Das Rennen um die Nachfolge des Siemens-Vorstandsvorsitzenden Roland Busch hat der Aufsichtsrat am Mittwochabend eröffnet. Peter Körte, im Vorstand bislang verantwortlich für Technologie und Strategie, wird vom 1. Juli an zusätzlich für die zuletzt so erfolgreiche Sparte Smart Infrastructure von Matthias Rebellius zuständig sein. Damit erhält Körte nun die operative Verantwortung für eine Sparte, die im Aufsichtsrat als Voraussetzung für den Chefposten gilt.
Der Vertrag von Busch läuft noch bis zum Jahr 2030. Als möglicher Nachfolger gilt auch Cedric Neike, der im Vorstand für die Kernsparte Digital Industries zuständig ist. Im Geschäft mit der Industrieautomatisierung gab es im vergangenen Jahr Rückschläge, da sich die konjunkturelle Erholung in China verzögerte. Immerhin konnte Digital Industries im vierten Geschäftsquartal (per 30. September) eine Trendwende verzeichnen und einen steigenden Auftragseingang sowie höhere Umsätze verbuchen.
Deutlich besser lief es für Smart Infrastructure, in dem das Geschäft mit Elektrifizierung und intelligenter Gebäudetechnik gebündelt ist. Die Sparte von Rebellius konnte 20 Quartale in Folge die operative Gewinnmarge im Vergleich zum Vorjahreszeitraum steigern. Sie erzielte im zurückliegenden Geschäftsjahr einen höheren Umsatz als Digital Industries und verdiente mit 4,5 Milliarden Euro fast zwei Milliarden mehr. Ende September endet der Vertrag von Rebellius.
Bienert folgt Thomas am 1. April
Auch im Finanzressort kommt es zu einem Wechsel, der schon im November angekündigt worden war. Neu ist aber der Termin 1. April: Dann wird Veronika Bienert die Nachfolge von Finanzvorstand Ralf Thomas antreten, dessen Vertrag in diesem Jahr endet. Thomas wird aber weiterhin Aufsichtsratsvorsitzender des Medizintechnikunternehmens Siemens Healthineers bleiben. Den Anteil an Healthineers will Siemens von 67 Prozent auf 37 Prozent reduzieren. Die 30 Prozent sollen an die Siemens-Aktionäre gehen.
Thomas wird nach Angaben des Unternehmens auf eigenen Wunsch mit Ablauf des 13. Mai aus dem Vorstand ausscheiden und bis zum regulären Ende seiner Amtszeit im Dezember 2026 als Berater zur Verfügung stehen. „Mit diesen Entscheidungen sorgt der Aufsichtsrat für eine geordnete und reibungslose Nachfolgeplanung für den Vorstand und stellt die Weichen für die nächste Phase unserer Transformation hin zu einer One Tech Company“, erklärte der Aufsichtsratsvorsitzende Jim Hagemann Snabe.
Er zeigte sich überzeugt, dass Bienert und Körte mit ihrer vielfältigen Erfahrung, Kompetenz und Führungsstärke das Unternehmen verlässlich weiter voranbringen werden. Der Däne und frühere Vorstandschef von SAP wird sein Amt voraussichtlich bis zur Hauptversammlung 2027 ausüben. Sein Nachfolger Ulf Mark Schneider wurde auf der Hauptversammlung im vergangenen Jahr in den Aufsichtsrat gewählt. Dabei war eine zweijährige Einarbeitungszeit vorgesehen, allerdings mit der Möglichkeit eines vorzeitigen Wechsels an der Aufsichtsratsspitze.
An diesem Donnerstag findet die Hauptversammlung von Siemens in der Münchner Olympiahalle statt. Das erste Mal wird Busch, der seit Februar 2021 Vorstandschef ist, vor die Aktionäre treten. Die vergangenen Hauptversammlungen hatte Siemens virtuell abgehalten.