologien an Russland. Dennoch tauchten ab 2023 die ersten Starlink-Terminals auch bei den unter massiven Kommunikationsproblemen leidenden russischen Truppen auf. Diese wurden zumeist über Länder am Persischen Golf oder in Zentralasien nach Russland geschmuggelt.

In den Wochen vor der Abschaltung hat das russische Militär dank Starlink eine Reihe besonders effektiver Drohnenangriffe gegen ukrainische Einheiten geführt, sowohl an der Front wie auf die Versorgung – mit russischen Geländegewinnen als Folge. Die Nutzung von Starlink ermöglichte Russland dabei eine Luftunterstützung, die ihre Luftwaffe den Bodentruppen nicht bieten kann.

Zudem half sie Russland bei Angriffen, die besonders tief ins Landesinnere zielten. „Die russischen Streitkräfte nutzen zunehmend Starlink-Satellitennetzwerke, um die Reichweite ihrer BM-35-Angriffsdrohnen zu vergrößern und Mittelstreckenangriffe im Inneren der Ukraine durchzuführen“, erklärte das unabhängige Institute for the Study of War (ISW).

Unter anderem Polens Außenminister Radoslaw Sikorski rief daraufhin Musk auf, Starlink für Russland zu sperren. „Weshalb verhindern Sie nicht, dass die Russen Starlink nutzen, um ukrainische Städte anzugreifen?“, schrieb Sikorski an Musk gerichtet auf dessen Plattform X. „Mit Kriegsverbrechen Geld zu verdienen, schadet Ihrer Marke“, fügte der Minister hinzu. Auch die Ukraine schlug Alarm – und fand offenbar Gehör bei SpaceX.

Wer ist das ISW?

Das Institute for the Study of War (ISW) ist nach eigenen Angaben eine unabhängige und überparteiliche Denkfabrik in Washington D.C., die zu Sicherheitspolitik und militärischen Krisen forscht und dazu regelmäßig Aufsätze und Analysen veröffentlicht. Die Schwerpunkte liegen derzeit auf der Ukraine und Russland, auf dem Nahen Osten sowie auf China und seinen Nachbarn. Im Krieg gegen die Ukraine etwa verfolgt das ISW den Frontverlauf in regelmäßigen Updates.

Das Institut ist gemeinnützig und erhält nach eigenen Angaben keine finanzielle Unterstützung der US- oder einer anderen Regierung, sondern finanziert sich vor allem durch Spenden von Unternehmen. Es gibt enge Verbindungen zu Vertretern des US-Militärs; so sitzt etwa der Ex-General David Petraeus im Vorstand.

Wie funktioniert die Blockierung?

Zwei Methoden sollen dabei helfen, das russische Militär von der weiteren Starlink-Nutzung in der Ukraine abzuschneiden. Erstens gibt es eine Geschwindigkeitsbegrenzung: Bewegt sich ein Terminal zwei Minuten lang schneller als 90 km/h, geht das System in einen Neustart. Das soll den Einsatz der Terminals an russischen Drohnen verhindern.

Die zweite Maßnahme gilt als noch wichtiger: Alle Terminals auf dem Gebiet der Ukraine müssen offiziell auf einer elektronischen Plattform angemeldet werden, damit sie funktionieren. Das hat offenbar auch auf ukrainischer Seite zu Problemen geführt, da die Mehrheit der Terminals nicht offiziell über die Streitkräfte erworben wurde, sondern über Freiwillige. Einheiten mit solchen Geräten müssen sie nun offiziell registrieren, damit sie wieder funktionieren.

Welche Folgen hat das für den Kriegsverlauf?

Laut dem ISW hat die Ukraine zwischen Mittwoch und Sonntag etwa 200 Quadratkilometer zurückerobert – so viel Gebiet in einem solchen Zeitraum wie seit Juni 2023 nicht mehr. Das ISW begründet diesen Erfolg mit der Blockade von Starlink. Seitdem habe Russland nur an einem Tag Geländegewinne erzielt. Allerdings konzentrieren sich die Rückeroberungen vor allem auf einen kleinen Frontabschnitt östlich der Stadt Saporischschja.

Schon kurz nach der Abschaltung beklagte der Militärkorrespondent des russischen Staatsfernsehens, Alexander Sladkow, dass die Kommunikation innerhalb der Einheiten auf das Niveau von 2022 kurz nach Kriegsbeginn zurückgeworfen worden sei.

Doch das heißt nicht, dass Russland nicht weiter Krieg führen kann. Für den Drohnenkampf an der Front setzt Russland bereits seit einiger Zeit auch auf Glasfasertechnik. Die Drohnen hängen an einer Spule mit bis zu 50 Kilometer Glasfaserkabel und können so unbehelligt von Funkstörungen ins Ziel gelenkt werden.

Zudem testet Russland derzeit ein neues Kommunikationssystem als Alternative zu Starlink, wie die russische Agentur TASS laut ISW berichtet. Nach Angaben der Russischen Stiftung für Fortgeschrittene Forschungsprojekte habe die stratosphärische Plattform „Barrage-1“ ihren Jungfernflug unternommen. Jedoch zitiert ISW russische Militärblogger, die das System für ungeeignet halten, Starlink auch tatsächlich zu ersetzen.

Mit Informationen der Nachrichtenagentur dpa.

Source: tagesschau.de